Arzneimittel und Therapie

Frakturen unter inhalativem Cortison

Langzeitanwendung bei hoher Dosierung ist mit erhöhtem Risiko für Knochenbrüche assoziiert

bj/cst | Eine aktuelle Fall-Kontroll-Studie aus Kanada zeigt, dass die Inhalationstherapie mit Glucocorticoiden bei Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung mit einem moderaten Anstieg des Frakturrisikos verbunden ist. Ein erhöhtes Risiko besteht allerdings erst bei langjähriger Anwendung und hohen Dosierungen.

Eine aktuelle Datenbankanalyse weist auf ein leicht erhöhtes Knochenbruch-Risiko durch inhalative Glucocorticoide bei Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) hin. Forscher werteten dazu kanadische Versichertendaten von 240.110 COPD-Patienten im Alter von mindestens 55 Jahren auf die Häufigkeit von Hüft-Frakturen und Knochenbrüchen der oberen Extremitäten aus. Die verwendeten Cortison-Dosierungen wurden dabei in Fluticason-Äquivalente umgerechnet. Berücksichtigt wurden erstmalig behandelte Patienten, die zwischen 1990 und 2005 innerhalb eines Jahres mindestens drei Verordnungen eines COPD-Medikaments erhalten hatten.

Während eines durchschnittlichen Beobachtungszeitraumes von 5,3 Jahren traten in der Kohorte 19.396 Knochenbrüche auf. Das entspricht einer Inzidenz von 15,2 Frakturen auf 1000 Personenjahre. Bei jedem zweiten Fall handelte es sich um eine Hüftfraktur. Um den Risikoeinfluss der Cortison-Inhalation zu bewerten, verglichen die Autoren die Daten jedes Frakturpatienten mit denen von jeweils 20 COPD-Kontrollpatienten, die in dem Beoachtungszeitraum keine Fraktur erlitten hatten.

Frakturrisiko bei langjähriger Anwendung hoher Dosen

Das Risiko, eine Hüftfraktur oder Knochenbrüche der oberen Extremitäten zu erleiden, war nach einer Cortison-Anwendung über mehr als vier Jahre und bei Dosen, die mindestens 1000 Mikrogramm Fluticason entsprachen, erhöht. Die Risikoerhöhung war jedoch lediglich moderat und entsprach einem Ratenverhältnis von 1,1 (95%-KI 1,02 bis 1,19). Es konnten keine statistisch relevanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern festgestellt werden. Aufgrund des mittleren Alters von rund 75 Jahren waren die meisten Patientinnen in der Postmenopause.

Methodische Einschränkungen

Da es sich bei dieser Untersuchung um eine Datenbankanalyse handelt, sind die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren. So könnten nicht erfasste Faktoren wie Rauchen oder Körpergewicht das Frakturrisiko beeinflusst haben. Die Autoren vermuten dennoch ein erhöhtes Risiko für postmenopausale Frauen, das nach ihrer Meinung durch Verifizierung in noch größeren Kohorten zu ermitteln sei.

Cortison-Inhalation limitieren

In der Vergangenheit wiesen bereits mehrere Studien auf eine Verminderung der Knochendichte durch Inhalation von Cortison hin. Während inhalative Glucocorticoide in der Asthma-Behandlung eine zentrale Rolle spielen, wird ihr Einsatz bei COPD kritisch gesehen. Die aktuelle COPD-Leitlinie beschränkt den Einsatz von inhalativem Cortison auf Patienten mit einer asthmatischen Begleitkomponente bzw. Patienten mit hohem Exazerbationsrisiko, bei denen eine duale Bronchodilatation zur Senkung der Exazerbationsfrequenz nicht ausreicht. Bei fehlender Indikation ist ein Ausschleichen der Therapie unter langwirksamen Bronchodilatatoren möglich. |

Quelle

Gonzalez AV et al. Long-term Use of Inhaled Corticosteroids in COPD and the Risk of Fracture. Chest 2018;153(2):321-328

S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD). AWMF-Register Nr. 020/006. Stand Januar 2018. www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/020-006.html, Abruf am 26. Februar 2018

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