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Phytoforschung

Kreuzkümmel

Eine traditionelle Droge mit Potenzial

Der Kreuzkümmel wurde bereits im ägyptischen Papyrus Ebers (16. Jh. v. Chr.) erwähnt und in der „Materia medica“ des Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) beschrieben. In der griechischen und römischen Küche war er ein wichtiges Gewürz, das häufig als Ersatz für den teuren Pfeffer diente [1]. | Von Matthias F. Melzig

Kreuzkümmel (Cuminum cyminum) wird oft mit dem Echten Kümmel (Carum carvi) verwechselt, dessen Inhaltsstoffe und Wirkungen jedoch unterschiedlich sind (s. DAZ 2016, Nr. 29, S. 62) [10]. So findet man im Kreuzkümmel 2,5 bis 6 Prozent ätherisches Öl mit den Hauptkomponenten Cumin­aldehyd, γ-Terpinen, β-Pinen und p-Cymen; zehn bis 15 Prozent fettes Öl mit hohem Anteil an Petroselinsäure sowie ca. 0,1 Prozent Flavonoide. Die Nutzung als Gewürz ist nicht nur im Geschmack, sondern auch in den verdauungsfördernden Effekten auf den Speichelfluss, die Magensaftsekretion, Galleproduktion und Darmmotilität begründet.

Kreuzkümmel weist einen charakteristisch aromatischen und leicht bitteren Geschmack auf. In der traditionellen Phyto­therapie wird er daher als Karminativum bei Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Das ätherische Öl wirkt spasmolytisch bei Blähungen, Durchfall und Koliken. Bei Anwendung der als Gewürz üblichen Dosen besteht nach bisherigen Erkenntnissen keine akute oder chronische Toxizität [2].

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Früchte des Kreuzkümmels, ca. 5 mm lang.

Effekt gegen metabolisches Syndrom

Schaut man die wissenschaftliche Literatur nach neueren Studien zu Kreuzkümmel durch, so gibt es Hinweise auf diätetische Effekte zur Behandlung von Übergewicht und metabolischem Syndrom [3]. Weiterhin wird eine deutliche Senkung des Blutzuckerspiegels berichtet [4]. In einer randomisierten Doppelblind-Placebo-kontrollierten klinischen Studie wurde nachgewiesen, dass die Einnahme von Kreuzkümmel über acht Wochen das Körpergewicht und den BMI in ähnlicher Weise senkte wie der Lipasehemmer Orlistat (Xenical® und Generika) [5]. Ebenfalls in einer kontrollierten klinischen Studie wurde festgestellt, dass Kreuzkümmel den Blutspiegel von oxidiertem LDL signifikant senkte [6].

Fungizide und bakterizide Wirkungen

Besonders interessant sind aber auch neue wissenschaft­liche Untersuchungen zur antimikrobiellen Wirkung des Kreuzkümmels [7]. Die Komponenten des ätherischen Öls, das seit langer Zeit zur Lebensmittelkonservierung eingesetzt wird, zeigten eine antimikrobielle Aktivität gegenüber verschiedenen Lebensmittel-verderbenden Pilzen der Gattungen Aspergillus, Penicillium, Candida und Trichoderma. Das ätherische Öl ist damit ein effektiver Zusatz zu Lebensmitteln, um chemische Konservierungsstoffe auszutauschen. Zudem besitzt es antimikrobielle Aktivität gegenüber humanpathogenen Keimen wie Salmonella typhimurium und Staphylococcus aureus. Darüber hinaus wurde eine Wirksamkeit von wässrigen und ethanolischen Drogenextrakten gegen Helicobacter-pylori-Infektionen gezeigt [2].

Unter dem Aspekt der zunehmenden Resistenzentwicklung humanpathogener Keime und dem damit verbundenen Verlust der Wirksamkeit etablierter Antibiotika kommt Untersuchungen zur antibakteriellen Wirkung pflanzlicher Zubereitungen neue Bedeutung zu. Alkoholische Kreuzkümmelextrakte hemmten das Wachstum von Gentamicin-resistenten Enterokokken aus Patientenisolaten [8] und könnten damit bei Wundinfektionen eingesetzt werden. Interessanterweise zeigt eine Kombination der ätherischen Öle aus Kreuzkümmel und Koriander ein breites antibakterielles Wirkungsspektrum, das viele Keime betrifft, die in kontaminierten Lebensmitteln auftreten [9].

Damit öffnen sich neue Aspekte für die Anwendung von Kreuzkümmelzubereitungen, die über die Verwendung als Gewürz oder Nahrungsergänzungsmittel hinausgehen – ­vorausgesetzt, entsprechende Studien stützen die gegenwärtigen Befunde. |

Literatur

 [1] Kolait H, Melzig MF. Kreuzkümmel Cuminum cyminum L. Z Phytother 2015;36:229-234

 [2] Teuscher E. Gewürzdrogen. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2003: 197-200

 [3] Zare R, et al. Effect of cumin powder on body composition and lipid profile in overweight and obese women. Complement Ther Clin Pract 2014;20:297-301

 [4] Srinivasan R. Plant foods in the management of diabetes mellitus: spices as beneficial antidiabetic food adjuncts. Int J Food Sci Nutr 2005;56:399-414

 [5] Taghizadeh M, et al. Effect of the cumin cyminum L. intake on weight loss, metabolic profiles and biomarkers of oxidative stress in overweight subjects: a randomized double-blind placebo-controlled clinical trial. Ann Nutr Metab 2015;66:117-124

 [6] Samani KG, Farrokhi E. Effects of cumin extract on oxLDL, paraoxanase 1 activity, FBS, total cholesterol, triglycerides, HDL-C, LDL-C, Apo A1, and Apo B in in the patients with hypercholesterolemia. Int J Health Sci (Qassim) 2014;8:39-43

 [7] Kedia A, et al. Antifungal and anti-aflatoxigenic properties of Cuminum cyminum (L.) seed essential oil and its efficacy as a preservative in stored commodities. Int J Food Microbiol 2014;168-169:1-7

 [8] Revati S, et al. In vitro antibacterial activity of seven Indian spices against high level gentamicin resistant strains of enterococci. Arch Med Sci 2015;11:863-868

 [9] Bag A, Chattopadhyay RR. Evaluation of Synergistic Antibacterial and Antioxidant Efficacy of Essential Oils of Spices and Herbs in Combination. PLoS One 2015;10(7):e0131321

[10] Johri RK. Cuminum cyminum and Carum carvi: An update. Pharmacogn Rev 2011;5(9):63-72

Autor

Prof. Dr. Matthias F. Melzig

Institut für Pharmazie, Königin-Luise-Str. 2+4, 14195 Berlin

autor@deutsche-apotheker-zeitung.de

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