DAZ aktuell

Überfordert und allein gelassen

Monitor Patientenberatung 2014 zeigt Defizite auf

BERLIN (jz) | Seit 2006 berät die Unabhängige Patientenberatung (UPD) im Auftrag des Gesetzgebers kostenfrei und unabhängig zu allen Gesundheitsfragen. Alleine im vergangenen Jahr führte sie rund 80.000 Beratungsgespräche. Überwiegend ging es dabei um Leistungen von Kostenträgern im Gesundheitswesen – doch Patienten suchen auch Rat zu Arzneimitteln, wie der Monitor Patientenberatung 2014 zeigt. Für den Patientenbeauftragten Karl-Josef Laumann (CDU) liefert der Bericht wichtige Hinweise: Er zeigt, wo aus Sicht der Patienten gerade „der Schuh drückt“.

Was bezahlen gesetzliche Krankenkassen und was kann bei Ablehnung eines Antrags getan werden? Fragen wie diese beschäftigten die UDP-Berater am häufigsten. Das deutsche Gesundheitswesen sei komplex und könne überforderte Patienten immer weniger unterstützen, erklärte UPD-Geschäftsführer Dr. Sebastian Schmidt-Kaehler. „Was bleibt, sind Patienten mit dem Gefühl, nicht zu bekommen, was ihnen zusteht. Sie fühlen sich allein gelassen, betrogen, und viele haben Angst. Information und Aufklärung sind daher das Querschnittsthema überhaupt.“

UPD-Arzneimittelberatung

Die telefonische Arzneimittelberatung der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) ist am Institut für Klinische Pharmakologie der Technischen Universität Dresden angesiedelt. Sie berät bundesweit und kostenfrei zu Fragen der Arzneimittelanwendung und Arzneitherapie. Die Auskünfte werden von pharmazeutischen Mitarbeitern des Instituts vertraulich und auf Wunsch anonym erteilt. Zusätzlich sind Anfragen per Post oder Fax möglich. In der Regel werden zunächst die erforderlichen Informationen aufgenommen und die Ratsuchenden dann zurückgerufen. Soweit es möglich ist, werden die Anfragen innerhalb von 24 Stunden beantwortet. Auf Wunsch erhalten Ratsuchende zusätzlich eine schriftliche Zusammenfassung des Beratungsgesprächs.

Fünf Arzneimittel pro Patient

Rat zu Arzneimitteln suchten überwiegend Patienten zwischen 60 und 79 Jahren und überwiegend Frauen. In den geführten 2877 Gesprächen ging es insbesondere um die Diagnose und Behandlung bestimmter Erkrankungen, Wechselwirkungen sowie die korrekte Einnahme bzw. Anwendung von Arzneimitteln. Das häufigste Anliegen betraf unerwünschte Arzneimittelwirkungen. Gut die Hälfte der Ratsuchenden machte Angaben zu Arzneimitteln, so dass insgesamt die Einnahme von 8804 Präparaten dokumentiert wurde. Im Median nahm jeder Ratsuchende fünf Arzneimittel gleichzeitig ein.

Arzneimittelkoordinator fehlt

Die UPD-Berater weisen darauf hin, dass häufig keine leitliniengerechte Medikation erfolgte. Wiederholt gebe es Hinweise, dass Ratsuchende ohne erkennbaren Grund Mittel der zweiten und dritten Wahl erhielten. In dieser Hinsicht seien Ärzte möglicherweise nicht immer ausreichend informiert. Auch die Multimorbidität bei Ratsuchenden wurde thematisiert. Viele verschiedene (Fach-)Ärzte leiten jeweils eigene medikamentöse Therapien ein. „Wenn aber niemand alle Medikamente im Blick hat, werden mögliche Wechselwirkungen außer Acht gelassen und am Ende erhält ein Patient 20 unterschiedliche Mittel“, warnen die Berater. Es mangele daher oftmals an einer koordinierenden Instanz, die die Wechselwirkungen bei gleichzeitiger Einnahme mehrerer Arzneimittel überwache.

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