UPD-Zuschlag für Sanvartis

Laumann: Ein „Quantensprung“ für die Patientenberatung

Berlin - 21.09.2015, 17:25 Uhr

Die Erwartungen an die neue UPD sind unterschiedlich. (Bild: Coloures-pic/Fotolia)

Die Erwartungen an die neue UPD sind unterschiedlich. (Bild: Coloures-pic/Fotolia)


Ab dem kommenden Jahr soll die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) Ratsuchenden länger und besser ausgerüstet zur Verfügung stehen. Dies versprechen das Bundesgesundheitsministerium (BMG) und der GKV-Spitzenverband, die den neuen Träger der UPD, Sanvartis, heute offiziell vorgestellt haben. Die Oppositionsparteien Linke und Grüne sehen die Entscheidung allerdings weiterhin kritisch.

Die UPD – derzeit noch getragen vom Sozialverband VdK Deutschland, der Verbraucherzentrale Bundesverband und dem Verbund unabhängige Patientenberatung – geht zu Beginn des nächsten Jahres an das Duisburger Unternehmen Sanvartis über. Dieses wird hierfür eine eigenständige, gemeinnützige GmbH gründen.

Laut BMG werden die Berater der UPD künftig wochentags bis 22 Uhr sowie samstags von 8 bis 18 Uhr – und damit deutlich länger als bisher – über eine kostenfreie Rufnummer erreichbar sein. Ratsuchende können sich hier beispielsweise über gängige Behandlungsmethoden informieren. Ebenso können sie sich zu Arztrechnungen oder zu Leistungen der Krankenversicherung sowie weiteren sozialrechtlichen Fragen, etwa solchen der Zuzahlung, beraten lassen. Sofern Anliegen nicht telefonisch geklärt werden können, gibt es an 30 Standorten in Deutschland auch die Möglichkeit, sich persönlich beraten zu lassen. Das BMG verspricht: „Oberster Grundsatz ist dabei die Neutralität und Unabhängigkeit der Beratung – hierauf werden alle rund 120 Berater, u. a. Mediziner und Juristen, intensiv geschult und ihre Arbeit durch ein umfassendes Qualitätsmanagement abgesichert“.

Mehr Geld, längere Laufzeit

Die Ausweitung des von der GKV finanzierten Angebots wird möglich durch die im Rahmen des GKV-Finanzstruktur- und Qualitäts-Weiterentwicklungsgesetzes beschlossene Erhöhung der Fördermittel von 5,2 auf 9 Millionen Euro jährlich. Auch wurde die Laufzeit für den UPD-Vertrag von fünf auf sieben Jahre verlängert. Die PKV beteiligt sich an der Finanzierung mit jährlich 630.000 Euro. 

Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes, erläuterte, dass es im Verfahren der Neuvergabe der UPD unterschiedliche konzeptionelle Angebote gab. So sei es zu einem „echten Wettbewerb um die besten Lösungen“ gekommen. „Wir sind überzeugt, dass wir mit dem Angebot der Sanvartis GmbH das im Interesse der Patienten und Verbraucher beste und innovativste Angebot ausgewählt haben“, betonte Kiefer.

Laumann: Einflussnahme Dritter ausgeschlossen

Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Patientenbeauftragter der Bundesregierung, wies auf die rechtlichen und organisatorischen Vorkehrungen hin, die auch in Zukunft die Neutralität und Unabhängigkeit des Beratungsangebots sicherstellen sollen: „Künftig wird ein Auditor über die Einhaltung der Qualitätsmaßstäbe und der Unabhängigkeit wachen. Zudem erhält der Beirat Weisungsrechte gegenüber der neuen UPD. Und: Mit Ausnahme einiger weniger Fachärzte werden die Beraterinnen und Berater erstmals direkt bei der neu gegründeten UPD-Gesellschaft angestellt und ausschließlich für diese tätig sein. Einflussnahmen Dritter auf die Beratung werden somit ausgeschlossen.“ Laumann sparte nicht mit Vorschuss-Lorbeeren: „Ich bin mir sicher: Die Patientenberatung in Deutschland macht einen Quantensprung“.

Thorben Krumwiede, designierter Geschäftsführer der UPD, präsentierte sich voller Tatendrang: „Wir wollen eine gute Idee noch besser machen“. Ziel sei es, die Anzahl der Beratungen auf mehr als 220.000 jährliche Kontakte nahezu zu verdreifachen. Darüber hinaus wolle man vor allem die Beratungsqualität stärken. „Ärzte, Rechtsanwälte, medizinische Fachangestellte und weitere Spezialisten aus mehr als 15 verschiedenen Fachgebieten können zu telefonischen und persönlichen Beratungen per Videotelefonie dazu geschaltet werden“,erklärte  Krumwiede.

Linke und Grüne: Ein Bärendienst für die Patienten

Doch nicht alle können in die Begeisterung einstimmen. Kritikern stößt vor allem auf, dass Sanvartis bislang auch als Dienstleister für Krankenkassen und pharmazeutische Unternehmen tätig ist. „Mit der Übertragung der UPD an ein kommerzielles Callcenter-Unternehmen erweisen die Krankenkassen und der Patientenbeauftragte der Bundesregierung den Patienteninteressen einen Bärendienst“, beklagt Kathrin Vogler  von der Linksfraktion im Bundestag. „Was die Beteuerungen der neuen Betreiber wert sind, werden wir schon bald sehen.“ Ähnlich äußerte sich Maria Klein-Schmeink, Sprecherin der Grünen für Gesundheitspolitik. Vor allem Laumann sei „durch seine tragende Rolle bei der Ausschreibung dafür verantwortlich, dass eine wirklich unabhängige Patientenberatung ab 2016 nicht mehr existiert“.  Die Versicherten bekämen künftig eine im Wesentlichen telefongestützte reduzierte Patienteninformation von einem privaten Anbieter, der ansonsten sein Geld durch Dienstleistungen für Krankenkassen und Pharmaindustrie verdiene. „Damit ist klar: Die Patienten bleiben in Zukunft mit ihren komplexen Anliegen allein“, so Klein-Schmeink.


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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