Gesundheitspolitik

Hospitalisierung durch Nebenwirkungen

Studie deutscher Unikliniken zur Selbstmedikation

BERLIN (lue) | Knapp vier Prozent der arzneimittelinduzierten Krankenhauseinweisungen auf eine internistische Station sind bedingt durch Neben- und Wechselwirkungen von Arzneimitteln aus der Selbstmedikation. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Sven Schmiedl, Marietta Rottenkolber und Kollegen (zu finden in Drug Safety 2014; 37:225-235). Gerade ältere Menschen sind von Nebenwirkungen durch Arzneimittel im Rahmen der Selbstmedikation betroffen. Daher empfehlen die Autoren der Studie, Präventionsstrategien auf ältere Menschen sowie Patienten, die langfristig viele Arzneimittel einnehmen, zu fokussieren.

Die Daten wurden zwischen Januar 2000 und Dezember 2008 in den Unikliniken Rostock, Greifswald, Jena und Weimar erhoben. In diesem Zeitraum wurden 6887 Patienten aufgrund einer Arzneimittelneben- oder -wechselwirkung (adverse drug reaction, ADR) auf eine internistische Abteilung eingeliefert. Davon hatten 266 Patienten (3,9 Prozent) eine ADR, die auf Präparate im Rahmen der Selbstmedikation zurückzuführen war. Zu der Selbstmedikation zählten in der Studie nicht nur OTC-Präparate, sondern auch Arzneimittel, die der Arzt zu einem früheren Zeitpunkt verschrieben hat und die der Patient zu einem späteren Zeitpunkt eigenmächtig eingenommen hatte.

Es zeigte sich, dass etwas mehr als die Hälfte (53,8 Prozent) der ADR durch OTC-Präparate bedingt waren – die anderen Fälle können auf vormals verschriebene Arzneimittel zurückgeführt werden. Für den Klinikaufenthalt waren vor allem gastrointestinale Beschwerden durch Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) verantwortlich. Während bei den OTC-Präparaten Acetylsalicylsäure (ASS) als Schmerzmittel die häufigsten ADR verursachte, belegte Diclofenac bei den vormals verschriebenen Wirkstoffen den ersten Rang. Von 266 Patienten mussten 102 Patienten (38,3 Prozent) aufgrund einer Wechselwirkung zwischen einem OTC-Präparat und einem verschriebenen Arzneimittel hospitalisiert werden.

ADR traten gehäuft bei Frauen zwischen 70 und 79 Jahren, bei Männern zwischen 60 und 69 Jahren auf. Um die Patientensicherheit zu verbessern, sollten Präventionsstrategien daher auf ältere Menschen zugeschnitten sein, schlussfolgern die Autoren der Studie. Aber auch Patienten, die langfristig viele Arzneimittel einnehmen – darunter insbesondere NSAR, orale Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregationshemmer –, sollten im Fokus der Präventionsmaßnahmen stehen. 

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