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Studium generale in Marburg

Konfliktstoff Arzneimittel – Fragen und Antworten

Den Auftakt zur Vortragsreihe über den "Konfliktstoff Arzneimittel" machte am 17. Oktober der Leiter des Marburger Instituts für Geschichte der Pharmazie, Prof. Dr. Christoph Friedrich. Seinem historisch-kritischen Rückblick auf die Arzneimittelentwicklung folgen immer mittwochs um 20.15 Uhr im Audimax im Hörsaalgebäude insgesamt 13 weitere Vorträge mit interessanten Themen. Hier ein kleiner Überblick:

Wo kommen die Arzneimittel eigentlich her? Bekanntlich gab es sie schon seit dem Altertum, doch ihre Blütezeit begann erst mit dem Aufbau der chemischen Industrie Ende des 19. Jahrhunderts. Während die Arzneistoffforschung und -entwicklung anfangs mehr vom glücklichen Zufall geprägt war, wird sie heute auf der Grundlage von bekannten Wirkmechanismen sowie experimentellen und klinischen Studien betrieben.

Ohne die Entwicklung potenter Antiinfektiva hätten wir kaum den heutigen Gesundheitszustand mit dem hohen Lebensstandard erreicht. Doch nun vernachlässigt die Pharmaindustrie gerade das Gebiet der Antibiotikaforschung, weil es sich nicht mehr rentiert. Das kommerzielle Interesse steht im Vordergrund, und nicht der kranke Mensch, dem geholfen werden muss. Unter dem kommerziellen Blickwinkel scheint auch die Entwicklung von neuen Arzneistoffen für Patienten mit seltenen Erkrankungen unrentabel zu sein. Sind diese Problem erkannt worden, und wie können sie gelöst werden?

Zunehmend verstehen wir, wie unser Immunsystem kranke Zellen und krankmachende Eindringlinge vernichtet. Wie lassen sich diese Prinzipien des Immunsystems für die Entwicklung neuer Arzneistoffe nutzen?

Nicht nur unser individuelles Erbgut macht uns verschieden, auch Umwelteinflüsse führen dazu, dass unser Erbgut unterschiedlich aktiviert wird. Kann man diese Erkenntnisse der Genetik und Epigenetik für eine personalisierte, d. h. auf den individuellen Patienten zugeschnittene Therapie nutzen?

Unsere zunehmende Mobilität und Reiselust führt dazu, dass sich lokale Infektionskrankheiten in Windeseile über den Globus ausbreiten können. Sind wir auf solche neuen Gefahren vorbereitet, oder versagen unsere derzeit verfügbaren Arzneimittel bei diesen Herausforderungen?

Wir sind zunehmend gewöhnt, mit dem Internet zu leben. Warum sollten wir uns dann nicht auch die Arzneimittelberatung aus dem Internet holen und dort auch die Präparate nach einem Preisvergleich bestellen? Hat die klassische Apotheke ausgedient oder nicht? Welchen Stellenwert haben die Beratung, die schnelle Verfügbarkeit und der Schutz vor Arzneimittelfälschungen?

Menschen sind psychologisch beeinflussbar, was auch für die Wirkung von Arzneistoffen gilt. Bekanntlich gibt es den Placebo-Effekt und auch sein Gegenteil, den Nocebo-Effekt. Wie wichtig ist also die individuelle Erwartungshaltung für den Therapieerfolg?

Alle Vortragsthemen des aktuellen Studium generale in Marburg finden Sie unter der Rubrik "Was Wann Wo".



DAZ 2012, Nr. 43, S. 89