Arzneimittel und Therapie

"Pille" bei Dysmenorrhö

Orale Kontrazeptiva lindern Menstruationsbeschwerden

Obwohl zahlreiche Frauen an einer Dysmenorrhö leiden, wird diese häufig als "Befindlichkeitsstörung" abgetan. Die Studie einer schwedischen Arbeitsgruppe belegt jetzt eine Linderung der Regelschmerzen unter der Gabe von kombinierten oralen Kontrazeptiva. Zu diesem Ergebnis gab es bereits früher positive Untersuchungen, doch wurden sie 2009 vom "Cochrane Review" infrage gestellt. Die aktuelle Studie zeigt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der "Pille" und einer Linderung der Regelschmerzen.

Primäre Regelschmerzen setzen häufig nach der ersten Regelblutung ein und dauern bei vielen Frauen auch bis zur Menopause. Vor allem bei jungen Frauen treten sie mit einer Prävalenz von über 50% auf. Behandlungsbedürftig sind 20 bis 25% der Betroffenen. Symptome sind krampfartige Unterleibsschmerzen, Kopfschmerzen und Unwohlsein. Durch die Wirkung von Prostaglandinen zieht sich die Gebärmuttermuskulatur bei der Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut zusammen. Der Schmerz ist Folge einer schwächeren Durchblutung der Gebärmutter. 

Vom "Mittel gegen Menstruationsbeschwerden" zur "Pille"


1957 wurde mit Enovid® von der G.D. Searle & Company das erste orale Östrogen-Gestagen-haltige Kontrazeptivum durch die FDA zunächst als Präparat gegen Menstruationsbeschwerden zugelassen. 1960 erfolgte die Zulassung als Verhütungsmittel, und im selben Jahr kam Enovid® in den USA dann als erste Antibabypille auf den Markt. In Deutschland war die Antibabypille aufgrund der vorherrschenden Moralvorstellungen zunächst umstritten. Schering führte sie daher ebenfalls als "Mittel zur Behebung von Menstruationsstörungen" nur für verheiratete Frauen ein. Als erstes orales Kontrazeptivum brachte Schering mit Anovlar® (Ethinylestradiol und Norethisteronacetat) dann 1961 die "Pille" auch in Deutschland auf den Markt.

Eindeutige, wenn auch nicht ganz überzeugende Wirkung

Viele kleinere Untersuchungen hatten bereits eine Linderung der Regelschmerzen durch die Einnahme kombinierter oraler Kontrazeptiva, die die Synthese von Prostaglandinen hemmen, gezeigt. Eine neue Studie der Sahlgrenska Akademie in Göteborg bestätigt die positive Wirkung. An dieser Untersuchung hatten drei Kohorten mit jeweils etwa 650 bis 780 Probandinnen teilgenommen. Sie waren 1981, 1991 und 2001 im Alter von 19 Jahren zu ihren Regelschmerzen befragt worden. Jeweils fünf Jahre später wurden die Frauen erneut befragt. Dieser Zeitraum wurde gewählt, um eine spontane Besserung der Beschwerden ohne Gabe von oralen Kontrazeptiva, die häufig mit zunehmendem Alter auftritt, auszuschließen. Die Bewertung der Schmerzen erfolgte in zwei Skalen. Eine differenzierte zwischen den vier Kategorien "heftig", "mäßig", "mild" und "keine". Bei jeder dritten Frau linderte sich der Schmerz um eine Kategorie. Eine zweite Analogskala bewertete die Schmerzintensität anhand einer Stufung von 0 bis 10. Auch hier konnte eine durchschnittliche Besserung um 0,9 Punkte beobachtet werden. Die Wirkung der kombinierten oralen Kontrazeptiva war somit eindeutig besser als ohne Einnahme der Mittel, wenn auch nicht gravierend. Als weiteres Ergebnis der Studie wurde eine Zunahme der Stärke der Regelschmerzen seit Befragung der ersten Kohorte im Jahre 1981 beobachtet. Die zuletzt befragte Gruppe gab häufiger Menstruationsbeschwerden an als die beiden früheren Kohorten. Unklar ist, ob dies möglicherweise auf die Zusammensetzung der oralen Kontrazeptiva oder eine erhöhte "Überempfindlichkeit" junger Frauen zurückzuführen ist. Die Behandlung der Dysmenorrhö gehört bislang nicht zu den offiziellen Indikationen oraler Kontrazeptiva. Die schwedischen Wissenschaftler halten daher "eine größere randomisierte, kontrollierte Studie zur Wirksamkeit von kombinierten oralen Kontrazeptiva bei einer Behandlung der Dysmenorrhö für wünschenswert".


Quelle
Lindh, I.; et al.: The effect of combined oral contraceptives and age on dysmenorrhoea: an epidemiological study. Hum. Reprod. 2012; doi:10.1093/humrep/der 417 vom 17. Januar 2012.


Dr. Hans-Peter Hanssen



DAZ 2012, Nr. 4, S. 52

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