Arzneimittel und Therapie

Spielregeln für die Regel: Weniger Schmerzen während der Tage

Schmerzen während der Regel sind an der Tagesordnung. Fast jede Frau leidet zeitweise oder regelmäßig unter Menstruationsbeschwerden, wobei krampfartige Schmerzen im Unterleib und Kopfschmerzen im Vordergrund stehen. Vor allem junge Frauen sind betroffen. Zwei von Drei leiden jeden Monat unter starken Regelschmerzen. Bis zu neun Prozent aller Frauen sind deshalb in ihrer Arbeitsfähigkeit und bei ihren täglichen Verrichtungen stark beeinträchtigt.

Auch heute noch spukt in vielen Köpfen junger Mädchen das Vorurteil eines unabwendbaren Schicksals der Frau, sich ein halbes Leben unweigerlich mit derartigen Schmerzen abplagen zu müssen. Menstruationsbeschwerden müssen jedoch nicht schicksalhaft hingenommen werden.

Mythos Menstruation

Die Menstruation wurde über viele Jahrhunderte hinweg von Vorurteilen und Mythen begleitet. Die Menstruation bedeutete über Jahrhunderte für die Frauen Leid, Ausgrenzung und Vorurteile: Angst vor dem "giftigen" Menstrualblut und dem "bösen" Blick der Frauen bis hin zu Berufsverboten während der Regel hielten sich noch bis zum Ende der 50er-Jahre. Erst in den letzten 30 Jahren wurde das Thema Menstruation im Zuge der moderner werdenden Diagnostik und der Emanzipation der Frau von Tabus und so auch vom Mythos befreit. Die lange Geschichte der Menstruation als Krankheit ist somit beendet. Dennoch ziehen sich auch heute noch Frauen während der Regel zurück, anstatt mit wohldosierter, bewusster Aktivität zur Reduktion der Schmerzen beizutragen.

Aktivität statt Schonung nimmt den Schmerz

Ergebnisse aus Befragungen mit Mädchen und jungen Frauen heben die positive Wirkung des Sports gegen die Regelbeschwerden hervor. Bewegung und Aktivität können bei Schmerzen Erleichterung bringen. Vermutet wird sogar ein präventiver Effekt von sportlichen Aktivitäten gegen Regelschmerzen, wobei Training eine Erhöhung der Schmerztoleranzschwelle zur Folge haben könnte. Eine allgemeine Regel, welche Sportart die beste Linderung bringt, kann nicht ausgesprochen werden. Generell gilt, dass die Frauen sich individuell ihre präferierte Bewegungsmöglichkeit aussuchen sollten, wobei sie selber herausfinden müssen, was ihnen gut tut. Besonders durch Ausdaueraktivitäten wie Joggen, Walken und Radfahren werden vermehrt schmerzlindernde Endorphine ausgeschüttet. Aber auch Ablenkungs- und Entspannungseffekte tragen zur Schmerzlinderung bei. Entspannungstechniken wie Yoga oder Autogenes Training können auch gezielt gegen die Krämpfe eingesetzt werden.

Primäre und sekundäre Dysmenorrhö

Treten Schmerzen und Krämpfe während der Monatsblutung regelmäßig auf, sollte zunächst eine gynäkologische Untersuchung klären, ob es sich um eine primäre oder sekundäre Dysmenorrhö handelt. Bei der primären Dysmenorrhö sind die Regelblutungen von Beginn der ersten Menstruation an schmerzhaft, ohne dass körperliche Ursachen zu finden sind. Man geht hier oftmals von begleitenden psychosozialen Belastungen aus, die gerade bei jüngeren Frauen zu den starken Menstruationsbeschwerden führen. Sekundäre Regelschmerzen sind auf eine andere Erkrankung zurückzuführen und treten erst in späteren Jahren auf. Als Ursachen kommen beispielsweise Endometriose, Entzündungen der Gebärmutter, Myome in der Gebärmutterwand oder Probleme mit der Spirale in Betracht. Diese Probleme sind zuvor ärztlich zu therapieren, bevor die Frauen selbstständig Methoden zur Schmerzlinderung einsetzen können.

Prostaglandine sind an der Schmerzentstehung beteiligt

Die Entstehung von Schmerzen während der Regel wird durch Schmerzbotenstoffe, Prostaglandine, ausgelöst. Am Zyklusende werden vermehrt Prostaglandine gebildet. Besonders Prostaglandin F ist an der Menstruationsauslösung beteiligt und führt durch eine Kontraktion der Uterusmuskulatur zur Ausstoßung von mit Blut vermischten Schleimhautfetzen. Die dabei resultierende Minderdurchblutung der Arterien in der Gebärmutterschleimhaut löst wiederum einen Schmerzreiz aus. Weiterhin sensibilisieren Prostaglandine Schmerzrezeptoren und bewirken eine vermehrte Schmerzempfindlichkeit und Schmerzwahrnehmung.

Bei Frauen mit dysmenorrhoischen Beschwerden werden deutlich mehr Prostaglandine gebildet, die für ein messbar stärkeres Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur mit weniger und kürzeren Erholungsphasen sorgen. Ein kausaler Ansatzpunkt für eine medikamentöse Therapie der Dysmenorrhö ist daher, die Prostaglandinbildung zu blockieren.

Ibuprofen greift als Prostaglandinsynthese-Hemmer kausal ins Schmerzgeschehen ein. Ibuprofen gehört zur Klasse der nichtsteroidalen antiinflammatorischen Arzneistoffe (NSAID). Diese Stoffe hemmen in der Arachidonsäurekaskade die Cyclooxigenase und inhibieren dabei die Entstehung von Prostaglandinen. Ibuprofen wirkt über diesen Mechanismus gleichzeitig schmerzunterdrückend, antientzündlich und fiebersenkend. Aber auch die Nebenwirkungen wie Hemmung der Aggregation der Gerinnungsplättchen oder die gastrointestinalen Beschwerden sind über eine Prostaglandinsynthese-Hemmung zu erklären.

Mit Ibuprofen kommt es zu einer schnellen und langanhaltenden Wirkung. Schmerzlindernde Spiegel im Serum werden beispielsweise mit Aktren schon nach 30 Minuten erreicht und halten über sechs Stunden an. Als Dosierung werden bei primärer Dysmenorrhö initial 400 mg Ibuprofen als Einzeldosis und anschließend 200 mg alle 4 bis 6 Stunden empfohlen, wobei in Deutschland die Tagesdosis von 800 mg und in Europa von 1,2 g bei der Selbstmedikation nicht überschritten werden darf. Unter ärztlicher Kontrolle kann Ibuprofen auch in höherer Dosierung z. B. bei einer Endometriose effektiv eingesetzt werden.

Eine Metaanalyse der wissenschaftlichen Literatur zur Wirksamkeit von Schmerzmitteln bei primärer Dysmenorrhö auf der Basis von 55 prospektiven, randomisierten und plazebokontrollierten Studien mit 2987 Frauen zeigte für Ibuprofen eine hohe Effektivität bei gleichzeitig geringem Nebenwirkungsspektrum.

Ein Vergleich der Wirksamkeit und Sicherheit von Naproxen, Ibuprofen, Acetylsalicylsäure, Mefenaminsäure und Paracetamol belegt zwar für Naproxen die höchste Wirksamkeit, zeigt aber auch, dass Ibuprofen die geringsten Nebenwirkungen (Nebenwirkungsrate kleiner als 5 Prozent bei geringer Intensität der unerwünschten Wirkungen) bei gleichzeitig hoher Effektivität (Erfolgsrate 90 Prozent) aufweist.

Kastentext: "Spielregeln" bei Regelschmerzen

  • Wärmeapplikation zur Verbesserung der Durchblutung und Entkrampfung z. B. mit Wärmflasche, Sauna, warmes Bad
  • Bewegung und Sport: ausgewählt nach individuellen Präferenzen; Ablenkungs-, Entspannungseffekte sowie Endorphinausschüttung
  • Entspannungsverfahren, beispielsweise Yoga, Autogenes Training, Akupressur, bewusste Atmung zur Entkrampfung
  • Ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung: vitamin-, mineralstoff- und ballaststoffreich, reduzierter Kaffee-, Tee- und Colakonsum, eingeschränkter Kochsalzverbrauch, Erhöhung des Fischölanteils
  • Prostaglandinsynthese-Hemmer als kausaler therapeutischer Ansatzpunkt
  • Einnahme der Pille: Monophasenprodukte vom Kombinationstyp zum Ausgleich eines Östrogen-Gestagen-Ungleichgewichtes
  • Gestagen zur Erschlaffung der Muskulatur und Entsensibilisierung bestimmter Rezeptoren für die Verkrampfung
  • Magnesium und Calciumantagonisten zur Kontraktionshemmung
  • Pflanzliche Präparate zur Regulation des Hormonhaushaltes, beispielsweise Gänsefingerkraut oder Mönchspfeffer.

Quelle: Nach Vorträgen von Prof. Dr. Sabine Hering, Freie Universität Berlin, Dr. Christine Klapp, Charite - Virchow Klinik, Berlin, Prof. Dr. Dr. Gertrud Pfister, Freie Universität Berlin, Prof. Dr. Karl-Werner Schweppe, Ammerland Klinik GmbH, Westerstede, auf einer Pressekonferenz der Bayer Vital GmbH, Geschäftsbereich Consumer Care, Hamburg, 11. Juli 2001.

Schmerzen während der Regel sind an der Tagesordnung. Fast jede Frau leidet zeitweise oder regelmäßig unter Menstruationsbeschwerden, wobei krampfartige Schmerzen im Unterleib und Kopfschmerzen im Vordergrund stehen. Vor allem junge Frauen sind betroffen. Zwei von Drei leiden jeden Monat unter starken Regelschmerzen. Bis zu neun Prozent aller Frauen sind deshalb in ihrer Arbeitsfähigkeit und bei ihren täglichen Verrichtungen stark beeinträchtigt.

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