Arzneimittel und Therapie

Leukämiebehandlung

Erkrankung der Leukozyten Die lymphoblastische T-Zell-Leukämie ist eine seltene und schwer zu behandelnde Tumorerkrankung der weißen Blutkörperchen, von der vor allem Kinder betroffen sind.

(hier im Bild von links nach rechts: Erythrozyt, Thrombozyt, Leukozyt)
Foto: Wikipedia

Neues Purin-Analogon für seltene hämatologische Tumore

Das T-Zell-selektive Purin-Analogon Nelarabin (Atriance®) hat am 22. August die Zulassung zur Behandlung von Patienten mit akuter lymphoblastischer T-Zell-Leukämie (T-ALL) und lymphoblastischem T-Zell-Lymphom (T-LBL) erhalten, deren Erkrankung nicht auf vorangegangene Behandlungen mit mindestens zwei Chemotherapieschemata angesprochen hat oder rezidiviert ist. Das Präparat soll Mitte September eingeführt werden, so die GlaxoSmithKline GmbH.

Die Indikationen, für die Nelarabin zugelassen wurde, basieren auf den Ergebnissen aus zwei multizentrischen klinischen Phase-II-Studien, die beide in Zusammenarbeit mit dem National Cancer Institute (NCI) in den USA durchgeführt wurden. Aufgrund der geringen Fallzahlen dieser Erkrankung liegen nur begrenzte Daten vor.

Ziel der Therapie mit dem Purinanalogon Nelarabin ist es, eine komplette Remission zu erreichen. Das ist die Vorraussetzung für eine Stammzelltransplantation, einer Behandlung, die eine Aussicht auf Heilung bietet. Patienten mit nur wenigen anderen Behandlungsoptionen kann so eine wirkliche Chance eröffnet werden.

Eine Phase-II-Studie untersuchte 40 erwachsene Patienten mit rezidivierter oder refraktärer T-ALL oder T-LBL, von denen 39 mindestens einmal Nelarabin erhielten. Eine Untergruppe von 28 Patienten hatte zuvor mindestens zwei Chemotherapieregime erhalten. Bei sechs Patienten (21%) kam es zu einem kompletten Ansprechen mit oder ohne Wiederherstellung normaler Zellzahlen im peripheren Blut. Ein Patient aus dieser Gruppe konnte mit einer Stammzelltransplantation behandelt werden.

Eine weitere Phase-II-Studie untersuchte 153 Patienten im Kindes- und Jugendalter (jünger als 21 Jahre) mit rezidivierter oder refraktärer lymphoblastischer T-Zell-Leukämie (T-ALL) oder lymphoblastischem T-Zell-Lymphom (T-LBL). Eine Untergruppe von 84 Patienten wurde mit 650 mg/m2 Körperoberfläche über fünf Tage behandelt. 39 dieser Kinder hatten zuvor mindestens zwei Chemotherapieregime erhalten. Bei 23% dieser 39 Patienten kam es zu einem kompletten Ansprechen mit oder ohne Wiederherstellung normaler Zellzahlen im peripheren Blut, und vier Patienten aus dieser Gruppe konnten mit einer Stammzelltransplantation behandelt werden.

Erwünschte und unerwünschte Wirkungen

Nelarabin ist eine Vorstufe des Desoxyguanosinanalogons Guanosin-Arabinosid (Ara-G). Es wird rasch durch die Adenosindeaminase (ADA) zu ara-G demethyliert und danach intrazellulär durch die Desoxyguanosinkinase und Desoxycytidinkinase zu seinem 5‘-Monophosphat-Metaboliten phosphoryliert. Der Monophosphat-Metabolit wird anschließend zum aktiven 5‘-Triphosphat ara-GTP umgewandelt. Eine Akkumulation von ara-GTP in leukämischen Blasten ermöglicht den bevorzugten Einbau von ara-GTP in die Desoxyribonukleinsäure und führt in der Folge zur Hemmung der DNA-Synthese und zum Zelltod. Es wird vermutet, dass auch andere Mechanismen ebenfalls zur zytotoxischen Wirkung von Nelarabin beitragen könnten. In vitro reagieren T-Zellen auf die zytotoxische Wirkung von Nelarabin empfindlicher als B-Zellen. Die häufigsten unerwünschten Wirkungen unter Nelarabin waren in beiden Gruppen hämatologischer Art, Fatigue und Übelkeit. Darüber hinaus wurden unter Nelarabin-Behandlung teilweise schwerwiegende neurologische Ereignisse berichtet.

Orphan-drug-Status erteilt

Die akute lymphoblastische Leukämie (ALL) ist eine seltene, schwer zu behandelnde Krebserkrankung der Leukozyten, die bei Kindern häufiger auftritt als bei Erwachsenen und ohne Behandlung schnell zum Tod führt. Bei einer seltenen Unterform mit besonders schlechter Prognose nach einem Rezidiv, der lymphoblastischen T-Zell-Leukämie (T-ALL), sind die T-Zellen als eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen betroffen. Jedes Jahr wird in Europa nur bei einigen hundert Patienten eine rezidivierte oder behandlungsrefraktäre lymphoblastische T-Zell-Leukämie diagnostiziert. Diese Patienten haben im Allgemeinen eine schlechtere Prognose als Patienten mit B-Zell-Erkrankungen.

Das lymphoblastische Lymphom (LBL) ist eine Form des Non-Hodgkin-Lymphoms (NHL), einer Krebserkrankung des lymphatischen Systems. Auch diese Erkrankung tritt häufiger bei Kindern als bei Erwachsenen auf. Bei der Untergruppe der T-LBL sind wiederum die T-Zellen Ausgangspunkt der Erkrankung.

Unbehandelt verlaufen diese beiden äußerst seltenen Formen der Leukämie innerhalb von wenigen Wochen oder Monaten tödlich. Die EU-Kommission hat dem Wirkstoff den Orphan-Drug-Status verliehen, da in der Europäischen Union jährlich schätzungsweise nur wenige hundert Patienten für eine Behandlung mit Nelarabin in Frage kommen.

ck

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