Selbstmedikation

K. LenneckeSonnenbrand – krebsrot statt urlaub

Je länger der Winter war, je verregneter der Frühling, umso sehnsüchtiger warten alle auf den Sonnenschein. Doch schon nach dem ersten sonnigen Wochenende kommen die ersten Kunden und brauchen Hilfe gegen ihren Sonnenbrand. Jede ungewöhnliche Sonnenbestrahlung, z. B. im Sommerurlaub, im Skiurlaub oder einfach nur nach einem Fußballturnier auf dem Sportplatz, kann zu leichten Reizungen bis hin zu Verbrennungen auf der Haut führen.

Dermatitis solaris

Ein Sonnenbrand (medizinisch: Dermatitis solaris) zeigt sich in einer starken Hautrötung, manchmal auch in Kombination mit leichter Ödembildung an den Sonnen-beschienenen Hautarealen. Wenn Kleidungsstücke getragen wurden, zeichnen sich deren Umrisse scharf ab. Die Haut ist sehr berührungsempfindlich. Schon leichte Kleidung verursacht Schmerzen. Das Liegen auf den "verbrannten", vom Sonnenbrand betroffenen Körperteilen, wie Rücken oder Schulter, ist sehr unangenehm. Die Symptome treten je nach Empfindlichkeit eventuell bereits nach wenigen Minuten, meist aber erst Stunden nach der Sonneneinstrahlung auf.

Ursache des Sonnenbrands ist eine zu lange UV-Einstrahlung durch Sonne oder Solarien. Die UV-Strahlen, vor allem UV-B-Strahlen, führen zu einer akuten entzündlichen Reaktion mit der Freisetzung von Entzündungsmediatoren, die im Gewebe auch nach Beendigung der Sonnenexposition zu einer Erwärmung der Haut führen. Die Haut "brennt" weiter, obwohl die UV-Einstrahlung schon lange beendet ist. Das Maximum des Lichtschadens wird nach zwölf bis 24 Stunden erreicht. Nach einigen Tagen kann es zu Blasenbildung kommen. Die geschädigte Haut schuppt ab.

Therapie des Sonnenbrands

Das wichtigste Standbein der Therapie des Sonnenbrands ist die sofortige Beendigung der Sonnenexposition und Schutz der geschädigten Haut vor weiterer UV-Strahlung. Zu empfehlen ist ein Aufenthalt in kühlen Räumen, bis die Entzündungssymptome abgeklungen sind. Jede weitere Bestrahlung verstärkt die Entzündung. Bei einem Aufenthalt im Freien ist es empfehlenswert, alle verbrannten Körperteile mit einem ausreichend dicken Kleidungsstück zu bedecken, um UV-Strahlung abzublocken, und im Schatten zu bleiben.

Neben der UV-Strahlung ist die Wärmebildung in der verbrannten Haut ein großes Problem für die weitere Hautschädigung. Auch deshalb sollte der Aufenthalt in schattigen Räumen bevorzugt werden. Das Kühlen der Haut kann mit kühlen Kompressen, eventuell mit Zusatz von Calendula- oder Kamillenextrakt, unterstützt werden. Unterstützend empfiehlt es sich mehr als zwei Liter kühle Flüssigkeit pro Tag zu trinken. Durch die erhöhte Hauttemperatur stellt sich ein höherer Flüssigkeitsbedarf ein.

Zur Behandlung bieten sich kühlende O/W-Emulsionen an, z. B. Lotio alba aquosa, Roche Posay Cold Cream®. Heilungsfördernd ist der Zusatz von Dexpanthenol, z. B. in Bepanthol® Körperlotion. Da das Auftragen der Lotionen immer mit einer schmerzhaften Berührung verbunden ist, empfiehlt sich die Anwendung von Sprays, wie z. B. Roche Posay Thermal Spray® oder Bepanthol® Schaumspray.

Gegen Schmerz und Entzündung

Zur Unterbrechung der Entzündungsreaktion sind topische Corticoide angebracht. In der Selbstmedikation steht hier Hydrocortison zur Verfügung, z. B. Ebenol® Creme oder Systral® Hydrocort Lotion. Auf ärztliche Verordnung können stärker wirksame Cortisonderivate eingesetzt werden (z. B. Ultralan® Milch).

Kühlung und Schmerzlinderung bieten auch H1-Antihistaminika-haltige Gele (z. B. Soventol®, Systral®) oder Lokalanästhetika in Gelen oder Cremes (z. B. Brand- und Wundgel-Medice® N, Anaesthesin®). Zu vermeiden sind fettreiche Salben oder Cremes oder Puder, da sie zu einem Wärmestau führen können und damit die Entzündung nur weiter unterhalten.

Bei starken Sonnenbränden werden zusätzlich Prostaglandinhemmer eingesetzt. Anwendung finden z. B. Acetylsalicylsäure bis zu einer Dosierung von dreimal täglich einem Gramm oder Diclofenac in Form von Tabletten oder Gelen. Ein großflächiger Sonnenbrand und das Auftreten von zusätzlichen Symptomen wie Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Fieber oder Übelkeit erfordern eine ärztliche Behandlung.

Sonnenschutz statt Sonnenfrust

Das Beste für die Haut aller Sonnenurlauber sind vernünftiges Verhalten im Umgang mit der Sonne, sowie ausreichender Sonnenschutz. Dazu gehört schützende Kleidung, inklusive Sonnenhut bzw. -kappe, und das Auftragen von Sonnencremes oder -gelen mit ausreichend hohem Lichtschutzfaktor. Zum Eincremen ist eine ausreichende Menge an Creme zu verwenden, man geht von 25 ml pro Ganzkörperanwendung aus.

Die Sonnenschutzcremes sind eine halbe Stunde vor der Sonnenexposition aufzutragen. Sie sollten möglichst wasserfest sein. Ein Nachcremen verlängert die Wirkung nicht. Trotzdem ist es empfehlenswert, sich nach dem Schwimmen und Abtrocknen erneut einzucremen, um den Schutz zu erhalten. Sonnenurlauber sollten mit einem mittleren bis hohen Lichtschutzfaktor beginnen (LSF 10 bis 20), nach einer Woche kann der Schutzfaktor reduziert werden. Die Sonnenschutzcreme muss jeden Tag verwendet werden. Lässt man nach einigen Tagen den Schutz weg, weil man glaubt, es sei schon ausreichend eigener Hautschutz aufgebaut, ist der Sonnenbrand vorprogrammiert.

Neue Sonnenschutzprodukte sollen durch Zusatz von Photolyase die Haut vor UV-Angriff schützen und späteren Hautschäden vorbeugen. Die Anwendung dieser Produkte darf nicht dazu verleiten, die Sonnenbäder ungebührlich zu verlängern.

Gesteigerte Sonnenempfindlichkeit

Ein Kunde erleidet einen Sonnenbrand, obwohl er einen für seinen Hauttyp ausreichenden Sonnenschutz angewendet an? Vielleicht ist seine Lichtempfindlichkeit durch die Einnahme von Medikamenten gesteigert. Die Einnahme von Johanniskrautextrakten oder Doxycyclin sind typische Beispiele dafür.

Ob am Strand oder in den Bergen – der Sonnenbrand ist eine typische Sommererscheinung. Unser Themenschwerpunkt beleuchtet nicht nur Selbstmedikation und Nachsorge, sondern Sie finden in dieser DAZ auch eine große Neuerung: In der Rubrik "Lernen + Punkten" können Sie Ihr neu erworbenes Wissen in Fortbildungspunkte umsetzen. Eine Dermatitis solaris zeigt sich in einer starken Hautrötung, manchmal auch in Kombination mit leichter Ödembildung an den Sonnen-beschienenen Hautarealen. Zur Unterbrechung der Entzündungsreaktion sind topische Corticoide angebracht. Kühlung und Schmerzlinderung bieten auch H1-Antihistaminika-haltige Gele. Das Auftreten von zusätzlichen Symptomen wie Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Fieber oder Übelkeit erfordert eine ärztliche Behandlung. Am wichtigsten ist der Schutz der geschädigten Haut vor weiterer UV-Strahlung.

Sonnenschutz all inclusive

  • Benutzen Sie ein ausreichend starkes Sonnenschutzmittel.
  • Schützen Sie sich durch Ihre Kleidung. Tragen Sie einen Hut mit breiter Krempe oder eine Sonnenkappe mit einem großen Schirm. Tragen Sie UV-undurchlässige T-Shirts oder Hosen.
  • Tragen Sie eine gute Sonnenbrille.

Verhaltensregeln im Freien

  • Verzichten Sie auf ausgedehnte Sonnenbäder. Halten Sie sich vorwiegend im Schatten auf. Kleinkinder sollten keiner direkten Sonnenbestrahlung ausgesetzt werden.
  • Gewöhnen Sie Ihre Haut langsam an die Sonne.
  • Seien Sie in Zeiten des höchsten Sonnenstands – zwischen 11 und 15 Uhr – besonders vorsichtig.
  • Verwenden Sie einen ausreichenden Sonnenschutz, jeden Tag auch bei Aufenthalt im Schatten oder Bewölkung.

Zertifizierte Fortbildung

Selbstmedikation bei Sonnenbrand

Die Deutsche Apotheker Zeitung bietet ab sofort ihren Abonnenten die Möglichkeit, durch das Selbststudium ausgewählter Beiträge und eine anschließenden Lernerfolgskontrolle Punkte für die freiwillige zertifizierte Fortbildung zu erwerben. Dieses Verfahren ist durch die Apothekerkammer Niedersachsen anerkannt (Veranstaltungs-Nr. NI 5993). Pro erfolgreich absolviertem Fragebogen kann ein Punkt in der Kategorie 7 Telelernen/Fernstudium mit Erfolgskontrolle erworben werden.

Bitte beachten Sie: Eine Teilnahme ist nur online über das Internet möglich. Den Fragebogen zum Thema Selbstmedikation bei Sonnenbrand finden Sie auf Seite 56. Bitte beantworten Sie die zehn Fragen, pro Frage ist nur eine Antwort richtig. Übertragen Sie die Antworten in den Online-Fragebogen, den Sie unter www.deutsche-apotheker-zeitung.de finden. Klicken Sie rechts auf der Startseite den Button "Lernen + Punkten" an und melden Sie sich zu unserer zertifizierten Fortbildung an. Nach erfolgreicher Anmeldung (nur einmal nötig) gelangen Sie zum aktuellen Fragebogen.

Wenn Sie mindestens sieben der zehn Fragen richtig beantwortet haben, erhalten Sie nach Ablauf der Laufzeit (drei Wochen) eine E-Mail mit dem Zertifikat. Den Fragebogen zum Thema Sonnenbrand können Sie bis spätestens 28. Juli elektronisch absenden.

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