Sonne

Schutz vor Sonnenbrand und Erste-Hilfe-Maßnahmen

Von Ines Winterhagen | Gerade am Urlaubsort angekommen, gleich an den Strand und ab in die Sonne, um möglichst schnell braun zu werden: Genau dieses Verhalten ist völlig verkehrt, da die Haut gar nicht ausreichend Gelegenheit hatte, sich auf die intensiven Sonnenstrahlen vorzubereiten. Doch nicht nur zu energiereiche UV-Strahlen auf blasser Haut, sondern auch zu lange Sonnenbäder können einen Sonnenbrand hervorrufen. Oft wird zudem die Sonneneinstrahlung an bewölkten Tagen unterschätzt oder – wenn überhaupt – nur Sonnencreme mit zu niedrigem Lichtschutzfaktor aufgetragen, dann meistens auch noch zu dünn. Und so kommt, was kommen muss: Die Haut reagiert auf übermäßige UV-B-Strahlung mit einem Sonnenbrand (Dermatitis solaris).

Für chronische UV-Schäden und Lichtdermatosen wird überwiegend der UV-A-Bereich (320 bis 400 nm) des Sonnenlichts verantwortlich gemacht (siehe Beitrag auf S. 52 in dieser DAZ). Aber die menschliche Haut zeigt auch eine hohe Empfindlichkeit im kurzwelligen Strahlungsbereich (UV-B) mit Wellenlängen von 290 bis 320 nm. Auf diese Strahlen reagiert sie akut mit der allgemein bekannten Dermatitis solaris.

Die unmittelbaren Folgen der UV-B-Strahlung ...

Es kommt zu unangenehmem Brennen und schmerzhafter intensiver Rötung der Haut, die durch eine Freisetzung von Entzündungsmediatoren und Erweiterung der Blutgefäße entsteht. Die betroffenen Stellen sind äußerst berührungsempfindlich, selbst leichte Kleidung verursacht Schmerzen. Das Problem ist: Einen Sonnenbrand bemerkt man normalerweise erst einige Zeit nach erfolgter Verbrennung. Bis dahin schreitet die Schädigung jedoch unbemerkt fort. Die Symptome erreichen nach zwölf bis 24 Stunden ihre maximale Intensität. Wenn der Sonnenbrand bemerkt wird, ist die Haut bereits nachhaltig geschädigt. Unter Umständen kann es sogar zu einem starken Sonnenbrand mit Schwellung und Blasenbildung kommen. Dieser entspricht einer Verbrennung zweiten Grades. Die Hauterscheinungen werden hier oft begleitet von Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden und Übelkeit. Je nach Grad der Verbrennung schält sich die Haut nach einigen Tagen, um geschädigte apoptotische Keratinozyten abzustoßen.

… und die Langzeitschäden

Der Sonnenbrand ist nur das akute Anzeichen für Strahlenschäden an der Haut. Rein oberflächlich ist er meist schnell wieder abgeheilt, wird von der Haut aber nicht wieder vergessen. Denn die UV-B-Strahlen führen zu DNA-Schäden in der Epidermis und zu einer Abschwächung des Immunsystems der Haut. Bis zu einem gewissen Grad kann der Körper diese Schäden wieder reparieren, allerdings hat das hauteigene Reparatursystem nur eine begrenzte Kapazität. Langfristig können übermäßige UV-B-Strahlung und häufige Sonnenbrände die Regenerationsfunktion überlasten, dauerhafte Schäden hervorrufen und somit die Entstehung von aktinischen Keratosen sowie von Hautkrebs (Basaliome, Spinaliome, Melanome) fördern.


Sonnenschutz für behaarte Haut


Vor allem Männer klagen häufig darüber, dass es sehr unangenehm ist, stark behaarte Körperteile wie Arme oder Brust oder die lichter werdende Kopfhaut mit Sonnenschutzmitteln zu behandeln. Hier eignen sich besonders Sprays, die einfach aufgesprüht werden und nicht verrieben werden müssen (z. B. Ladival® Aktiv Sonnenschutz Spray LSF 20/30, Eucerin® Sun Spray Transparent LSF 30/50, Roche Posay® Anthelios XL LSF 30+ Fluid).

Achtung: Kinder und hellhäutige Personen

Ganz gefährlich sind Sonnenbrände im Kindesalter. 50 bis 80% aller lichtbedingten Schäden entstehen während der Kindheit, denn die Haut besitzt noch keinen ausgereiften Eigenschutz. Daten aus den USA belegen, dass ein Kind im Mittel einer ca. dreimal größeren jährlichen UV-B-Exposition ausgesetzt ist als ein Erwachsener. Da jeder Sonnenbrand im Kindesalter das Risiko einer späteren Hautkrebserkrankung erhöhen kann, brauchen Kinder und Jugendliche besonderen Schutz. Auch Personen mit blasser Haut und roten oder blonden Haaren (Pigmentierungstyp 1) sind gefährdet. Sie produzieren das Phämelanin, das nur einen geringen Schutz gegen die UV-Strahlen bewirkt. Menschen mit dunkler Haut hingegen sind weniger anfällig für Sonnenbrand, da sie Eumelanin mit einer guten Schutzfunktion gegenüber UV-Strahlen produzieren.

Natürliche Schutzmechanismen der Haut

Die Haut kann einen gewissen UV-Eigenschutz (Pigmentierung und Hornschichtverdickung) gegen die schädigenden Strahlen aufbauen. Zum einen regen die energiereichen UV-B-Strahlen in den Melanozyten der Basalzellschicht das Enzym Tyrosinkinase an, den Hautfarbstoff Melanin zu bilden. Der Prozess der Neubildung von Pigmenten und der Transport in höher gelegene Epithelschichten benötigen jedoch 48 bis 72 Stunden. Erst nach dieser Zeit wird der Farbstoff an der Hautoberfläche sichtbar. Durch die Bräunung der Haut sollen die darunterliegenden Hautschichten und vor allem die DNA der Zellkerne geschützt werden. Die Pigmentgranula absorbieren und reflektieren die UV-B-Strahlen, zudem wirkt Melanin als Radikalfänger. Zum anderen verdickt sich unter langsam ansteigender UV-B-Bestrahlung die Hornschicht, die sogenannte Lichtschwiele entsteht. Diese reflektiert, filtert und streut dann das Sonnenlicht. Bis sich die Lichtschwiele voll ausgebildet hat, vergehen allerdings zwei bis drei Wochen.

Nach Ausbildung der beiden natürlichen Schutzmechanismen der Haut erhöht sich die aktuelle Erythemschwellendosis, also die Zeit, bis eine Hautrötung auftritt. Bis dahin muss die Haut langsam an die Strahlung gewöhnt und zusätzlich mit geeigneten Lichtschutzmitteln behandelt werden.

Hilfe bei Sonnenbrand

Nachdem ein Sonnenbrand bemerkt wurde, sollte zuallererst sofort aus der Sonne gegangen werden. Oberstes Gebot ist, Sonnenstrahlen auch für die nächsten Tage zu meiden und sich am besten im Schatten aufzuhalten. Beim Aufenthalt im Freien sollten die verbrannten Hautstellen unbedingt mit ausreichend dicker Kleidung bedeckt sein, um die UV-Strahlung abzuhalten. Ein Sonnenbrand mit nur leichter Rötung der Haut heilt normalerweise schnell ab. Damit keine unschönen Spuren zurückbleiben, ist Hautpflege mit kühlendem und beruhigendem Aloe-vera-Gel oder einem After-sun-Präparat angezeigt, das viel Wasser und wenig Fett enthält. Bei mäßigem Sonnenbrand ohne Blasenbildung bringen kalte, feuchte Tücher oder Umschläge mit kaltem Schwarztee schnell Linderung. Da die betroffenen Hautbereiche sehr berührungsempfindlich sind, empfiehlt sich ein reparierendes Körperspray (Bepanthol® Schaumspray) oder kühlendes Thermalwasser-Spray. Topische Lokalanästhetika (Brand- und Wundgel-Medice®) helfen gegen das Brennen und die Schmerzen. Für die Behandlung von Juckreiz, Rötung und Schwellung der betroffenen Hautareale eignen sich orale Antihistaminika. Topisch aufgetragene sind zu niedrig dosiert und besser bei Mückenstichen anzuwenden. Um die Entzündungsreaktion der Haut zu unterbrechen, können in der Selbstmedikation topische Cortisonpräparate (Ebenol®, Fenistil® /Soventol® Hydrocort, Linola® akut) angewendet werden. Fetthaltige Cremes und Salben sind in jedem Fall kontraindiziert. Sie können durch einen Wärmestau die Situation noch verschlimmern. Generell empfiehlt sich, viel Wasser zu trinken (zwei bis drei Liter), da der Flüssigkeitsbedarf des Körpers erhöht ist. Unterstützend können die homöopathischen Mittel Belladonna D6 oder bei Blasenbildung auch Cantharis D6 gegeben oder Combudoron® Gel aufgetragen werden. Da proinflammatorisch wirkende Prostaglandine während der ersten 24 Stunden nach UV-Exposition erhöhte Spiegel aufweisen, erscheint eine systemische Behandlung mit nichtsteroidalen Antiphlogistika (Acetylsalicylsäure, Ibuprofen) bei stärkerem Sonnenbrand mit Schmerzen sinnvoll. Ist das körpereigene Reparatursystem überlastet, helfen extern aufgetragene Präparate mit Reparaturenzymen (Ladival® Akut Après Pflege Beruhigungs Fluid, Algen-Enzym Photolyase), die DNA-Schäden zu reduzieren und damit sonnenstrapazierte Hautzellen nach starker UV-Exposition zu regenerieren. Diese Repair-Produkte ersetzen nicht den Gebrauch von Sonnenschutzmitteln, sind aber eine ideale Ergänzung dazu. Sie sollten auf keinen Fall zu sorglosem Umgang mit der Sonne verführen.


10 Regeln für Sonnenanbeter


  • Möglichst überhaupt keine ausgedehnten Sonnenbäder nehmen, lieber im Schatten aufhalten. Die Haut langsam an die Sonne gewöhnen.
  • In der Zeit von 11 bis 15 Uhr Siesta machen (Between eleven and three, stay under the tree.).
  • Die Dauer des Sonnenbades muss dem Hauttyp und der Region angepasst werden.
  • Sonnenschutz auch bei Aufenthalt im Schatten und bei bewölktem Himmel verwenden (80 bis 90% der UV-Strahlen durchdringen die Wolken). Nicht nur am Strand oder im Schwimmbad schützen, sondern auch im Alltag beim Arbeiten oder bei Freizeitaktivitäten im Freien.
  • Die nach dem LSF berechnete Bestrahlungszeit (Eigenschutzzeit x Lichtschutzfaktor) nie voll ausnutzen; rechtzeitig aus der Sonne gehen!
  • Lichtschutz-ABC beachten: Ausweichen, Bekleiden, Cremen.
  • Den Sonnenschutz ca. eine halbe Stunde vor dem Sonnenbad ausreichend dick auftragen. Beim Baden wasserfeste Sonnenschutzcreme verwenden.
  • Empfindliche Menschen und Personen mit "Sonnenallergie" sollten Sonnenschutzgele verwenden, die ohne Emulgatoren und Konservierungsstoffe hergestellt werden. Darauf achten, dass auch Körperpflegeprodukte (Body-Lotion) keine Emulgatoren und Konservierungsstoffe enthalten!
  • Achtung: Bei Einnahme bestimmter Medikamente (z. B. Tetracycline, Johanniskraut, Diclofenac) ist der Aufenthalt in der Sonne zu vermeiden.
  • Auf Parfüms, Deodorants und andere Kosmetika in der Sonne verzichten. Sie können Pigmentflecken und Allergien hervorrufen.

Wann zum Arzt?

Ein Allgemeinarzt oder Dermatologe sollte unbedingt konsultiert werden, wenn bei Babys oder Kleinkindern Sonnenbrand auftritt, mehr als 15% der Haut betroffen sind, sich Bläschen bilden, Kopfschmerzen auftreten, sich Nackensteifigkeit einstellt, es zu Übelkeit, Erbrechen, Fieber oder Schüttelfrost kommt. In diesen Fällen können ein stärker wirksames, entzündungshemmendes Cortisonpräparat verordnet sowie weitere notwendige Maßnahmen ergriffen werden.

Sonnen mit Verstand

Mit einigen wichtigen Regeln kann die Haut einen Urlaub unbeschadet und ohne Sonnenbrand überstehen. Die Basis eines guten Sonnenschutzes ist die richtige Kleidung, vor allem eine Kopfbedeckung, am besten mit Nackenschutz. Auch eine gute Sonnenbrille darf nicht fehlen, um durch UV-Strahlen auslösbare Augenschäden wie Bindehautentzündung oder Linsentrübung zu vermeiden. Zudem ist ein geeignetes Sonnenschutzmittel unverzichtbar. Dieses ist abzustimmen auf den Pigmentierungstyp und Hautzustand, den Aufenthaltsort (Strandurlaub im Süden oder Aufenthalt im Gebirge), Bestrahlungszeit/-intensität sowie die im Freien geplanten Aktivitäten (Baden, Sport: wasserfester Schutz). Durch gezielte Beratung kann für jedes Hautbedürfnis das passende Sonnenschutzprodukt gefunden werden. Bei der Textur besteht die Auswahl zwischen Milch, Gel, Creme, Fluid, Spray und Sonnenschutzöl. Zudem gibt es Sticks für besonders empfindliche Hautpartien wie Gesicht und Ohren (z. B. Vichy® Capital Soleil Stick für empfindliche Hautpartien LSF 50, Ladival® Aktiv Sonnenschutz für Gesicht und Lippen, Daylong® ultra Stick) sowie spezielle Lippenpflege mit LSF > 30, die gleichzeitig einen Schutz vor Herpes simplex bietet (Roche Posay® Anthelios LSF 50+ Lippenstick oder Eau Thermale Avéne® Lippen-Sonnenstick).

Das jeweilige Sonnenschutzmittel muss mindestens 30 Minuten vor dem Sonnenbaden ausreichend dick aufgetragen werden (2 mg/cm2 Haut; entspricht sechs Teelöffeln des Mittels für den Körper eines durchschnittlichen Erwachsenen). Nur dann wird der angegebene LSF erreicht. Eine 300-Milliliter-Flasche Sonnenmilch sollte bei zwei Anwendungen am Tag also keine Woche halten. Auch an regelmäßiges Nachcremen ist zu denken, vor allem nach dem Baden.


Beispiele für UV-Schutzmaßnahmen und deren UV-Schutzfaktor

UV-Schutzmaßnahmen
UV-Schutzfaktor
UV-Schutzkleidung
20 bis 80
dichte Baumwollbekleidung
ca. 20
Sonnenschutzcreme bei
richtiger Anwendung
0 bis 30
leichte Baumwollkleidung
ca. 10
Schatten unter einem Baum
ca. 5 bis 15
Sonnenhut mit breitem Rand
ca. 10
Schatten unter einem Sonnenschirm
ca. 5

[Quelle: Textilforschungszentrum Hohenstein, 2003]

After-sun-Präparate

Da die Sonne die Haut austrocknet, benötigt sie nach dem Aufenthalt im Freien besonders viel Feuchtigkeit und ausreichend Zeit zum Regenerieren. Als passende Pflegepräparate eignen sich leichte kühlende Lotionen mit Feuchthaltefaktoren wie Glycerin und Dexpanthenol oder entsprechende fett- und emulgatorfreie Après-Produkte wie zum Beispiel Ladival® Après Pflege Akut Beruhigungs Fluid, Daylong® after sun Gel). Als entzündungshemmende Substanzen bei Sonnenbrand kommen häufig Allantoin (z. B. Ladival® Après Pflege Gel bei allergischer Haut) und Bisabolol zum Einsatz. Auch Hamamelisextrakte (z. B. Eucerin® After Sun Lotion), Aloe Vera (Louis Widmer® After sun) und Auszüge aus Cardiospermum (z. B. ilrido® Après Gel) lindern entzündliche Prozesse und beruhigen leichte Erytheme.

Nur begrenzter Schutz durch Kleidung

Bekleidung schützt in gewissem Maße vor UV-Strahlung. Das Ausmaß des Schutzes ist jedoch abhängig vom Material und dessen Verarbeitung. Dunkle, dicht gewebte Kleidung schützt besser als helles Gewebe, Polyester besser als Baumwolle. Ein herkömmliches helles Baumwoll-T-Shirt blockt immerhin 90% der UV-Strahlung ab, die Schutzfunktion kann sich allerdings durch Beanspruchung wie zum Beispiel Nässe dramatisch verschlechtern. Mittlerweile bieten verschiedene Hersteller deshalb Kleidung mit UV-Schutz an, die sich durch eine besonders feste Webart auszeichnet und meist zusätzlich mit UV-abweisendem Material behandelt ist. Angelehnt an den Lichtschutzfaktor von Sonnencremes wird bei zertifizierten Textilien der UV-Schutzfaktor USF (engl. UPF: Ultraviolet Protection Factor) angegeben, der eine einfache Kalkulation über die geschützte Aufenthaltsdauer in der Sonne ermöglicht. Neben dem Schutzfaktor selbst sollte auf der Kleidung angegeben sein, nach welcher Norm der Faktor ermittelt wurde. Beim UV-Standard 801 gilt der Schutzfaktor im Gegensatz zur australisch-neuseeländischen Norm und der Europa-Norm EN 13758 auch für den gedehnten und nassen Zustand.


Welche Zubereitung ist die richtige?


  • wässrige Hydrogele/Hydrodispersionsgele: empfehlenswert bei Allergikern, Mallorca-Akne, fetter Haut
  • Milch/Lotionen: Emulsionen, die wenig Fett und viel Wasser enthalten; lassen sich gut auftragen, hautpflegend
  • Creme: fetthaltiger und fester als Lotionen; haften gut, geeignet für kleinflächiges Auftragen auf dem Gesicht und Dekolleté
  • Spray: leichte Handhabung, z. B. zum Einsprühen schwerzugänglicher Stellen wie Rücken, Kopfhaut, oder weitere behaarte Hautstellen

Spezialfall: Kinderhaut

Die Haut eines Kindes ist um ein Vielfaches empfindlicher als die Haut eines Erwachsenen. Babys unter einem Jahr sollten daher nicht der Sonne (vor allem nicht zwischen 11 und 14 Uhr) ausgesetzt und auch nicht eingecremt werden. Danach gilt die "4-H-Regel": Hut, Hemd, Hose und hoher Lichtschutzfaktor. Kleinkinder benötigen aufgrund ihrer dünnen, meist wenig pigmentierten Haut Sonnenschutzmittel mit einem hohen Schutz (in Deutschland mindestens LSF 30, in sonnenintensiveren Ländern LSF 50 oder 50+). Es sollten möglichst Cremes mit physikalischen Filtern (Mikropigmenten) verwendet werden oder Sonnensprays, die sich leicht auftragen lassen. Generell sind wasser- und abriebfeste Präparate zu empfehlen. Die verwendeten Sonnenschutzmittel sollten nicht oder nur wenig parfümiert sein, auch weitere, mitunter allergologisch relevante Zusatzstoffe sollten vermieden werden. Parfüm- und farbstofffrei, wasserfest mit einem LSF 50+ sind zum Beispiel Eucerin® Kids Sun Lotion, Eau Thermale Avéne® Kinder-Sonnenmilch/-spray SPF 50, Daylong® Kids SPF 50 liposomale Sonnenschutzlotion; Ladival® Sonnenschutz-Spray für Kinder, Roche Posay® Anthelios Dermo Kids LSF 50+ Aerosol/Spray/Milch. Für die fettarme Kinderhaut sollte die Grundlage einen höheren Lipidgehalt aufweisen. UV-getestete Sonnenbrillen und sonnengerechte Kleidung bieten zusätzlichen Schutz. Besonders für Kinder haben sich Kopfbedeckungen mit Krempe und Nackenschutz bewährt.

Bräunen auf Knopfdruck?

Um die Haut auf eine erhöhte Sonnenexposition im Urlaub vorzubereiten, besuchen viele Menschen vorher ein Sonnenstudio. Vorbräunen mit der künstlichen Sonne ist jedoch keine Alternative zum natürlichen Sonnenlicht, das aus UV-A- und UV-B-Strahlung besteht. Nur die UV-B-Strahlung fördert die schützende Pigmentierung der Haut und die Ausbildung der Lichtschwiele. In Solarien werden hingegen vor allem UV-A-Strahler eingesetzt. Diese sorgen zwar für direkte, sofortige Bräune, regen aber nicht die Melanin-Bildung in der Haut an. Und sie führen zu einer vorzeitigen Hautalterung und langfristig zu unerwünschten Hautveränderungen. Diese "schnelle Bräune" durch UV-A-Licht bietet keinen Schutz vor Sonnenbrand!


Vor- und Nachteile der verschiedenen Sonnenschutzprinzipien

Substanzen
(INCI-Bezeichnung)
Vorteile
Nachteile
physikalischer
Sonnenschutz
UV-A-/UV-B-
Breitbandfilter
Titandioxid
Zinkoxid
  • Kombination mit chemischen UV-Filtern möglich
  • keine Energieübertragung auf die Haut
  • gute Hautverträglichkeit
  • keine Kontaktallergien oder Photoreaktionen beobachtet
  • Neigung zu Agglomeration
  • Aerophilie
  • Penetrationsverhalten unklar
  • photochemische Aktivität?
chemischer
Sonnenschutz
UV-A-Filter
Butyl-Methoxydibenzoylmethan, Isopropyl Dibenzoylmethan,
Terephtalylidene Dicamphor, Sulfonic Acid
  • gute Justierbarkeit des Absorptionsmaximums und des Lichtschutzfaktors
  • kein Weißeffekt auf der Haut
  • Löslichkeit der Filtersubstanz limitiert einsetzbare Konzentration
  • ausgeprägtes Penetrationsvermögen
  • photoallergische oder phototoxische Reaktionen möglich
UV-B-Filter
Isoamyl p-Methoxycinnamate, 4-Methylbenzylidene Camphor, Octyl Dimethyl PABA,
Octyl Methoxycinnamate, Phenylbenzimidazole Sulfonic Acid
UV-A-/UV-B-
Breitbandfilter
Butyl Methoxydibenzoylmethane, Terephtalylidene Dicamphor,
Sulfonic Acid


UV-Filter


Prinzipiell wird zwischen organischen (chemischen) und mineralischen (physikalischen) Filtern unterschieden sowie entsprechend ihres Absorptionsspektrums zwischen UV-B-, UV-A- und Breitbandfiltern (siehe Tabelle: "Vor- und Nachteile der verschiedenen Sonnenschutzprinzipien"). Durch Kombination organischer und/oder mineralischer Filter werden die erforderlichen Schutzbereiche sowohl im UV-B- als auch UV-A-Spektrum erreicht.

  • Chemische UV-Filter wandeln UV-Strahlung in langwellige sichtbare oder Infrarotstrahlung um.
  • Physikalische UV-Filter bestehen aus sehr kleinen Partikeln mit reflektierender, streuender und zum Teil auch absorbierender Wirkung. Mikropigmente mit Teilchengrößen im Nanometer-Bereich reflektieren und streuen bevorzugt UV-Strahlung, kaum jedoch sichtbares Licht, dadurch sehen die Partikel auf der Haut kaum noch weiß aus. Insbesondere mikrofeines Titandioxid und mikrofeines Zinkoxid werden hier verwendet. Die Mikropigmente absorbieren die Strahlung im gesamten UV-Spektrum und zählen daher als Breitbandfilter.

Um die Schutzwirkung gegen UV-B-Strahlung einschätzen zu können, wurde der Lichtschutzfaktor (LSF) eingeführt, der angibt, wie viel länger man sich bei Verwendung des entsprechenden Produktes in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Für die Messung der Schutzwirkung gegen schädliche UV-A-Strahlen wurde noch kein internationaler Standard festgelegt. Die aktuelle Empfehlung der EU-Kommission sieht vor, dass der UV-A-Schutzfaktor mindestens ein Drittel des UV-B-Schutzfaktors betragen soll. Präparate, die der EU-Empfehlung entsprechen, können mit einem "UVA"-Symbol gekennzeichnet sein.

Sonnenschutz zum Schlucken …

Neben Betacarotin, das bei Einnahme von über 30 mg Betacarotin pro Tag über mehr als drei Wochen die Haut gelblich verfärbt, werden auch Präparate mit Lycopin, Vitamin A, C, E oder Polyphenolen mit einem Sonnenschutz-Effekt beworben. Diese Substanzen fangen die durch UV-B-Strahlen entstandenen freien Radikale ab und sollen so die Zellen schützen. Mit der Einnahme solcher Radikalfänger kann allerdings nur ein maximaler Lichtschutz von zwei bis drei erreicht werden, wodurch sich die maximale Zeit bis zum Sonnenbrand nur verdoppelt. Ein effektiver, alleiniger Sonnenschutz per Tablette wird somit bisher noch nicht erreicht. Um zumindest die Empfindlichkeit gegenüber dem Sonnenlicht zu reduzieren, muss rechtzeitig mit der Zufuhr von Betacarotin begonnen werden. Da sich die Haut ständig erneuert, dauert es ca. vier Wochen, bis sich der Stoff gleichmäßig in allen Hautschichten verteilt hat. Für die photoprotektive Wirkung werden Dosierungen von 50 bis 100 mg Betacarotin pro Tag empfohlen. Da unter der Gabe von mehr als 20 mg pro Tag das Lungenkrebsrisiko bei Rauchern steigt, wird ihnen generell von einer Betacarotin-Einnahme abgeraten.

… und aus der Tube

Die meisten Selbstbräunungsmittel zum Auftragen auf die Haut enthalten Dihydroxyaceton (DHA) in einer Konzentration von 2 bis 5%. DHA ist ein farbloses Kohlenhydrat, das in die Hornschicht der Haut eindringt. Dort reagiert es mit dem Keratin der Hautzellen und es entstehen braune Pigmente. Da allerdings auch hier keine vermehrte Produktion von Melanin stattfindet, reagiert die gebräunte Haut nicht unempfindlicher auf das Sonnenlicht. Auch bei intensiver Verwendung von Selbstbräunern ist daher ein zusätzlicher UV-Schutz unabdingbar, sonst droht die Gefahr von Sonnenbrand!


Quelle

Dermokosmetischer Sonnenschutz. Leitlinie der GD Gesellschaft Dermopharmazie e.V. Fassung vom November 2007, www.gd-online.de

www.haut.de/im_fokus/sonnenschutz

www.helmholtz-muenchen.de/fileadmin/FLUGS/PDF/Themen/Gesundes-Leben/Risiken_Sonne/UV_Schutz_Textilien.pdf

www.licht-hautkrebs-praevention.de

Informationen zum Schutz vor UV-Strahlung im Rahmen einer gemeinsamen Aktion der Bayerischen Staatsministerien für Gesundheit, Umwelt und Kultus, www.sonne-mit-verstand.de

www.ssk.de/SharedDocs/Beratungsergebnisse/2006/UV_Exposition_Kinder.html

www.test.de/Kleidung-mit-UV-Schutz-Hemd-und-Hut-steht-ihm-gut-1688475-0/

Informationen der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e.V. zum Thema Sonnenschutz, www.unserehaut.de


Anschrift der Verfasserin

Apothekerin Ines Winterhagen

Stettener Str. 83

73732 Esslingen

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