Arzneimittel und Therapie

Glaukom: Früherkennung verhindert Erblinden

Das Glaukom (im Volksmund "grüner Star") ist immer noch eine häufige Erblindungsursache. "In unserem Land dürfte eigentlich keiner mehr am Glaukom erblinden", meinte Dr. Ronald Gerste, Generalsekretär des Initiativkreises zur Glaukom-Früherkennung e. V. Denn ein regelmäßiger Sehnerv-Check beim Augenarzt spürt die Erkrankung frühzeitig auf. In den meisten Fällen stabilisiert eine medikamentöse Behandlung das Sehvermögen eines Glaukom-Patienten, ansonsten helfen Laser-Behandlung oder Operation. Allerdings übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der Früherkennung nicht.

Bei den Glaukomen handelt es sich um eine Familie von Augenerkrankungen. Gemeinsam ist ihnen, dass der Sehnerv allmählich zugrunde geht. Von außen nach innen fortschreitend gehen Sehnervenfasern verloren. Die Folge der Sehnerv-Degeneration ist, dass sich das Gesichtsfeld allmählich immer weiter einschränkt. Als Gesichtsfeld bezeichnet man den Bezirk der Außenwelt, den man wahrnimmt, ohne das Auge zu bewegen. Für die Orientierung, insbesondere im Straßenverkehr, ist das Gesichtsfeld mindestens so wichtig wie das zentrale Sehen.

Nicht im Sehtest erkannt

Da das zentrale Sehen, die Lesefähigkeit, lange Zeit normal bleibt, bemerkt der Betroffene die Erkrankung zunächst nicht. Nur eine Glaukom-Früherkennungsuntersuchung beim Augenarzt spürt die Erkrankung in frühen Stadien auf, ein normaler Sehtest genügt nicht. Das Glaukom befällt meist beide Augen und ist nicht umkehrbar: Zugrunde gegangene Sehnervenfasern können nicht wieder hergestellt werden. Allerdings kann das Sehvermögen bei frühzeitiger Diagnose stabilisiert und eine Erblindung verhindert werden.

Erhöhter Augeninnendruck und andere Risikofaktoren

Das Verständnis der Glaukom-Erkrankung hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Früher galt das Glaukom als Krankheit des erhöhten Augeninnendrucks. Heute weiß man, dass ein erhöhter Augeninnendruck zwar ein wichtiger, aber eben nur ein Risikofaktor für die Entstehung eines Glaukoms ist (siehe Kasten). Rund ein Drittel der Patienten mit Glaukomschäden weist keinen erhöhten Augeninnendruck auf. Für die Diagnose "Glaukom" ist der Sehnervschaden entscheidend.

Der Zustand des Sehnervs wird auch von der Durchblutung beeinflusst. So leiden manche Patienten mit einem so genannten Normaldruckglaukom an Gefäßspasmen. Diese machen sich außerhalb des Auges als chronisch kalte Füße und kalte Hände bemerkbar.

Erkrankung des mittleren und hohen Lebensalters

Das Glaukom ist keine seltene Erkrankung. Die Häufigkeit steigt mit dem Lebensalter: Während von den 40-Jährigen nur rund 1% betroffen sind, leiden 18% der 85-Jährigen daran. In Deutschland gibt es schätzungsweise 1,5 Millionen Glaukom-Patienten, doch nur 600000 kennen die Diagnose und werden behandelt. Ein Viertel der 180000 Blinden in Deutschland sind Glaukom-Blinde. Für alle Menschen ab 40 Jahre empfiehlt sich eine Glaukom-Früherkennungsuntersuchung im Abstand von zwei Jahren, Menschen mit besonderen Risikofaktoren sollten sich der Untersuchung jährlich unterziehen.

Schmerzlos, aber nicht kostenlos

Der Augenarzt erfragt in einer ausführlichen Anamnese und Familienanamnese mögliche Risikofaktoren. Er betrachtet dann den Augenhintergrund mit der Sehnervenaustrittsstelle unter der Fragestellung "Ist der Sehnerv normal?". Schließlich misst er den Augeninnendruck nach Betäubung mit einem Tropfen Lokalanästhetikum. Bei Verdacht auf ein Glaukom wird das Gesichtsfeld bestimmt. Die Glaukom-Früherkennung ist schmerzfrei und nicht belastend, kostet den Patienten aber 16 Euro, weil sie nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen gehört.

Die Behandlung

Weit über 90% der Glaukom-Patienten können medikamentös behandelt werden. Das Ziel, die Senkung des Augeninnendrucks, kann auf zwei Wegen erreicht werden:

  • die Produktion des Kammerwasser vermindern oder
  • den Abfluss des Kammerwassers verbessern.

Nach dem ersten Prinzip funktionieren die Miotika oder Parasympathomimetika wie Pilocarpin und Carbachol, die lange Mittel der Wahl waren. Nach dem zweiten Prinzip funktionieren die lokale Carboanhydrasehemmer wie Acetazolamid, das ergänzend zu den Miotika eingesetzt wurde, und Betablocker wie Timolol. Medikamentös nicht behandelbare Patienten sind Kandidaten für eine Lasertherapie oder Operation.

Von den früh erkannten Glaukompatienten erblindet fast keiner. Dagegen sprechen spät erkannte Glaukome kaum noch auf Therapien an. Ob ein Patient mit erhöhtem Augeninnendruck eine Glaukom-Prophylaxe erhalten sollte, muss im Einzelfall entschieden werden. Eine Studie zeigte, dass von den nicht behandelten Patienten 10% in fünf Jahren ein Glaukom entwickelten. Je nach individuellen Risikofaktoren (z. B. Höhe des Augeninnendrucks, Sehnervzustand, Hornhautdicke) schwankte die Erkrankungsrate allerdings zwischen 1 und 40%.

Glaukom-Bewusstsein schaffen

Erblinden durch Unkenntnis, fasste Dr. Ronald Gerste, Generalsekretär des Initiativkreises zur Glaukom-Früherkennung e. V., die Situation beim Glaukom zusammen. Im Jahr 1992 gründeten Augenärzte und der Augenheilkunde verbundene Personen den Verein mit dem Ziel, in der Bevölkerung ein Glaukom-Bewusstsein zu schaffen und auf die Früherkennung hinzuweisen. Einer der Sponsoren des Vereins ist die Firma Chibret.

Das Glaukom (im Volksmund "grüner Star") ist immer noch eine häufige Erblindungsursache. "In unserem Land dürfte eigentlich keiner mehr am Glaukom erblinden", meinte Dr. Ronald Gerste, Generalsekretär des Initiativkreises zur Glaukom-Früherkennung e. V. Denn ein regelmäßiger Sehnerv-Check beim Augenarzt spürt die Erkrankung frühzeitig auf. In den meisten Fällen stabilisiert eine medikamentöse Behandlung das Sehvermögen eines Glaukom-Patienten, ansonsten helfen Laser-Behandlung oder Operation. Allerdings übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten der Früherkennung nicht. 

Risikofaktoren für ein Glaukom

  • Alter über 40 Jahre
  • Verwandte 1. Grades mit Glaukom
  • Kurzsichtigkeit
  • Diabetes mellitus
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Herzinsuffizienz, hoher oder niedriger Blutdruck

Entstehung des Glaukoms

Die kugelige Form des Auges erfordert einen gewissen Druck im Augeninneren, der normalerweise 10 bis 15 mmHg beträgt. Für die Erhaltung des Drucks ist das Kammerwasser verantwortlich, eine klare Flüssigkeit, die im vorderen Augenabschnitt zirkuliert. Im gesunden Auge besteht ein Gleichgewicht zwischen Produktion und Abfluss des Kammerwassers.

Bei vermindertem Abfluss des Kammerwassers durch das Trabekelwerk steigt der Augeninnendruck. Beim Offenwinkelglaukom (Glaucoma simplex), der häufigsten Variante des Glaukoms, steigt der Druck auf 25, manchmal sogar auf über 35 mmHg, weil erst aufgrund dieser Druckerhöhung der Abfluss des Kammerwassers gewährleistet ist.

Durch den ständig erhöhten Druck auf den Sehnerv wird dieser fortschreitend geschädigt (ausführlich nachzulesen unter www.glaukom.de). An der Durchtrittsstelle des Sehnerven durch die Lederhaut brechen die Sehnervenfasern regelrecht ab. Außerdem muss das Blut zur Versorgung des Augeninneren gegen einen erhöhten Innendruck ins Auge gepumpt werden, was zu einer schlechteren Versorgung führt.

Tipp

Informationsmaterial Basisbroschüren, Poster und ein Faltblatt können beim Initiativkreis zur Glaukom-Früherkennung e. V. kostenlos angefordert werden: Postfach 1718, 82102 Germering oder www.glaukom.de

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