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Noweda-Generalversammlung: Gute Zahlen, gesunde Zuversicht und eine neue Interne

ESSEN (tmb). Bei der Generalversammlung der Noweda eG am 26. November in Essen wurde den über 350 teilnehmenden Mitgliedern und zahlreichen Gästen erneut ein gestiegener Jahresüberschuss präsentiert. Der Umsatz nahm wieder stärker als der Gesamtmarkt des pharmazeutischen Großhandels zu. Im Mittelpunkt der Generalversammlung stand aber die Zukunft der Apotheken. Die Noweda will ihre Mitglieder und Kunden weiterhin durch Serviceleistungen unterstützen, aber keine Dachmarkenstrategie anbieten. Als Reaktion auf den Versandhandel wurde die neue Internetplattform ApoExpress.de angekündigt, über die Verbraucher bei den teilnehmenden Apotheken bestellen können.

Erneutes Wachstum beim Umsatz ...

Im Zeitraum von Juli 2002 bis Juni 2003 stieg der Nettoumsatz im Vergleich zum vorangegangenen Geschäftsjahr um 7,9% auf 1 547 172 Tausend Euro, wie der Vorstandsvorsitzende Dr. Dietrich L. Meyer berichtete. Der Bruttoumsatz wuchs um 8,3% im Vergleich zu 5,31% Marktwachstum des Pharmagroßhandels in Deutschland bzw. 5,12% im Liefergebiet der Noweda. Ein wichtiger Grund für das überproportionale Wachstum der Noweda dürfte wieder der Zuwachs an Mitgliedern gewesen sein, deren Zahl um 174 auf 5744 anstieg.

... und Jahresüberschuss

Insbesondere durch den Degressionseffekt der Arzneimittelpreisverordnung sank das Rohergebnis um knapp 1%. Dennoch konnte der Jahresüberschuss um 8% auf 8.155 Tausend Euro erhöht werden. Hierfür dürften insbesondere das strenge Kostenmanagement und die gestiegene Produktivität der Mitarbeiter verantwortlich sein. Der Umsatzzuwachs wurde mit einer um nur knapp 3% gestiegenen Mitarbeiterzahl realisiert. Das Betriebsergebnis konnte damit geringfügig um 21 Tausend Euro gesteigert werden.

Das Finanzergebnis sank um etwa 2,4 Mio. Euro, was allerdings vorwiegend auf Einmaleffekten bei der Umschichtung in günstigere Finanzierungsinstrumente und auf dem Nettoausweis der Dividende aus der Beteiligung an der Anzag beruht. Dagegen sanken die Steuerzahlungen im Vergleich, insbesondere weil in der Vorperiode Nachzahlungen für frühere Jahre zu leisten waren.

Aus dem Gewinn wird wieder eine Dividende ausgeschüttet, die einer seit 13 Jahren unveränderten Bruttorendite von 11% auf die Grundanteile und 13,2% auf die freiwilligen Anteile (jeweils einschließlich Boni) entspricht. Nach Abzug der Körperschaftsteuer kommt eine Bardividende von 8,09% auf die Grundanteile und 9,70% auf die freiwilligen Anteile zur Auszahlung.

Meyer betonte, dass die Rendite der Noweda-Beteiligung damit wieder weit über der Kapitalmarktrendite für Anlagen mit vergleichbarer Sicherheit liegt. Auch gegenüber dem DAX schneide die Noweda langfristig sehr gut ab.

Solide Finanzierung

Mit der auf 25% gestiegenen Eigenkapitalquote sei das Wachstum solide finanziert worden, erläuterte Meyer. Als äußerlich sichtbares Zeichen des weiteren Wachstums verwies er auf die neue Niederlassung der Noweda in Mittenwalde bei Berlin. Der neue Standort südlich des Autobahnkreuzes Schönefeld umfasst ein Investitionsvolumen von 8 Mio. Euro und soll bis Juli 2004 fertig gestellt werden.

Die größte Einzelinvestition im Berichtszeitraum war die Erweiterung der Niederlassung in Neudietendorf, wo eine neue Lagerhalle gebaut wurde. Im Berichtsjahr wurden insgesamt 4,4 Mio. Euro investiert, davon 2,6 Mio. Euro in Neudietendorf.

Als besondere personelle Veränderung im zurückliegenden Geschäftsjahr berichtete Meyer über das Ausscheiden von Klaus Zirkel aus dem Vorstand, der nach 40-jähriger Tätigkeit für das Unternehmen und zehn Jahren im Vorstand in den Ruhestand treten wollte. Seine Tätigkeit für die Ressorts Organisation, EDV und Technik hat Ressortleiter Dipl.-Ing. Kajo Paulweber, das Ressort Personal hat das neue Vorstandsmitglied Dipl.-Ök. Joachim Wörtz übernommen.

Warnung vor Dachmarkenkonzepten

Die derzeit viel diskutierten Angebote von Apothekenkooperationen schätzt Meyer als den Versuch ein, die Idee der Genossenschaften zu kopieren. Noweda-Vorstand Wilfried Hollmann, der den zukunftsgerichteten Teil des Vorstandsberichtes präsentierte, machte deutlich, dass die Noweda in Dachmarkenkonzepten und anderen Kundenbindungsstrategien von Kooperationen keinen erfolgversprechenden Weg für die Zukunft der Apotheken sieht.

Im Gegenteil, nach seiner Auffassung, sollten die Apotheker solchen Konzepten widerstehen und "sich nicht in vertragliche Konstruktionen einbinden lassen, die zu einem faktischen Fremdbesitz führen". Wer sich für solche Konzepte entscheide, müsse große Marketingpakete abnehmen und Daten liefern, möglicherweise komme sogar ein externer Controller in die Apotheke. Damit würden die Apotheker einem Zustand Vorschub leisten, den sie nicht wollten.

Entscheidend für die Kundenbindung seien nicht Dachmarken, sondern die Menschen in der Apotheke. Darum sei die Noweda vom Konzept der inhabergeführten Apotheke überzeugt. Auch wenn Fremdbesitz zugelassen würde, wollte die Noweda die Apotheken nicht kaufen und ihnen auch keine Beteiligungen anbieten. Die Apotheker sollten nicht auf solche Verkäufe spekulieren, die ihnen möglicherweise die Sorge um den kaufmännischen Bereich der Apotheke abnehmen würden. Denn dann wären sie auch im pharmazeutischen Bereich nicht mehr unabhängig.

Neue Internetplattform

Die Noweda hat kein Dachmarkenkonzept, bietet ihren Mitgliedern und Kunden aber verstärkt Hilfen für das Marketing und die Organisation an. Neben dem Hilfsmittelkonzept ApoQuick, der Zentralregulierung für Direktbestellungen und diversen "Börsen" wird dies künftig die neue Internetplattform ApoExpress.de sein.

Diese wird von der Noweda gepflegt, doch entscheiden die einzelnen Apotheken über die Konditionen im Detail, von den Preisen bis zu den Lieferbedingungen – Abholung, Botendienst oder Versand. Apotheker sollten sich hiervon keine großen Gewinne versprechen, könnten so aber ihre Aufgeschlossenheit gegenüber den neuen Medien zeigen.

Insgesamt betrachtet Hollmann die weitere Entwicklung mit Zuversicht. Jede Veränderung biete auch Chancen. Er warnte davor, in Aktionismus oder gar Panik zu verfallen. Hinsichtlich des Mehrbesitzes würden keine Dämme brechen. Der Versandhandel werde einen Umsatzanteil von weniger als 1% erreichen. Die Apotheken vor Ort könnten mit ihren eigenen Versandkonzepten stets schneller als überregionale Versandapotheken liefern.

Empfehlung für stabile OTC-Preise

Bei den OTC-Arzneimitteln lägen Chancen und Risiken dicht beieinander. Ein großer Teil der OTC-Artikel werde künftig ohne Verordnung gekauft, was den Apotheken Möglichkeiten zur Kundenbindung eröffne.

Bei den Diskussionen zur Preisfreigabe stünden mögliche Preissenkungen im Mittelpunkt. Doch könnten geringere Preise den wirtschaftlichen Erfolg nicht verbessern, da die Mischkalkulation mit anderen Arzneimitteln nicht mehr möglich sei und künftig jedes Produkt in der Apotheke seinen eigenen Deckungsbeitrag erbringen müsse.

Daher sollte statt über Preissenkungen auch über Preiserhöhungen nachgedacht werden. Apotheker würden dies meist mit dem Hinweis auf die Kollegen zurückweisen, aber aus der Perspektive der anderen Apotheker seien sie selbst die Kollegen. So entstehe der Eindruck, dass unter den Apothekern "jeder jeden bezichtigt, etwas Unvernünftiges zu tun."

Natürlich werde es einige "Smart-Shopper" geben, die sich am Preis orientieren. Die meisten Kunden würden ihre OTC-Arzneimittel aber ohne Preisvergleich in ihrer Stammapotheke kaufen. Daher empfahl Hollmann, die Preise stabil zu halten und die Marken "Apotheke" und "Arzneimittel" zu pflegen und nicht durch Dumping zu konterkarieren.

Verkehrte ökonomische Anreize

Der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Klaus G. Brauer rückte mehr die gesundheitspolitische Dimension der künftig freien OTC-Preise in das Augenmerk der Versammlungsteilnehmer. Seines Erachtens könnten interessierte Kreise hoffen, dass die Apotheker durch ihr künftiges Preis- und Absatzgebahren der Apothekenpflicht die politische Begründung entziehen könnten.

Ob die neuen Preisbildungsregeln die "heilberufliche Funktion" der Apotheker stärken würden, sei fraglich. Denn das Fixhonorar gilt für die verschreibungspflichtigen Arzneimittel, auf deren Auswahl die Apotheker den geringsten Einfluss haben. Dagegen sollten sich die Apotheker nach dem Willen der Politik gerade in der Selbstmedikation, bei deren Auswahl sie mitwirken können, ökonomischen Überlegungen öffnen. Dies sei eine "verkehrte Welt".

Bei der Diskussion ging es ebenfalls um die Freigabe der OTC-Preise, die auch zu freien Preisen für diese Arzneimittel auf der Großhandelsebene führt. Damit könnten sich die Einkaufspreise bei verschiedenen Großhändlern unterscheiden. Allerdings sagte Hollmann zu, die Noweda werde die nicht-verschreibungspflichtigen Arzneimittel auch künftig auf der Grundlage der alten Arzneimittelpreisverordnung fakturieren und so für Preistransparenz sorgen.

Zukunft der Anzag-Beteiligung

Ein weiterer Gegenstand der Diskussion war die Beteiligung der Noweda an der Anzag, die 1987 mit einem 10-prozentigen Anteil begann und inzwischen knapp 25% beträgt. Meyer erläuterte, die Noweda habe damit Geld verdient, doch sei dies nicht der Grund für die Übernahme der Beteiligung gewesen. In einer Situation, in der viele etablierte Großhändler vom Markt verschwanden, habe die Noweda die Angebotsvielfalt erhalten wollen.

Die Noweda habe die damalige internationale Verteilung der Anzag-Aktionäre als geordnete Form der Europäisierung begrüßt. Im Gegensatz dazu stehe jetzt das Bemühen der Sanacorp, die Anzag ganz zu übernehmen. Eine Entscheidung über das Verhalten der Noweda sei noch nicht gefallen. Der wesentliche Maßstab hierfür seien die Interessen der Mitglieder, doch sei schwer zu erkennen, wo diese in diesem Fall liegen.

Mit der Generalversammlung endete turnusmäßig die Amtszeit der Aufsichtsratsmitglieder Lothar Delhey, Münster, und Ursula Erlebach, Spremberg. Beide wurden mit großer Mehrheit wiedergewählt. Vorstand und Aufsichtsrat wurden einstimmig entlastet.

Die Summe der Kopfschmerzen lässt sich nicht durch Preissenkungen erhöhen. Noweda-Vorstand Wilfried Hollmann

Die Politik wird die Preisspannenverordnung dem Preisverhalten der Apotheken anpassen. Noweda-Vorstand Wilfried Hollmann

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