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Wieder mehr als der Markt gewachsen

Noweda: Positive Zahlen bei der Generalversammlung

ESSEN (tmb) | Im Geschäftsjahr 2014/15 wuchs die Noweda-Gruppe wieder deutlich stärker als der Großhandelsmarkt und überzeugte zudem durch niedrige Kosten. Bei der Generalversammlung der Apothekergenossenschaft am 21. November in Essen erklärte der Vorstandsvorsitzende Wilfried Hollmann gegenüber den Mitgliedern: „Ihr Unternehmen steht wirtschaftlich gut da, besser als der Rest der Branche.“ Sein Ausblick für das neue Geschäftsjahr liegt über den bisherigen Erwartungen.
Foto: Noweda

Erfreuliche Zahlen konnte der Vorstandsvorsitzende der Noweda, Wilfried Hollmann, bei der Generalversammlung der Apothekergenossenschaft berichten: Das ­Unternehmen stehe wirtschaftlich besser da als der Rest der Branche.

Die Noweda-Gruppe, zu der auch Unternehmen in der Schweiz und in Luxemburg gehören, setzte im Berichtszeitraum 5,262 Milliarden Euro um. Dies waren 408 Millionen Euro oder 8,4 Prozent mehr als im Vorjahr. In Deutschland wuchs der Umsatz um 7,79 Prozent, während der Großhandelsmarkt nur 4,47 Prozent zulegte. Der Rohertrag stieg unterproportional und beträgt nun „nur noch“ 4,54 Prozent vom Umsatz. Hollmann führte dies auf den steigenden Anteil der Hochpreiser mit gedeckeltem Aufschlag zurück, die dem Großhandel durchschnittlich nur ein Prozent Spanne brächten. „Mit dem Hochpreis-Umsatz lässt sich keine Rendite erzielen“, beklagte Hollmann, aber dieses Sortiment werde sogar noch zunehmen. Außerdem habe die Noweda mit Stolz einen schlechten Warenumschlag, der auf der großen Sortimentsbreite im Interesse der Mitglieder beruhe.

Erfolgsfaktoren

Die Erfolge der Noweda führt Hollmann auf das Bekenntnis der Mitglieder zum eigenen Unternehmen zurück. Die genossenschaftliche Idee, die Solidarität unter den Mitgliedern und das Engagement für die inhabergeführte Apotheke zogen sich als Kerngedanken durch seine Rede. Als weitere Stärke führte Hollmann die Kostenlage an, die ausgezeichnet sei. Die Gesamtkosten stiegen unterproportional. Die Gesamtkostenquote beträgt 4,21 Prozent. Mit dem um 2,2 Millionen Euro verbesserten Finanzergebnis und den deutlich gestiegenen Steuern resultiert ein Bilanzgewinn von 30,3 Millionen Euro (Vorjahr: 29,6 Millionen Euro). Daraufhin beschloss die Generalversammlung wieder die seit vielen Jahren unveränderte Dividende. Die Bruttodividende beträgt 11 Prozent auf die Grundanteile und 13,2 Prozent auf die freiwilligen Anteile.

Noweda: Jahresabschluss zum 30. Juni 2015

  • Umsatz: 5,262 Milliarden Euro
  • Rohertrag: 239,1 Millionen Euro
  • Betriebsergebnis: 57,0 Millionen Euro
  • Bilanzgewinn: 30,3 Millionen Euro
  • Mitgliederzahl: 8747
  • Zahl der Niederlassungen: 19 (davon 16 in Deutschland)

Investitionen und Ausblick

Die Bilanzsumme stieg um 10,4 Prozent auf 1,018 Milliarden Euro und überschritt damit erstmals die Milliardengrenze. Dabei hätten sich die Bilanzrelationen nicht grundlegend geändert und die Noweda sei unverändert solide finanziert, betonte Hollmann. Das Eigenkapital stieg um 11,5 Millionen Euro auf 353,6 Millionen Euro. Zu den Investitionen von 25,7 Millionen Euro gehören insbesondere der Ausbau der Niederlassung in Romont für die schweizerische Tochtergesellschaft und der Neubau in Böblingen. Bereits in wenigen Monaten soll diese Niederlassung an der Autobahn 81 in Betrieb gehen. Schon jetzt ist der Ausblick für das neue Geschäftsjahr ab Juli sehr positiv. Die Umsätze in den ersten vier Monaten seien um mehr als sechs Prozent und damit mehr als erwartet gestiegen, erklärte Hollmann.

Kritisches zur Politik

Dennoch beklagte Hollmann Probleme im gesundheitspolitischen Umfeld, insbesondere die unzureichende Honorierung der Apotheken und die Lieferengpässe. Es sei den Herstellern nicht zu verdenken, wenn sie in Staaten mit höheren Preisen verkaufen. Doch „das führt bei uns zu staatlich verursachten Marktstörungen“, so Hollmann. Einen wesentlichen Erfolgsfaktor für Apotheken sieht er in der Digitalisierung, dafür müssten sich die Apotheken fit machen. Doch seine guten Zukunftserwartungen für die Apotheken stützt Hollmann letztlich auf den Kontakt zu den Patienten vor Ort und die „sprechende Pharmazie“.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Klaus G. Brauer konstatierte beunruhigende Szenarien in der Politik. Die zeitweilig vermittelte Botschaft der ABDA, das höhere Fixhonorar „momentan“ ad acta zu legen und dann auch noch die Frage, ob ein packungsbezogenes Honorierungssystem zukunftsfähig sei, hätten dem Wirtschaftsminister eine Steilvorlage geliefert. Bis das geplante Gutachten vorliege, gelte wohl für alle Honorarverbesserungen: „Still ruht der See.“ Außerdem kritisierte Brauer die Privilegierung des Arzneimittelversandes. Mit der Forderung, den Versand verschreibungspflichtiger Arzneimittel zu verbieten, solle man nicht kleinlaut beidrehen, so Brauer. Mit der Generalversammlung endete Brauers Amtszeit im Aufsichtsrat (siehe Kasten „Ehrung für Dr. Klaus G. Brauer).

Ehrung für Dr. Klaus G. Brauer

Mit den größtmöglichen Ehrungen verabschiedete die Noweda ihren langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Klaus G. Brauer aus dem Amt. Die Apothekergenossenschaft zeichnete ihn mit der Günther-Büsch-Ehrengabe aus und ernannte ihn zum Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrats.

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Im Rahmen der Generalversammlung erhielt Dr. Klaus G. Brauer (Mitte) die höchste Auszeichnung, die die Noweda vergibt: die Günther-Büsch-Ehrengabe. Überreicht wurde sie von der stv. Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Brigitte Keil, und Wilfried Hollmann.

Mit der Generalversammlung der Noweda am 21. November in Essen endete die Amtszeit Brauers als Aufsichtsratsvorsitzender, weil er die satzungsgemäße Altersgrenze erreicht hat. DAZ-Herausgeber Brauer war seit 1989 Mitglied des Noweda-Aufsichtsrats und stand dem Gremium seit 1998 vor. Der Noweda-Vorstandsvorsitzende Wilfried Hollmann würdigte Brauers außerordentliche Verdienste um das Unternehmen. Er habe sich mehr als 25 Jahre für die Noweda engagiert, habe die unternehmerische Ausrichtung mitgeprägt und sei maßgeblich an ihrer Erfolgsbilanz beteiligt. Brauer sei von der qualitativ hochwertigen Versorgung durch eigenverantwortlich geführte Apotheken überzeugt und schon durch seinen Großvater, einen der Mitbegründer der Noweda, beeinflusst worden. Als Aufsichtsrat habe Brauer die Geschäftspolitik erfolgreich mitgestaltet, ohne sich in das operative Geschäft einzumischen. Für seine Verdienste verlieh ihm die Noweda ihre höchste Auszeichnung, die Günther-Büsch-Ehrengabe, die nach einem früheren Aufsichtsratsvorsitzenden der Genossenschaft benannt ist. Außerdem hätten Aufsichtsrat und Vorstand beschlossen, für Brauer den Titel des Ehrenvorsitzenden des Aufsichtsrats zu schaffen. Brauer erklärte dazu, er habe eigentlich nur getan, was die Mitglieder von ihm „erwarten, ja sogar verlangen durften“, nämlich sein Denken an der Genossenschaftsidee zu orientieren und sich für die inhabergeführte Apotheke einzusetzen.

Foto: DAZ/tmb

Dr. Matthias Lempka wurde bei der Noweda-Generalversammlung einstimmig zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrates gewählt.

Wahlen zum Aufsichtsrat

Bei der Generalversammlung wurden die stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats, Brigitte Keil, und Katja Wrede turnusmäßig wieder in den Aufsichtsrat gewählt. Es gab keine Gegenkandidaten. Zuvor waren die Vertreter der Mitarbeiter ebenfalls wiedergewählt geworden. Als Nachrücker für Brauer trat Dr. Arnt Heilmann sein Mandat an. Er ist Inhaber der Hirsch-Apotheke in Hirschhorn im hessischen Neckartal und wurde 2014 als Ersatzmitglied für den Aufsichtsrat gewählt. Unmittelbar nach der Generalversammlung trat der Aufsichtsrat zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Dabei wurde Dr. Matthias Lempka einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt. Der Inhaber der Distel-Apotheke in Dortmund gehört dem Noweda-Aufsichtsrat seit 2009 an. |