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Noweda weiter auf Wachstumskurs

ESSEN (tmb). Bei der Generalversammlung der Noweda eG am 24. November in Essen stellte der Vorstandsvorsitzende Dr. Dietrich L. Meyer, der am Ende des laufenden Geschäftsjahres in den Ruhestand treten wird, wieder gute Geschäftsergebnisse als Folge eines stetigen Wachstums des apothekereigenen Unternehmens vor. Sein designierter Nachfolger, Vorstand Wilfried Hollmann, beschrieb die Angebote der Noweda, mit denen die Apotheken im schwierigen Marktumfeld erfolgreich sein sollen.

Im Geschäftsjahr 2003/2004 wuchs die Noweda-Gruppe mit einem Umsatzanstieg um 10,99% von 1.547 Mio. Euro auf 1.717 Mio. Euro erneut stärker als der Markt, wie Meyer berichtete. Bereinigt um die Auswirkungen des GMG, das in der Mitte des Geschäftsjahres in Kraft trat, betrage die Zuwachsrate sogar 11,29% im Vergleich zu einem Marktwachstum von 3,93% im Bundesgebiet und 3,58% im Belieferungsgebiet der Noweda.

Dagegen stiegen die Aufwendungen nur unterproportional zum Umsatz um 3,7%. Die Produktivität wurde von 1,17 Mio. Euro auf 1,29 Mio. Euro Umsatz pro Mitarbeiter erhöht, das Finanzergebnis verbesserte sich durch niedrigere Zinsen und die Ablösung langfristiger Verbindlichkeiten. So stieg der Jahresüberschuss um 11% von 8,155 Mio. Euro auf 9,052 Mio. Euro. Daraufhin wird wieder eine Dividende von 11% bzw. 13,2% (Bruttorendite einschließlich Bonus) auf die Pflichtanteile bzw. die freiwilligen Anteile gezahlt (s. a. in AZ Nr. 49/2004).

Investitionen schaffen und sichern Wachstum

Das Wachstum der Noweda beruht auch auf der weiter steigenden Mitgliederzahl, der Intensivierung der Belieferung und der Modernisierung der bestehenden Filialen. Im Berichtsjahr stieg die Zahl der Mitglieder von 5.744 auf 5.880. Das größte Investitionsprojekt in diesem Zeitraum war das neue Haus in Berlin/Mittenwalde. Daneben wurde in fast allen Filialen in Sicherheitsmaßnahmen und Back-up-Systeme für die Kälteversorgung investiert. Zur Sicherung der EDV-Verfügbarkeit wurde in unmittelbarer Nähe der Hauptverwaltung in Essen ein zweites Rechenzentrum gebaut.

Im laufenden Geschäftsjahr werden Erweiterungsmaßnahmen in der Filiale in Frechen durchgeführt. Das neue Haus in Rastede als Ersatz für die Filiale in Oldenburg soll ab dem 1. Juli 2005 betriebsbereit sein.

Verbesserte Finanzierungsbedingungen

Die Investitionen im abgelaufenen Geschäftsjahr konnten vollständig aus dem Cash flow finanziert werden. Meyer betonte, dass der Verkauf eines Aktienpaketes mit 19% der Anzag-Aktien die Bilanzrelationen und die Finanzierungssituation der Noweda weiter verbessert hat, weil die zugeflossenen Mittel zur Tilgung von Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten in Höhe von 57 Mio. Euro benutzt wurden. Das Eigenkapital stieg von 107,6 Mio. Euro auf 113,7 Mio. Euro, die Eigenkapitalquote beträgt damit über 26%, was eine gute und solide Basis sei.

Das Anlagevermögen hat sich durch den Aktienverkauf mehr als halbiert, zumal die verbliebenen 6% der Anzag-Aktien nun im Umlaufvermögen verbucht werden. Dagegen ist das Umlaufvermögen, insbesondere durch die Vorräte in der neuen Filiale, deutlich gestiegen. Eine strategische Absicht werde mit der verbliebenen Position der Anzag-Aktien nicht verfolgt, erklärte Meyer auf die Frage eines Mitgliedes. Es werde auch nicht auf einen steigenden Aktienkurs spekuliert.

Langfristige Perspektiven

Neben den guten Zahlen des Unternehmens beschrieb Meyer das schwierige politische Umfeld für die Apotheken und den Pharmagroßhandel. Da inzwischen durch ein Gutachten festgestellt wurde, dass ein Wirkungszusammenhang zwischen den Gesundheitskosten und der Beschäftigung nicht nachweisbar sei, sei die Begründung für die Eingriffe in den Gesundheitsmarkt wohl obsolet geworden. Wenn die Volkswirtschaft in einiger Zeit wieder wachsen und prosperieren werde und das Beschäftigungsproblem dann gelöst sei, werde die Gesellschaft kein Interesse haben, ein funktionierendes Gesundheitswesen zu demontieren. Daher könne die Zukunft der selbstständigen Apotheken durchaus optimistisch gesehen werden.

Auch der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Klaus G. Brauer bezeichnete es als tröstlich, in einem Wachstumsmarkt zu agieren, der sich aus der demographischen Entwicklung und den Innovationen ergibt. Doch laufe etwas falsch, wenn diese Innovationen immer häufiger im Ausland und primär für das Ausland entwickelt würden.

Hilfen für den Apothekenalltag

Die eher kurzfristigen Zukunftsperspektiven und Angebote der Noweda für die Apotheken stellte Vorstand Wilfried Hollmann dar (siehe auch Bericht in AZ 49). Gemeinsames Ziel müsse die vollständige Kompensation der stark rückläufigen GKV-Verordnungen durch Privatrezepte und durch die Selbstmedikation sein. Dafür sei das Grüne Rezept ein ausgezeichnetes Hilfsmittel, doch seien viele Patienten noch immer nicht ausreichend darüber informiert. Die Standesorganisationen und auch die einzelnen Apotheker und ihre Teams müssten dazu noch mehr Aufklärungsarbeit bei Ärzten und Patienten leisten, das sei nicht allein die Aufgabe der Industrie. Dafür biete die Noweda Handzettel und Plakate an.

Zugleich begrüßte Hollmann die Preispolitik der Apotheken, deren Spanne bei OTC-Arzneimitteln in den ersten neun Monaten des Jahres gegenüber dem Vorjahr unverändert bei 33% liege. Nur wenige Apotheken hätten die Preise gesenkt, mehr Apotheken hätten sie dagegen erhöht, einige generell bis zu 10%, andere nur für einzelne Artikel. Wenn Politiker etwas anderes erwartet hätten, zeige das, dass sie noch nie in der Nähe eines Unternehmens tätig waren oder ökonomische Ergebnisverantwortung tragen mussten.

Die entscheidende Ursache für die sinkenden Roherträge der Apotheken sei die verminderte Kundenfrequenz. Dagegen biete die Noweda vielfältige Instrumente zur Verstärkung der Kundenbindung, die zu guten Ergebnissen in den Apotheken führen würden. Auch für Fragen bezüglich der Teilnahme am Versandhandel und an Kooperationen biete das apothekereigene Unternehmen apothekengerechte Lösungen an. Das Verhalten einiger Versandapotheker könne als "New Economy der Apothekenbranche" verstanden werden – nach dem Konzept "erst Umsatz machen, und anschließend feststellen, dass die Kasse leer ist".

Als Alternative biete die Noweda die Handelsplattform ApoExpress, über die Apothekenkunden auch im Internet bei wohnortnahen Apotheken kaufen können. Beim Thema Kooperationen seien die Noweda-Mitglieder gelassen, weil die Genossenschaft bereits die größte operative Kooperation im deutschen Apothekenmarkt sei und eine Dachmarke damit schnell zu schaffen sei, wenn die Mitglieder es wollten. Dagegen würden andere Dachmarkenkonzepte primär den Konzeptanbietern und nicht den Apotheken nutzen.

Zukunft der Noweda

Wohl nicht zuletzt angesichts der wirtschaftlichen Ergebnisse ergab sich bei der Generalversammlung nur eine kurze, sehr einvernehmlich geführte Diskussion. Auf die Frage, ob international tätige Großhändler durch ihre Größe höhere Rabatte erzielen und an Apotheken weitergeben könnten, meinte Hollmann, kein Unternehmen werde die im Ausland erzielten Erträge zur Subventionierung des deutschen Geschäftes einsetzen. Vielmehr müssten solche Unternehmen prüfen, ob der deutsche Markt für sie überhaupt rentabel sei.

Auf die Frage nach der Bedeutung von Arzneimittelfälschungen in Deutschland erklärte Hollmann, dass die Noweda für diesen Fall einen Notfallplan aufgestellt habe. Er kündigte außerdem an, die Noweda werde künftig die monatliche Bezugsmenge pro Apotheke für einige problematische Arzneimittel begrenzen, damit diese für alle Kunden zur Verfügung stehen und der Export in Länder mit höheren Preisen begrenzt wird.

Auch die personelle Entwicklung in der Noweda-Führung war Gegenstand der Generalversammlung. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Dietrich L. Meyer wird nach Erreichen der satzungsgemäßen Altersgrenze mit dem Ende des laufenden Geschäftsjahres diese Funktion abgeben. Sein Nachfolger wird Wilfried Hollmann, der als primus inter pares im Vorstand für den Vertrieb zuständig ist. Wolfgang P. Kuck leitet das Ressort "Pharmazeutische Industrie", während Joachim Wörtz den Ressorts für Finanzen, Betriebswirtschaft und Personal vorsteht. Daneben ist Apotheker Peter Bömelburg nebenamtlicher Vorstand.

Meyer betonte, dass dieses Konzept für die kontinuierliche Arbeit in der Noweda vom Vorstand vorgeschlagen, langfristig erprobt und vom Aufsichtsrat einstimmig beschlossen wurde. Die Generalversammlung beschloss mit großer Mehrheit eine Anpassung der Aufsichtsratsvergütung, die letztmals 1991 erhöht worden war. Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat wurden der Vorsitzende Dr. Klaus G. Brauer und Ulrich Pollmann nach dem turnusmäßigen Ende ihrer Amtszeit wiedergewählt. Vorstand und Aufsichtsrat wurden einstimmig entlastet.

Alle haben schon alles gesagt. Jetzt geht es nur noch um die Häufigkeit der Wiederholungen, um die Wahrheit schon lange nicht mehr. Dr. Dietrich L. Meyer über die Gesundheitspolitik in Deutschland

Wir können den Wind nicht drehen, ... aber wir können die Segel richtig setzen. Dr. Klaus G. Brauer über das Verhältnis der Apotheker zur Gesundheitspolitik