Mit Neurokinin-Rezeptorantagonisten gegen Hitzewallungen

Ohne Hormone durch die Wechseljahre

Stuttgart - 29.12.2023, 16:45 Uhr

2023 kam Bewegung in die Therapieoptionen bei Hitzewallungen. (Foto: fizkes / AdobeStock)

2023 kam Bewegung in die Therapieoptionen bei Hitzewallungen. (Foto: fizkes / AdobeStock)


„Therapie von Hitzewallungen mit nicht hormonellen Wirkstoffen?“ Was im Januar noch eine Frage war, ist im Dezember bereits Realität: Fezolinetant (VeozaTM) wurde als erster selektiver Inhibitor des Neurokinin-3-Rezeptors zur Behandlung von Wechseljahres­beschwerden zugelassen. Die Einführung steht noch aus.

Als die DAZ im Juli 2021 der Frage nachging, „was Brustkrebs-Patientinnen bei klimakterischen Beschwerden hilft“, wurde erstmals auch Fezolinetant erwähnt. Der nicht hormonelle Wirkstoffkandidat gegen Hitzewallungen und nächtliche Schweißattacken befand sich in Phase III der klinischen Untersuchung. Es dauerte zwei Jahre, ehe die DAZ das Thema erneut aufgriff: Neben Fezolinetant wurde mit Elinzanetant über einen weiteren Wirkstoffkandidaten bei Wechseljahrsbeschwerden berichtet. Beide sollten nicht hormonell über die Blockade von Neurokinin-Rezeptoren wirken. Neurokinin-B aktiviert und Estrogen hemmt Neuronen, die an der Thermoregulation im Hypothalamus beteiligt sind. Sinkt in der Menopause der Estrogen-Spiegel, kann mit Neurokinin-Rezeptorantagonisten thermoregulatorischen Störungen entgegengewirkt werden. Eine Neurokinin-1-Blockade kennt man von Antiemetika wie Aprepitant. Elinzanetant antagonisiert die Neurokinin-Rezeptoren 1 und 3, Fezolinetant selektiv den Neuro­kinin-3-Rezeptor.

Weil die Hormontherapie bei Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs kontraindiziert ist, wurden mit einer hormonfreien Therapieoption besonders bei diesen Patientinnen Hoffnungen geweckt. Und sie sollten nicht enttäuscht werden: In den USA wurde Fezolinetant im Mai bei moderaten bis schweren vasomotorischen Symptomen zugelassen – als eine Alternative für Frauen, die keine Hormontherapie wünschen oder anwenden können. Im Oktober empfahl auch die Euro­päische Arzneimittelbehörde EMA, Fezolinetant zuzulassen (DAZ 43, S. 24). Zwei randomisierte placebo­kontrollierte doppelblinde Phase-III-Studien über zwölf Wochen mit postmenopausalen Frauen hätten die Wirksamkeit bewiesen, hieß es. Am 7. Dezember wurde Fezolinetant in VeozaTM nun die endgültige EU-Zulassung erteilt (DAZ 50, S. 32).


Diana Moll, Apothekerin und Redakteurin, Deutsche Apotheker Zeitung (dm)
redaktion@daz.online


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