Superfoods-Beratungswissen – Teil 14

Aronia – die „Gesundheitsbeere“

Münchingen - 07.04.2021, 09:15 Uhr

Aroniabeeren sind reich an Vitaminen, vor allem Folsäure und anderen B-Vitaminen, Vitamin K, Vitamin C, sowie an Mineralstoffen, insbesondere Kalium, Calcium, Magnesium, Zink, Jod, Eisen. Ihr Gehalt an antioxidativ wirkenden Polyphenolen und Anthocyanen ist hoch. (Foto: nadchmurami / stock.adobe.com) 

Aroniabeeren sind reich an Vitaminen, vor allem Folsäure und anderen B-Vitaminen, Vitamin K, Vitamin C, sowie an Mineralstoffen, insbesondere Kalium, Calcium, Magnesium, Zink, Jod, Eisen. Ihr Gehalt an antioxidativ wirkenden Polyphenolen und Anthocyanen ist hoch. (Foto: nadchmurami / stock.adobe.com) 


Nebenwirkungen?

Wer Nahrungsergänzungsmittel mit Aronia verwenden möchte, sollte die Verzehrsempfehlung des Herstellers nicht überschreiten. Krebspatienten sollten Aronia-Präparate nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt einnehmen. Die Verbraucherzentralen weisen außerdem darauf hin, dass die in der Zutatenliste von Nahrungsergänzungsmitteln angegebenen Vitamine und Mineralien meist nicht aus der Aroniabeere stammen, sondern der Rezeptur hinzugefügt wurden. Das ist zwar im Prinzip in der Zutatenliste erkennbar, wird aber vom Verbraucher oft nicht so wahrgenommen.

Wer unter Eisenmangel leidet, sollte vorsichtig sein: Die Gerbstoffanteile der Aroniabeere können die Resorption von Eisen behindern. Auch Wechselwirkungen mit Arzneimitteln sind möglich. Patienten, die Antikoagulanzien einnehmen, müssen den Vitamin-K-Gehalt von Aroniabeeren berücksichtigen.

Man findet auch Hinweise auf Bauchschmerzen und Verstopfung, die nach Verzehr von Aroniabeeren bzw. Aroniasaft auftreten. Für eine bessere Verträglichkeit wird empfohlen, Früchte bzw. Saft nicht auf nüchternen Magen, sondern im Zusammenhang mit einer Mahlzeit zu sich zu nehmen. Frische Beeren können Zunge und Zähne vorübergehend blau färben, was gesundheitlich nicht bedenklich ist.

Beim Einkaufen beachten

Vorteilhaft ist, dass Aroniabeeren nicht erst um die halbe Welt reisen müssen, um in Deutschland auf dem Tisch zu landen. Die Aroniabeeren, die zu Saft verarbeitet werden, kommen zum größten Teil aus Osteuropa. Darauf deutet ein Hinweis „aus EU-Landwirtschaft“ hin. In Deutschland gibt es die meisten Aronia-Plantagen in Brandenburg und Sachsen. Deren Produkte sind gekennzeichnet mit dem Label „aus deutscher Landwirtschaft“. Je nach Herkunft können Aroniabeeren mit Pestiziden oder Schwermetallen belastet sein. Wer auf Bio-Qualität Wert legt, sollte auf verlässliche Bio-Siegel achten.

Getrocknete Aroniabeeren enthalten pro 100 g Früchten ca. 22 g Zucker. Der Kilopreis beträgt in Online-Shops 20 bis 60 Euro. Wer Säfte kauft, sollte – wegen der höheren Qualität – Direktsaft bevorzugen. Säfte kosten pro Liter ca. 7 bis 9 Euro.

Grundsätzlich kann der Verzehr von Aronia zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung beitragen. Die als gesundheitsfördernd bewerteten Anthocyane sind jedoch auch in Heidelbeeren, Brombeeren, Fliederbeeren oder Rotkohl enthalten, die meist preisgünstiger angeboten werden.

Extrakte nicht standardisiert 

Aronia-haltige Nahrungsergänzungsmittel enthalten Extrakte, die in ihrer Zusammensetzung –  anders als bei pflanzlichen Arzneimitteln – weder eindeutig definiert noch standardisiert sind. Meist werden noch Vitamine oder andere Zutaten hinzugefügt. Grundsätzlich gilt – wie für viele andere Superfoods, die in Arzneimittel-ähnlicher Aufmachung angeboten werden: Einzelne Pflanzenbestandteile als Nahrungsergänzung einzunehmen, bringt keine gesundheitlichen Vorteile. Wer regelmäßig und abwechslungsreich Gemüse und Obst auf seinen Speiseplan setzt, ist ausreichend mit sekundären Pflanzenstoffen und Antioxidanzien versorgt. Gesunde Ernährung ist als ganzheitliches Konzept zu betrachten, das Makro- und Mikronährstoffe in ausgewogener Menge enthält. Die Zufuhr von Pflanzenextrakten oder Konzentraten in Form von Nahrungsergänzungsmitteln ist aus ernährungswissenschaftlicher Sicht weder nötig noch empfehlenswert.

Auf einen Blick

  • Seit rund zehn Jahren erlebt die in Europa angebaute Aronia eine Renaissance als „Gesundheitsbeere“. Aroniabeeren enthalten Vitamine und Mineralien, Polyphenole und Anthocyane.
  • In experimentellen Untersuchungen – an Zelllinien oder in Tierversuchen – wurden antioxidative, antimikrobielle, Immunsystem-stimulierende und leberschützende Eigenschaften der Aroniabeeren-Extrakte gezeigt. Untersuchungen, ob Aronia auch Menschen vor Krebs schützt, gibt es nicht. Gesundheitsbezogene Aussagen zu Aronia-Produkten sind nicht erlaubt.
  • Der gesundheitsfördernden Wirkung der sekundären Pflanzenstoffe steht die nicht immer erwünschte Gerbstoffwirkung entgegen. Darüber hinaus findet man in den Kernen der Aroniabeeren Amygdalin, aus dem Blausäure freigesetzt werden kann. Allerdings ist der Verzehr von frischen Aroniabeeren unbedenklich, wenn die Portionen klein sind.
  • Die Gerbstoffanteile in der Aroniabeere können die Resorption von Eisen behindern. Patienten, die Antikoagulanzien einnehmen, müssen den Vitamin-K-Gehalt von Aroniabeeren berücksichtigen.
  • Grundsätzlich kann der Verzehr von Aronia zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung beitragen. Anthocyane sind jedoch auch in Heidelbeeren, Brombeeren, Fliederbeeren oder Rotkohl enthalten.


Reinhild Berger, Apothekerin
redaktion@daz.online


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