DAZ.online-Podcast

„Das kann kein Versender“

19.02.2021, 17:50 Uhr

Das „Böblinger Modell“: Im Gespräch erklärt Apotheker Björn Schittenhelm, wie es zur Zusammenarbeit mit dem Landkreis kam, wie er das Testzentrum aufgebaut und vier weitere Apotheken im Landkreis ins Boot geholt hat. (Fotos: privat)

Das „Böblinger Modell“: Im Gespräch erklärt Apotheker Björn Schittenhelm, wie es zur Zusammenarbeit mit dem Landkreis kam, wie er das Testzentrum aufgebaut und vier weitere Apotheken im Landkreis ins Boot geholt hat. (Fotos: privat)


Stern, Spiegel, Welt, Markus Lanz – Björn Schittenhelm ist zurzeit auf allen Kanälen der gefragte Test-Apotheker, der gerade zusammen mit vier weiteren Apothekerinnen und Apothekern mit insgesamt fünf Testzentren das „Böblinger Modell“ zum Erfolgsmodell führt. In unserem Podcast erfahren Sie, wie er die Testzentren aufgebaut hat und wie es zur Zusammenarbeit mit dem Landkreis kam. 

Dr. Björn Schittenhelm ist derzeit bei allen Medien ein gefragter Apotheker: Er ist einer der ersten Apotheker:innen in Deutschland, der schon im Dezember ein Testzentrum für PoC-Antigen-Schnelltests aufgebaut hat, im Auftrag des örtlichen Gesundheitsamts. Noch vor Weihnachten testete er in seinem eigens dafür eingerichteten Testzentrum Schönbuch in Holzgerlingen die Bevölkerung auf Corona-Viren. Abgerechnet wird direkt mit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg. Der Landrat des Landkreises Böblingen, Roland Bernhard, war so begeistert von dieser Aktion, dass er Schittenhelm bat, weitere Testzentren einzurichten. Und so nahm Schittenhelm noch vier weitere Kolleginnen und Kollegen in seinem Landkreis mit ins Boot, die ebenfalls ein Testzentrum nach Schittenhelms Erfahrung aufbauten.

Damit nicht genug – Anfang Februar startet Landrat Roland Bernhard eine weitere Aktion: Vom 8. Februar bis 8. März können sich alle Einwohner:innen des Landkreises Böblingen bis zu zweimal pro Woche in einem der fünf Schnelltestzentren des Landkreises kostenlos testen lassen. Zwischen 200.000 und 250.000 Euro lässt sich dies der Landkreis kosten. 

In meinem Gespräch mit Dr. Schittenhelm erklärt er, wie es zur Zusammenarbeit mit dem Landkreis kam, wie er das Testzentrum aufgebaut und vier weitere Apotheken im Landkreis ins Boot geholt hat, die ebenfalls im Landkreis Böblingen Testzentren aufgebaut haben. Jedem Testzentrum ist zudem eine Arztpraxis angedockt, mit der die erkannten positiven Corona-Fälle weiter betreut werden. Und natürlich spreche ich mit ihm auch über die Kosten, seine Investitionen und die Abrechnung der Schnelltests. So hat er z. B. zusammen mit Programmierern eine passende Software auf die Beine gestellt, über welche die Terminbuchungen, die Abrechnung und die Informationen über das Testergebnis laufen.

Übrigens: Sein Wissen zum Thema Testzentrum teilt er gerne mit interessierten Kolleginnen und Kollegen. Was Schittenhelm freut: „Ich finde besonders toll, dass wir das als Apotheke stemmen. Und dass sich Apotheken in Corona-Testzentren engagieren, das strahlt auf alle Apotheken aus – das kann kein Versender leisten.“


Peter Ditzel (diz), Apotheker / Herausgeber DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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7 Kommentare

Respekt

von Dr.Diefenbach am 20.02.2021 um 9:52 Uhr

Der Kollege hat von seiner Mutter sicher die leichtathletische Dauerpower geerbt!!Die braucht er um diese bemerkenswerte Aktion durchzuziehen!!!Ich sage RESPEKT.Man kann das sehen WIE man will.Aber Herr Schittenhelm tut doch viel mehr für unseren Beruf als sehr viele andere.Insofern rege ich da auch mal an dass derartige Arbeiten auf einem Apothekertag live dargestellt werden.Jedenfalls wird die Apotheke in der Praxis SO viel unentbehrlicher.Auch in wenigstens manchen Politikerdenkstrukturen.Viel Erfolg Herr Kollege Schittenhelm!

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Respekt

von Stefan Haydn am 23.02.2021 um 9:48 Uhr

Da gebe ich Ihnen Recht Herr Dr. Diefenbach.

Ich würde es dem Kollegen gerne gleich tun, da ich externe Räume besitze und gerade die Grundschüler wahrscheinlich immens davon profitieren könnten, habe aber nach kurzer Rechenarbeit beschlossen die Finger davon zu lassen.
Die 9€ sind einfach zu wenig, es sei denn man arbeitet wie am Fließband.
Da steigt dann aber auch die Fehleranfälligkeit und damit das Infektionsrisiko.

Dazu befürchte ich für maximal 4 Wochen den Lückenbüßer zu machen.

Bei all dem Einsatz am Ende mit viel "Hängen und Würgen" gerade vielleicht die Kostendeckung zu schaffen und auf die letzten sozialen Kontakte zu verzichten ist es dann einfach nicht wert.

Mein Personal hat ebenfalls wenig Lust ungeimpft mit eventuell kontaminierten Proben umzugehen.
Ist für mich nachvollziehbar. One man show? Nein Danke!

Das kann kein Versender!!!!

von Roland Mückschel am 19.02.2021 um 18:20 Uhr

Richtig, wollen die auch gar nicht.
Die wollen unsere Umsätze, nicht die Arbeit.
Irgendwie blickt ihr es alle nicht.

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: Das kann kein Versender

von Pille Palle am 20.02.2021 um 9:42 Uhr

Sehr richtig. Aber beschwert sich ein Kollege beim LAV über die Nicht- Beachtung der Bühler Petition im Bundestag, so heißt die Antwort lapidar: Ihre Umsätze steigen doch. UMSATZ? hallo, wir leben nicht vom UMSATZ wir leben von dem was übrig bleibt und das ist in Relation zum Unternehmerrisiko verdammt WENIG!

AW: Das kann kein Versender

von Karl Friedrich Müller am 20.02.2021 um 14:37 Uhr

Das ist richtig. Und: das können auch nicht allzuviel Vor-Ort-Apotheken. Weil die Hürden hoch sind.
Eigener Raum?
Zweiter Eingang?
Genügend Personal?
Lohnen sich Investitionen für ein paar Wochen bei der übersichtlichen „kostendeckenden“ Bezahlung? Wir haben hier ja keine längerfristige Aufgabe, sind nur der Lückenbüßer, bis die Hometests (schon im März?) auf den Markt kommen.
Wenn der öffentliche Wunsch nach vielen Tests so groß ist, warum werden dann in den Kommunen nicht Räume bereit gestellt? Und/ oder auch PSA? Dann könnten sich evtl. auch mehrere Apotheken zusammentun und Personal im Wechsel stellen? Es rechnet dann halt die Apotheke ab, deren Personal eben gerade dran ist? Darf man von den Politikern und Behörden nicht auch mal etwas Kreativität und Engagement erwarten, statt einfach von oben herab zu fordern und zu befehlen?
Den Test zu machen ist kein Problem. Hier bremst allenfalls die Risikobewertung.

Was für eine gigantische Summe

von Frank Hartmann am 19.02.2021 um 18:10 Uhr

200 000 und 250 000 Millionen Euro . Wahnsinn !

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Was für eine gigantische Summe

von Christina Müller am 19.02.2021 um 18:17 Uhr

Ganz so schlimm ist es dann doch nicht. :) Wir haben den Fehler korrigiert. Danke für den Hinweis!

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