EU sichert sich potenzielle Impfstoffe

Sondierungsgespräche mit sechstem Corona-Impfstoff-Hersteller abgeschlossen

Stuttgart - 09.09.2020, 16:45 Uhr

Das Unternehmen Biontech, das für einen potenziellen Impfstoff gegen COVID-19 mit dem US-Pharmakonzern Pfizer zusammenarbeitet, kann Vereinbarungen über Lieferpläne nur unter Vorbehalt schließen – die klinischen Tests sind noch nicht abgeschlossen. (x / Foto: imago images / onemorepicture)

Das Unternehmen Biontech, das für einen potenziellen Impfstoff gegen COVID-19 mit dem US-Pharmakonzern Pfizer zusammenarbeitet, kann Vereinbarungen über Lieferpläne nur unter Vorbehalt schließen – die klinischen Tests sind noch nicht abgeschlossen. (x / Foto: imago images / onemorepicture)


Die Mainzer Firma Biontech ist im Rennen um einen Corona-Impfstoff mit vorne dabei. Im Idealfall soll bereits zum Jahresende ein Mittel auf dem Markt sein. Dann sollen auch die ersten Europäer profitieren: Die EU-Kommission will sich von Biontech bis zu 300 Millionen Einheiten Impfstoff sichern. 

Im Kampf gegen das Coronavirus will die EU-Kommission bei der Mainzer Firma Biontech bis zu 300 Millionen Einheiten Impfstoff bestellen. Im Idealfall sollen noch vor Jahresende die ersten Impfstoff-Dosen in Europa verfügbar sein, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Voraussetzung ist der erfolgreiche Abschluss von Tests und die Zulassung des Impfstoffs, die der Hersteller bereits im Oktober beantragen will.

Nur Impfstoffe werden aus Sicht von Experten die weltweite Pandemie letztlich eindämmen und weitere verheerende wirtschaftliche Folgen vermeiden. Die EU-Kommission sondiert deshalb schon jetzt mit Pharmaherstellern. Inzwischen hat sie Gespräche mit sechs Firmen abgeschlossen.

Mehr zum Thema

Millionenfach bestellt und produziert – auch ohne Zulassung

Der „Run“ auf COVID-19-Impfstoffe

„No one will be safe until everyone is safe“

EU will sich auch Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson sichern

Mit dem Biontech-Konkurrenten AstraZeneca gibt es bereits einen Vertrag über die Lieferung von bis zu 400 Millionen Impfstoff-Dosen. Allerdings hat AstraZeneca klinische Tests mit seinem Impfstoff-Kandidaten nach gesundheitlichen Problemen eines Probanden gerade vorsorglich gestoppt. Das dämpft Hoffnungen.

Lieferpläne unter Vorbehalt

Auch bei Biontech, das für den Impfstoff mit dem US-Pharmakonzern Pfizer zusammenarbeitet, stehen die Lieferpläne unter Vorbehalt der nicht abgeschlossenen klinischen Tests. Nach Unternehmensangaben wurden weltweit 25.000 Probanden rekrutiert. Derzeit laufe die zweite Immunisierung mit dem Impfstoff-Kandidaten namens BNT162b2. Bei Erfolg und rascher Zulassung sollen davon noch dieses Jahr in Deutschland und Belgien bis zu 100 Millionen Einheiten produziert werden und dann bis Ende 2021 insgesamt 1,3 Milliarden. Produktion und Lagerung hätten schon begonnen, teilte das Unternehmen mit.

Strategie: möglichst viele vorsorgliche Lieferverträge abschließen

Die EU-Kommission verfolgt die Strategie, vorsorgliche Lieferverträge für möglichst viele der weltweit acht bis neun aussichtsreichsten Impfstoff-Kandidaten gegen das Coronavirus abzuschließen, obwohl auch Fehlschläge darunter sein könnten. Ziel ist, die Entwicklung mit Vorabzahlungen zu beschleunigen und mit zu den Ersten zu gehören, die die Mittel beziehen können. „Nie waren unsere Chancen – und das gilt sowohl für die Menschen hier in Europa als auch im Rest der Welt – besser, einen sicheren und wirksamen Impfstoff zu entwickeln und einzusetzen“, erklärte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. „Wir können das Coronavirus nur besiegen, wenn wir es überall ausmerzen.“

Mehr zum Thema

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) begrüßte die Nachricht aus Brüssel. Biontech/Pfizer mache vielversprechende Fortschritte bei der Impfstoffentwicklung. „Mit der Unterstützung Deutschlands hat die EU sich in Verhandlungen jetzt bis zu 300 Millionen Dosen reserviert“, erklärte der Politiker. „Das sichert allen EU-Bürgern den Zugang auch zu diesem Impfstoff.“

Formal wurden nach Angaben beider Seiten nun Sondierungsgespräche für eine Abnahmegarantie abgeschlossen. Dies hatte die Kommission zuvor bereits mit den Herstellern 

  • Sanofi-GSK,
  • Johnson & Johnson,
  • CureVac und
  • Moderna getan.

Mit AstraZeneca ist die Kommission bereits einen Schritt weiter: Ende August wurde ein Vertrag unterzeichnet.

Die EU will von Biontech/Pfizer zunächst 200 Millionen Impfstoff-Dosen und die Option auf weitere 100 Millionen Dosen. Da zweimal geimpft werden muss, würde die Gesamtmenge rechnerisch für 150 Millionen der 450 Millionen Menschen in der EU reichen.



Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Millionenfach bestellt und produziert – auch ohne Zulassung

Der „Run“ auf COVID-19-Impfstoffe

Versorgungsstrategie der EU in der Kritik

Warten auf die Impfstoffe

Nächste Woche Gutachten zu Johnson & Johnson-Impfstoff

Die Corona-News des Tages

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.