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Arzneimittel-Attacken auf die Nieren

Stuttgart - 31.08.2020, 18:00 Uhr

Auch bei Arzneimitteln wie NSAR, Metformin, Cetirizin oder hochdosierten Calciumpräparaten sowie Algedraten sollte an die Nieren gedacht werden. (x / Foto: Lilia / stock.adobe.com)

Auch bei Arzneimitteln wie NSAR, Metformin, Cetirizin oder hochdosierten Calciumpräparaten sowie Algedraten sollte an die Nieren gedacht werden. (x / Foto: Lilia / stock.adobe.com)


Attackiert SARS-CoV-2 auch die Nieren?

DAZ.online: Kreatinin gilt als wichtiger Nierenmarker. Gibt es weitere Laborparameter, die zusätzlich Hinweise auf die Nierenfunktion liefern und die man im Auge haben sollte?

Richling: Die Messung des Serum-Kreatinins alleine ist kein ausreichender Marker für die Nierenfunktion, da durch die Möglichkeit der tubulären Sekretion und einen Abbau durch Darmbakterien das Kreatinin im Plasma erst bei einer Einschränkung der GFR von unter 50 ml/min ansteigt. Der Bereich der GFR zwischen 50-80 ml/min wird als sogenannter kreatininblinder Bereich bezeichnet. Allerdings ist ein Anstieg des Serum-Kreatinins um mindestens 0,3 mg/dl (26,5 μmol/l) innerhalb von 48 Stunden oder auf mindestens das 1,5-fache eines bekannten oder angenommenen Ausgangswerts innerhalb von sieben Tagen ein Kriterium für ein akutes Nierenversagen. Um diagnostisch eine eingeschränkte Nierenfunktion zu beurteilen, sind Parameter wie die glomeruläre Filtrationsrate und das Vorliegen einer Albuminurie von Bedeutung. Differentialdiagnostisch nutzt man auch den Parameter Harnstoff. Um Dosierungen von Arzneistoffen an die Nierenfunktion anzupassen, nutzt man in den meisten Fällen die Kreatinin-Clearance. 

DAZ.online: Und passend zum Corona-Jahr: Können neben Arzneimitteln auch Viren unsere Nieren „attackieren“ – was weiß man hierüber über das Coronavirus?

Richling: Man weiß bisher nicht viel über die Beziehung des SARS-CoV-2 zu den Nieren. Allerdings entwickeln COVID-19-Patienten auch akutes Nierenversagen in unterschiedlicher Ausprägung. Histologisch kann man in der Biopsie von einigen verstorbenen COVID-19-Patienten tubuläre Nekrosen sehen. Allerdings konnte das Virus selbst oder Viruspartikel nicht darin nachgewiesen werden. Daher ist es noch unklar, ob das Virus die Schädigung in der Niere primär verursacht oder ob es eine Folge der Erkrankung ist, die zum Beispiel mit einem überschießendem Immunsystem mit ausgeprägter Entzündungsreaktion und vermehrter Thrombosierung zusammenhängt, die dann zum Multiorganversagen führt.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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