Telematikinfrastruktur

Awinta entschuldigt sich bei Red Medical

Stuttgart - 09.07.2020, 10:15 Uhr

Das Unternehmen Red Medical Systems wehrt sich gegen Vorbehalte von Awinta. (s / Quelle: Red Medical Sytems)

Das Unternehmen Red Medical Systems wehrt sich gegen Vorbehalte von Awinta. (s / Quelle: Red Medical Sytems)


Nur noch wenige Wochen, dann müssen alle Apotheken in Deutschland an die Telematikinfrastruktur (TI) angebunden sein. Für Furore sorgt Red Medical Systems, ein Münchener Unternehmen, das meint, es könne auch ganz ohne Konnektoren in den Apotheken gehen. Davon halten die etablierten Softwareanbieter im Apothekenmarkt nicht viel. Außendienstmitarbeiter von Awinta gingen jetzt offenbar aus der Sicht von Red Medical einige Schritte zu weit.

Ein Wettbewerber im Markt der TI-Anschlüsse wirbt damit, dass sich gar nicht jede Apotheke einen eigenen Konnektor in die Offizin stellen muss. Dahinter steht das Münchener Unternehmen Red Medical Systems, das web- und Rechenzentrum-basierte Lösungen für das ­Gesundheitswesen entwickelt und ver­treibt, zum Beispiel eine webbasierte Arztsoftware, ein System für Video­sprechstunden und eben auch eine ­eigene Lösung für den TI-Anschluss für Ärzte und Apotheker. Im Gegensatz zu den gängigen TI-Angeboten steht der Konnektor nicht in der Apotheke oder Praxis, sondern im Rechenzentrum von Red Medical. Die Firma selbst nennt das eine „Konnektorenfarm“.

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Die etablierten Softwareanbieter im Apothekenmarkt halten von dem Konzept jedoch nicht viel. Im Interview mit der DAZ zeigte sich Lars Polap Ende Februar äußerst skeptisch gegenüber dem Angebot von Red Medical. Polap gehört zur Geschäftsführung des Software­hauses Pharmatechnik. „Der Fremdanbieter hat […] nur eine äußerst eingeschränkte Möglichkeit, Einfluss auf die gesamte EDV-Landschaft in der Apotheke zu nehmen. Außerdem ist es fraglich, ob bei einem solchen Konzept überhaupt eine Anbindung an die Warenwirtschaft gelingt und zu welchen Kosten“, sagte Polap. Zum damaligen Zeitpunkt war für ihn auch unklar, ob solche Cloud-basierten Ansätze überhaupt eine Gematik-Zulassung erhalten und von den Krankenkassen finanziert werden. „Ich halte diese Angebote zum jetzigen Zeitpunkt für zumindest fragwürdig“ war sein Resümee damals.

Doch die anfänglichen Zweifel und Vorbehalte gegenüber dem Anbieter der „Konnektorenfarm“ haben sich Stand heute zum größten Teil nicht bestätigen können. Das TI-Paket von Red Medical beinhaltet Konnektoren mit Gematik-Zulassung, ist durch die Erstattungspauschale gedeckt und lässt sich laut Aussage der Firma an jedes Warenwirtschaftssystem anschließen. Eine Kooperation besteht zudem mit der Deos Software GmbH, die ein Apple-macOS-basiertes Warenwirtschaftssystem vertreibt.

Schelte gegen Red Medical

In einem offenen Brief wandte sich Jochen Brüggemann, Geschäftsführer von Red Medical Systems, Anfang der Woche an die Chefs von Awinta, der Softwaretochter des Gesundheitsdienstleisters Noventi. Darin moniert er, dass Außendienstmitarbeiter in Apotheken eine Präsentation verteilt hätten, die den Titel trägt: „Red Medical Systems GmbH aus Sicht der Noventi!” Brüggemann leitet sein vierseitiges Schreiben mit den Worten ein: „Ich verstehe, dass es Ihnen missfällt, sich nach Jahren der Monopolstellung nun endlich dem Wettbewerb stellen zu müssen, aber das bedeutet nicht, dass Sie deswegen den Pfad der Wahrheit verlassen müssen. In der o. g. Präsentation werden von Ihnen eine ganze Reihe von Behauptungen aufgestellt, die schlichtweg falsch sind.“

Was Red Medical Awinta vorwirft

Dann beginnt eine Aufzählung verschiedener Zitate aus der Präsentation, die der Red-Medical-Chef als „Behauptungen“ bezeichnet und mit seinen „Wahrheiten“ jeweils widerlegt. Klicken Sie hier, um das gesamte Schreiben lesen zu können. Zum Schluss setzt Brüggemann Awinta eine Frist, „die wahrheitswidrigen und wettbewerbsrechtlich relevanten Aussagen zu widerrufen und zu erklären, dass Sie diese nicht weiter verbreiten“.

Versöhnliche Worte von Awinta

Eine Reaktion aus dem Hause Awinta ließ nicht lange auf sich warten. In einem kurzen, aber deutlichen Statement distanziert sich Geschäftsführer Gordian Schöllhorn von der Präsentation und vom Vorgehen einzelner Mitarbeiter. In einer Mitteilung, die DAZ.online vorab vorliegt, heißt es:

„Wir bedauern den Vorgang sehr, dass in diesem Fall scheinbar Ausarbeitungen einzelner Mitarbeiter der Awinta GmbH nach außen getragen wurden. Von diesen Aussagen Einzelner distanzieren wir uns deutlich und entschuldigen uns formal bei der Red Medical Systems GmbH. Diese Inhalte entsprechen nicht der Haltung von Awinta und die Verantwortlichen tragen dafür die Konsequenzen. Die Unternehmensleitung toleriert dieses Vorgehen nicht und wird dafür Sorge tragen, dass es gegenüber den einzelnen betroffenen Apotheken eine Richtigstellung der unzutreffenden oder missverständlichen Aussagen gibt und solche Fehler zukünftig nicht mehr passieren werden.“



Dr. Armin Edalat, Apotheker, Chefredakteur DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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