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Es geht auch ganz ohne Konnektor

Anbieter verbindet Apotheke mit der TI über sein Rechenzentrum

jb | Die Zutaten für einen erfolgreichen Anschluss der Apotheke an die Telematikinfrastruktur (TI) sind mittlerweile allgemein bekannt: E-Health-Konnektor und Kartenterminals, dazu einen VPN-Zugangsdienst sowie zertifizierte Software und zu guter Letzt noch Heilberufsausweise (HBA) sowie die Institutionskarte (SMC-B). Doch braucht wirklich jeder Betrieb einen eigenen Konnektor? Zumindest wirbt das Unternehmen RED Medical Systems damit, dass es auch ohne geht.

Um sich mit der Telematikinfrastruktur (TI) verbinden zu können, müssen Apotheken erst einmal aufrüsten. Die Angebote der Softwarehäuser umfassen jeweils alle benötigten Komponenten – außer den Heilberufsausweisen (HBA) sowie den Institutionskarten (SMC-B). Die müssen erst einmal separat bei der jeweiligen Kammer beantragt werden.

Ein anderer Anbieter im Markt wirbt allerdings damit, dass sich gar nicht jede Apotheke einen eigenen Konnektor in die Offizin stellen muss. Dahinter steht das Unternehmen RED Medical Systems, das web- und rechenz­entrumbasierte Lösungen für das ­Gesundheitswesen entwickelt und ver­treibt, zum Beispiel eine webbasierte Arztsoftware, ein System für Video­sprechstunden und eben auch eine ­eigene Lösung für den TI-Anschluss für Ärzte und Apotheker.

Foto: Sashkin – stock.adobe.com

„Konnektorenfarm“ wird ­gewartet und aktualisiert

Im Gegensatz zu den gängigen TI-Angeboten steht der Konnektor aber nicht in der Apotheke oder in der Praxis, sondern im Rechenzentrum von RED Medical. Die Firma selbst nennt das eine „Konnektorenfarm“, die von den Kunden genutzt wird. Die Vorteile für die Apotheke sollen laut Webseite darin liegen, dass angeblich alle regelmäßigen Wartungen, Updates und sonstigen Sicherungsmaßnahmen durch Administratoren der Firma durchgeführt werden. Steht der eigene Konnektor in der Apotheke, müssten sich die Inhaber selbst um Betrieb, Wartung und Updates der Betriebssoftware kümmern sowie bei Ausfall für Ersatz sorgen. Zudem wirbt RED Medical damit, alle über die Erstattung hinausgehenden Kosten für ­zukünftige Upgrades oder den Austausch der Konnektoren zu tragen. Bei den üblichen Angeboten müssten Apotheken nach Ablauf der Zertifikate im Konnektor die neue Hardware selbst organisieren und bezahlen.

Keine Anbindung an die Warenwirtschaft

Was es im ersten Schritt bei RED Medical allerdings nicht geben wird, ist eine Anbindung an die Warenwirtschaft. Die sei nämlich für die meisten Apotheken erst mit dem E-Rezept notwendig, erklärt das Unternehmen in einer Broschüre. Wann das kommt, stehe noch gar nicht fest. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, könne man die Apothekensoftware jederzeit über das System direkt mit der Telematik-Infrastruktur verbinden, verspricht RED Medical. Der Verzicht auf die – laut Anbieter unnötige – Anbindung an die Warenwirtschaft im ersten Schritt soll den Start in die TI kostengünstiger machen.

Von der Gematik zertifiziert

Und in der Tat: Schenkt man den Angaben auf der Webseite Glauben, liegen die Kosten beim Angebot der Red Telematik tatsächlich unter denen eines nicht ­näher benannten „Wettbewerbers“. So kommt man bei der Lösung im Rechenzentrum über einen Zeitraum von drei Jahren auf 4345 Euro, beim Wettbewerber auf 6970 Euro. Die Erstattungspauschale der GKV beläuft sich auf 6062 Euro, somit läge das rechen­zentrums­basierte Angebot darunter. Als einen weiteren Vorteil des eigenen Konzeptes preist RED Medical die Vertragslaufzeit an: Während man sich beim Beispielangebot des Wettbewerbers für eine feste Vertragslaufzeit von bis zu 60 Monaten binden müsse, könne man beim eigenen Konzept jederzeit bzw. drei Monate zum Quartalsende kündigen.

Laut RED Medical ist das System auch von der Gematik zertifiziert und soll die gesetzliche Pflicht zur Anbindung an TI erfüllen ebenso wie die gesetzlichen Anforderungen an den Datenschutz. Es soll nach eigener Aussage mit Apotheken und ihren Verbänden entwickelt worden sein. |

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