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„Es gibt keinen Grund zu warten“

Pharmatechnik-Geschäftsführer Polap motiviert die Apotheker zur Anbindung an die TI

eda | Bis Ende September 2020 müssen sich alle Apotheken an die Telematikinfrastruktur (TI) anbinden. Dafür müssen die Betriebe Umstellungen und Anschaffungen im Hard- und Softwarebereich vornehmen. Es geht um E-Health-Konnektoren und Kartenterminals sowie Heilberufsausweise (HBA) und Institutionskarten (SMC-B). Ansprechpartner sind vor allem die jeweiligen Apothekensoftwareanbieter. Die Apothekerkammern müssen sich darüber hinaus mit der Bestellabwicklung der Karten beschäftigen. Wir haben mit Lars Polap über den aktuellen Stand sowie einen Ausblick auf die nächste Zeit gesprochen. Polap gehört zur Geschäftsführung des Software­hauses Pharmatechnik.
Foto: Pharmatechnik

Lars Polap

DAZ: Herr Polap, die großen Apothekensoftwareanbieter haben seit letzter Woche nun alle ihre Angebote für die TI-Anbindung veröffentlicht (s. DAZ 2020, Nr. 8, S. 20). Ab jetzt können die Apothekeninhaber ihr persönliches „TI-Paket“ bestellen. Ab wann ist denn Pharmatechnik lieferbereit?

Polap: Zwei Aspekte sind entscheidend für die Lieferbarkeit der TI-Infrastrukturkomponenten an die Apotheken. Einerseits warten wir Softwareanbieter derzeit auf die Zulassung der E-Health-Konnektoren. Diese ist abhängig von einem Feldtest, der voraussichtlich Anfang März in Westfalen-Lippe startet. Wir rechnen aktuell mit einer Zulassung Anfang Mai, sodass wir frühestens ab diesem Zeitpunkt mit den ersten Konnektoren im Markt rechnen können. Außerdem benötigt die Apotheke eine sogenannte Institutionskarte (SMC-B) für die Inbetriebnahme der TI. Diese muss bei den zuständigen Apothekerkammern beantragt werden. Es hängt also auch davon ab, wie schnell die Kammern mit den entsprechenden Dienstleistern die Kartenanträge bearbeiten können.

DAZ: Die von Ihnen angebotenen E-Health-Konnektoren und Kartenterminals sind durch die Vereinbarung zwischen Deutschem Apothekerverband (DAV) und GKV-Spitzenverband refinanzierbar. Welche Kosten kommen auf die Betriebe denn außerhalb dieser Erstattung zu?

Polap: Die Förderhöhen aus der Vereinbarung zwischen DAV und GKV-Spitzenverband sind bekannt. Auch die Preise und laufenden Kosten für den Betrieb der TI haben wir und auch die anderen Anbieter öffentlich gemacht. Daraus können sich nun Differenzen ergeben. Die Kostenpauschalen bilden nicht die marktüblichen Preise für Konnektoren, Kartenterminals sowie Softwarelizenzen und -Dienstleistungsgebühren für die Umstellungen und den laufenden Support ab. Auf der anderen Seite wurde ich seitens eines Apothekers gefragt, inwieweit die Kosten für die Internetnutzung von der Vereinbarung gedeckt sind. Ich glaube, wir kommen nicht weiter, wenn wir jetzt anfangen jegliche Kosten einzuberechnen, die ab dem Zeitpunkt entstehen, wenn die Apotheken an die TI angebunden sind.

DAZ: Warum ist es besser, die TI-Grundausstattung beim eigenen Apothekensoftwareanbieter zu bestellen und die Anbindung auch von diesem durchführen zu lassen?

Polap: Wir empfehlen ganz klar, die TI-Anbindung und vor allem auch die laufende Unterstützung von einem Generalunternehmer durchführen zu lassen und der sollte selbstverständlich der jeweilige eigene Apothekensoftwareanbieter sein und kein anderer. Wir als Apothekensoftwareanbieter haben die Übersicht über die EDV-Landschaft in der Apotheke unserer Kunden. Es geht am Ende darum, dass der Hauptprozess der Apotheke – die Rezeptbearbeitung, künftig eben als E-Rezept – im Zusammenspiel mit den Telematik-Komponenten und der Apotheken-EDV absolut verlässlich funktionieren muss. Wenn es dann zu einer Betriebsstörung kommen sollte, ist es für die Apotheke sicher besser und einfacher, einen verlässlichen Partner zu haben der helfen kann, als selber das Problem zwischen zwei Dienstleistern zu koordinieren und auf Behebung zu warten. Bei Pharmatechnik wissen wir zu jeder Zeit, welche TI-Pakete ausgeliefert worden sind und wie diese mit den Soft- und Hardwarekomponenten kompatibel sind.

DAZ: Bieten die einzelnen Apotheken­softwareanbieter die TI-Anbindung eigentlich unabhängig davon an, ob die Apotheken bereits Kunden bei ihnen sind oder nicht?

Polap: Wir bei Pharmatechnik sind natürlich grundsätzlich in der Lage und bereit dafür, auch bei Nichtkunden eine TI-Anbindung durchzuführen. Aber aufgrund der oben beschriebenen Problematik, ist dies nicht unsere Empfehlung. Auch aus logistischen Gründen, liegt dabei unser Fokus dabei stets auf unseren Kunden.

Foto: DAZ/Alex Schelbert

Bis Ende September 2020 sollen alle Apotheken mit Konnektoren (links im Bild) und Kartenterminals (rechts) ausgestattet sein, um sich an die Telematikinfrastruktur (TI) anzubinden. So lassen sich u. a. die E-Rezepte empfangen und bearbeiten.

DAZ: Es gibt sogar einen Anbieter, der damit wirbt, dass die Apotheken keine eigenen Konnektoren aufstellen müssen, sondern die TI-Anbindung über einen zentralen Konnektor in einem Rechenzentrum gelingt (s. DAZ 2020, Nr. 8, S. 23). Was halten Sie davon?

Polap: Zunächst einmal ist es zweitrangig, ob ein Fremdanbieter die TI-Anbindung physikalisch über den Konnektor in der Apotheke oder eben Cloud-betrieben zentral umsetzt. Der Fremdanbieter hat wie eben beschrieben nur eine äußerst eingeschränkte Möglichkeit, Einfluss auf die gesamte EDV-Landschaft in der Apotheke zu nehmen. Außerdem ist es fraglich, ob bei einem solchen Konzept überhaupt eine Anbindung an die Warenwirtschaft gelingt und zu welchen Kosten. Davon abgesehen existiert aktuell keine Gematik-Zulassung für einen in der Cloud betriebenen Konnektor und es ist unklar, ob es überhaupt eine Zulassung für diese Betriebsform geben wird. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob solche Konzepte überhaupt förderbar sind. Ich halte diese Angebote zum jetzigen Zeitpunkt für zumindest fragwürdig.

„Wir empfehlen, die TI-Anbindung von einem Generalunternehmer durchführen zu lassen und der sollte der eigene Apotheken­softwareanbieter sein.“

DAZ: Welchen Service können Ihre Apothekenkunden nach der Erstinstallation von Ihnen erwarten?

Polap: Nach der Anbindung wird es für das Apothekenteam eine Einweisung vor Ort geben. Anschließend ­stehen wir auch im laufenden Betrieb natürlich bereit, um Hinweise zur Handhabung zu geben und Probleme zu lösen. Anfangs wird es sicher hauptsächlich darum gehen, den Informations- und Schulungsbedarf der Mitarbeiter in der Apotheke ab­zudecken.

DAZ: Eine Frage zum Datenschutz: Im vergangenen Sommer wurde in Medienberichten der Anschluss der Arztpraxen an die TI thematisiert. ­IT-Experten kritisierten, dass durch fehlerhafte Vorgehensweise der be­auftragten Dienstleister plötzlich Patientendaten unverschlüsselt im Internet verfügbar wurden. Kann das durch die TI-Anbindung der Apotheken auch passieren?

Polap: Die operativen Systeme vieler Arztpraxen sind damals im Rahmen der TI-Anbindung das erste Mal überhaupt mit dem Internet in Berührung gekommen. Im Apothekenwesen halte ich das Thema für eher unspektakulär, weil alle Betriebe schon seit Jahren online arbeiten und in der Regel über entsprechende Sicherheitseinrichtungen wie Firewalls oder VPN-Zugänge verfügen. Ich sehe also nicht das Problem auf die Apotheken zukommen, dass durch die TI-Anbindung neue zusätzliche Sicherheits­risiken entstehen werden. Bei Pharmatechnik liefern und installieren wir mit 250 eigenen, nach Gematik-Vor­gaben zertifizierten Mitarbeitern. Zudem haben wir die notwendige Erfahrung aus über 1200 bereits durchgeführten TI- Installationen im Arzt- und Zahnarztbereich.

DAZ: Bis wann sollten die Kunden ihr „TI-Paket“ im besten Fall bestellen?

Polap: Es gibt keinen Grund zu warten! Unsere Kunden können sich sicher sein, bei uns ganz ohne Risiko zu bestellen und haben dies auch schon sehr zahlreich getan. Wir von Pharmatechnik garantieren, dass wir ausschließlich förderbare, refinanzierbare Konnektoren ausliefern. Deshalb macht es ja auch Sinn, das TI-Paket beim eigenen Apothekensoftwareanbieter zu bestellen und nicht bei einem Fremdanbieter.

DAZ: Herr Polap, vielen Dank für das Gespräch. |

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