DAZ-Adventsrätsel – Tag 1

Der Träger des Lichts

Stuttgart - 01.12.2019, 01:00 Uhr

Ohne Streichhölzer keine Adventsstimmung. (Foto: PhotoArtBC / stock.adobe.com)

Ohne Streichhölzer keine Adventsstimmung. (Foto: PhotoArtBC / stock.adobe.com)


Was haben Brandbomben, Kampfstoffe oder Pestizide mit der Adventszeit zu tun? Auf den ersten Blick natürlich nichts. Auf den zweiten Blick vereint sie aber ein Element, das wir heute in unserem Rätsel hinter dem ersten Türchen des DAZ-Adventskalenders suchen. Denn was am ersten Advent natürlich nicht fehlen darf – um die erste Kerze anzuzünden – sind Streichhölzer. Zu deren Erfindung hat übrigens auch ein Apotheker beigetragen.

Das Element, das sich als Antwort auf das Rätsel hinter dem ersten Adventskalender-Türchen versteckt, ist wesentlich älter als das Periodensystem der Elemente, das 2019 seinen 150. Geburtstag feiert. Entdeckt wurde es nämlich 1669 – und sein Entdecker soll eigentlich auf der Suche nach dem Stein der Weisen gewesen sein. Viele verbinden mit dem gesuchten Element wahrscheinlich eher negative Dinge, wie Kampfstoffe oder Pestizide. Es wird aber auch eingesetzt, wenn Sie am heutigen ersten Advent die erste Kerze am Adventskranz mit einem Streichholz anzünden. Hätten Sie gewusst, dass das Streichholz 2017 bereits seinen 190. Geburtstag feierte und (unter anderen, weil zunächst nicht patentiert) von einem Apotheker erfunden wurde?

Am 7. April 1827 soll der englische Apotheker John Walker die „friction lights“ zum ersten Mal in seiner Apotheke verkauft haben. Diese Zündhölzer waren eher ein Zufallsfund: Als er mit einem Holzstäbchen eine Mischung aus Antimon-Sulfid, Kaliumchlorat, Gummi arabicum und Stärke verrührte, blieb diese am Stäbchen kleben. Beim Versuch die Masse an einer rauhen Oberfläche abzustreichen, soll es plötzlich eine kleine Stichflamme gegeben haben. Er verkaufte sie schließlich zusammen mit Sandpapier. Doch es gab noch Verbesserungsbedarf auf dem Weg zum modernen Streichholz.

So wird die Erfindung des Streichholzes auch Sir Isaac Holden aus Yorkshire zugeschrieben, der ab 1829 unser gesuchtes Element und Schwefel verwendete. In Wien begann 1832 die industrielle Fabrikation solcher Zündhölzer. Während die Walker-Zündhölzer nur mit unregelmäßiger Flamme gebrannt haben sollen, waren diese neuen auf dem Markt aufgrund des gesuchten Elements hochentzündlich. 

Unfälle und eine neue Arbeiterkrankheit

Das Element das wir suchen kann in verschiedenen Modifikationen auftreten. Die weiße Modifikation ist im Gegensatz zur roten und schwarzen besonders giftig (ab 1,4 mg/kg Körpergewicht tödlich, akut wird vor allem die Leber geschädigt) und so reaktiv, dass sie sich an der Luft selbst entzündet. Der Anteil des gesuchten Elements (in seiner weißen Modifikation) wurde aufgrund seiner Reaktivität/Gefährlichkeit in den Streichholzköpfchen mit der Zeit immer weiter gesenkt, und schließlich wurde es verboten. Denn in der Folge seines Einsatzes bei der Fabrikation von Streichhölzern traten nicht nur Unfälle sondern auch eine neue Arbeiterkrankheit auf: „Unter furchtbaren Schmerzen erkranken die Zähne, und der kariöse Unterkiefer muss operativ entfernt werden, um einen tödliche Ausgang zu verhindern.“

Weil sich die weiße Modifikation des gesuchten Elements an der Luft so leicht entzündet, konnte man die damaligen Streichhölzer sozusagen überall anzünden – auch cool wie ein Cowboy am Stiefel in einem Western-Film. Allerdings barg das natürlich auch die Gefahr von Unfällen, beispielsweise durch Reibung in einer Tasche oder wenn man ein Paket fallen ließ. Heute gibt es zwar auch noch sogenannte Überallzündhölzer für den Outdoor-Bereich, die sich an fast jeder Oberfläche durch Reibung entzünden lassen, allerdings mit veränderter Zusammensetzung. Sie tragen – im Gegensatz zu den gängigen Streichhölzern bei Ihnen zu Hause –  das gesuchte Element noch im Zündköpfchen, allerdings in Form einer Schwefelverbindung.

Nachdem durch die Berner Konvention 1906 das gesuchte Element in der internationalen Streichholzherstellung verboten worden ist, sollen die neuen sogenannten Sicherheitszündhölzer ihren Siegeszug von Schweden aus angetreten haben (Schwedenhölzer). Sie sollen bereits um das Jahr 1850 vom Chemiker Rudolf Christian Boettger entwickelt worden sein. Dabei kam nicht mehr die weiße, sondern die rote Modifikation unseres gesuchten Elements zum Einsatz. Diese ist deutlich weniger reaktiv, an der Luft stabil und nicht toxisch. 

Sie wird nur in der Reibefläche von „Sicherheits“zündhölzern – unseren heutigen Streichhölzern – eingesetzt und entzündet beim Reiben des Chlorat-haltigen Zündkopfes das Holz. Beim Reiben wird eine geringe Menge des gesuchten Elements von der Fläche auf den Zündkopf übertragen und bewirkt, dass Schwefel (Reduktionsmittel) und Kaliumchlorat (Oxidationsmittel) im Zündkopf sich entzünden.

Frage: Nach welchem Element suchen wir?

Gesucht wurde das Element Phosphor, das eng mit der Entstehungsgeschichte der Streichhölzer verbunden ist.

 

Gewonnen hat Herr Markus Vonderau aus Fulda, herzlichen Glückwunsch!


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