Notfall

Gefährliche Weihnachtszeit?

Ruhe bewahren, dann bleibt es auch besinnlich

Die Adventszeit und der Jahreswechsel gelten als die schönste Zeit im Jahr, bergen aber auch einige Gefahren: Weihnachtsschmuck, Weihnachtstern, Duftöle oder Feuerwerkskörper werden meist nur einmal im Jahr benutzt – und können zu unliebsamen Überraschungen, Vergiftungen und Unfällen führen. Doch Panik ist nicht angesagt: Zumindest verzeichnen die Giftinformationszentralen keinen Anstieg an Anfragen im Dezember.
Weihnachtsdekoration ist für kleine Kinder oft verlockend, sie sollten nicht unbeaufsichtigt gelassen werden. Foto: Johanna Mühlbauer – Fotolia.com

Der Klassiker in der Weihnachtszeit: Ein Kind nascht von den hübschen Blättern des Weihnachtsstern. Zwar enthält der Milchsaft der in Mittelamerika wildwachsenden Pflanzen stark reizende Diterpenester, in den bei uns handelsüblichen Zierpflanzen konnten solche Stoffe nicht nachgewiesen werden. Berührt der Milchsaft die Haut, können Reizungen und auch allergische Reaktionen auftreten. Daher sollte der Milchsaft schnell mit Wasser und Seife abgewaschen werden. Spritzer in die Augen ausgiebig unter fließendem lauwarmem Wasser ausspülen. Essen Kinder die Blätter so kommt es schlimmstenfalls zu Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Kinder sollten nach dem Verschlucken von Milchsaft oder Pflanzenteilen reichlich trinken: Wasser, Tee oder Saft. Häufig wird in der Weihnachtszeit auch mit der Stechpalme (Ilex aquifolium) dekoriert. Die Blätter sind zu stachelig, um von Kindern gegessen zu werden, aber die roten Früchte können schon locken. Zwar wurden nach dem Verzehr Magen-Darm-Beschwerden beschrieben, die Giftigkeit wird aber überschätzt: Seit über 50 Jahren sind keine Vergiftungsfälle gemeldet worden.

Kunstschnee: weiß und harmlos?

In deutschen Wohnzimmern kommt immer öfter auch Kunstschnee aus der Spraydose zum Einsatz, um Adventskränze oder auch Fensterscheiben zu verzieren. Je nach Hersteller enthält er Wachs, langkettige Fettsäuren wie Stearinsäure, Pigmente, Lösemittel und Treibgas. Letztere sind dafür verantwortlich, dass nach einer längeren Benutzung dieser Sprays in geschlossenen Räumen Atemwegsreizungen und vorübergehend Schwindel und Benommenheit auftreten können. Hier hilft frische Luft, also Fenster öffnen oder am besten einen Weihnachtsspaziergang machen! Was passiert, wenn der Kunstschnee gegessen wird? Kratzen kleine Kinder den getrockneten Schnee ab und verschlucken diesen, so bleibt das ohne gesundheitliche Folgen, zumindest wenn nur geringe Mengen verschluckt werden. Der Giftnotruf rät, den Mund auszuspülen und Tee, Wasser oder Saft trinken zu lassen. Wichtig auch hier: kein Erbrechen auslösen! Werden größere Mengen verspeist, so können Magen-Darm-Störungen auftreten. Gelangt etwas von dem Schneespray in die Augen, sollte sofort 20 Minuten mit klarem Wasser gespült und dann ein Arzt aufgesucht werden.


Was tun im Notfall?


  • Ruhe bewahren!
  • Auf keinen Fall Erbrechen auslösen!
  • Lassen Sie das Kind Wasser, Tee oder Saft in kleinen Schlucken und Mengen trinken. Bei Säuren- und Laugenvergiftungen sollte dies so schnell wie möglich erfolgen.

  • Milch ist kein Gegengift, sondern beschleunigt in vielen Fällen die Giftaufnahme durch den Darm.

  • Damit die Gefährdung beurteilt werden kann, sollten Pflanzenteile oder Flüssigkeiten, die eingenommen wurden, möglichst sichergestellt und dem Arzt gezeigt werden!

  • Informieren Sie sich bei einem Giftnotruf!

Zur Vorsicht zu raten ist bei den Duftölen, die in der Adventszeit gern verwendet werden, um eine gemütliche Atmosphäre zu erzeugen. Werden sie verschluckt und über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen, kann das Zentralnervensystem beeinträchtigt werden. Es treten Symptome auf, die an eine Alkoholvergiftung erinnern: Schläfrigkeit, Unruhe, Zittern. Vor allem bei Säuglingen kann es aber gefährlich werden, denn dort kann ein lebensbedrohlicher Stimmritzenkrampf auftreten. Hat ein Kind Duftöl verschluckt, so darf keinesfalls Erbrechen ausgelöst werden! Umgehend sollte ein Arzt benachrichtigt und genau die eingenommene Menge angegeben werden.

Gefährliche Feuerwerkskörper?

Ist Weihnachten überstanden, so lauern die nächsten Gefahren in Vorbereitung auf den Jahreswechsel: Feuerwerks- und Knallkörper. In den meisten Feuerwerkskörpern sind als Explosionsstoffe Kaliumchlorat oder Kaliumperchlorat und Aluminium enthalten. Durch Reiben, Schlagen oder Erhitzen kann diese Mischung explodieren. Oft sind auch Kaliumchlorid, roter Phosphor, Schwefel, Schwefelantimon und Kohlepulver in den Knallkörpern enthalten. Damit sie schön bunt leuchten, werden geringe Mengen an Metallsalzen zugesetzt. Zur Herstellung der Reibeflächen wird roter Phosphor, Kaliumdichromat, Gummi arabicum und Bimsstein verwendet. Vor den fatalen Folgen der Explosion eines Feuerwerkskörpers in der Hand wird oft gewarnt. Doch was ist zu tun, wenn ein Kind die Knallkörper oder Reibeflächen in den Mund nimmt? Wurde nur eine Verpackung angekaut oder nur wenig ausgetretenes Pulver verschluckt, reicht es, den Kindern den Mund auszuspülen und etwas zu trinken zu geben. Hat das Kind vermutlich größere Mengen aufgenommen, sollte doch umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Falls kleine Kinder Zündhölzer bzw. die Streichholzköpfe verschlucken, so besteht in der Regel keine akute Gefahr: Zwar enthalten die handelsüblichen Sicherheitszündhölzer bis zu 50% Kaliumchlorat und in geringen Mengen Schwefel, doch wurden auch nach dem Verzehr einer ganzen Schachtel nur leichte Magen-Darm-Beschwerden berichtet.

Vorsicht mit der Wunderkerze

Als leise Alternative zu Rakete und Zimmerfeuerwerk werden immer häufiger Wunderkerzen angezündet. Hier sind die Drähten mit einer Masse aus 40% Bariumnitrat, 25% Eisen und 5% Aluminiumpulver beschichtet. Als problematisch ist davon das Bariumnitrat einzuschätzen, das leicht wasserlöslich und giftig ist. Es ist fest in die Mischung der Wunderkerzen eingebunden und das Giftinformationszentrum Erfurt geht davon aus, dass es ungefährlich ist, wenn an der Wunderkerze geleckt, wenig gekaut oder abgebrannte Krümel verschluckt werden. Gefährlich wird es, wenn kleine Kinder mehr als ein Drittel einer Wunderkerze abknabbern. Das aufgenommene Bariumnitrat kann zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen, Als Folge von Elektrolytverschiebungen sind sogar Herzrhythmusstörungen oder Krämpfe möglich. Wird schnell eine Glaubersalzlösung verabreicht, so kann das giftige Bariumnitrat noch im Magen-Darm-Trakt in unlösliches und damit ungiftiges Bariumsulfat umgewandelt werden. Ist das nicht möglich oder liegt die Einnahme länger als eine Stunde zurück, dann sollte in einem Krankenhaus das Kind überwacht werden, wobei besonders der Kaliumspiegel kontrolliert werden muss. Nach dem Abbrennen der Wunderkerzen ist das enthaltene Barium unbedenklich, brennt es vollständig ab, so liegt es als Carbonat und Sulfat vor.


Unbeschwerter Glühweingenuss


So gern bei kalter Luft und fröhlicher Stimmung auf dem Weihnachtsmarkt ein Glas Glühwein getrunken wird, so vorsichtig sollte man mit dem heißen Hochprozentigen sein. Dass die Fahrtüchtigkeit arg eingeschränkt werden kann, ist vielen bewusst. Doch die möglichen Wechselwirkungen mit Medikamenten werden gern vergessen. Alkohol kann den enzymatischen Abbau viele Arzneistoffe beeinflussen: Antihypertonika und Antikoagulanzien können schneller abgebaut und die Wirksamkeit abgeschwächt werden. Bei zentral wirksamen Psychopharmaka, Beruhigungsmitteln oder Antiepileptika dagegen kann die Wirkung verstärkt werden. Einige Antibiotika und Antimykotika beeinflussen andererseits den Alkoholabbau in der Leber, was zu einer Alkoholunverträglichkeit mit Erbrechen, Atemnot oder Herzrasen führen kann. Weisen Sie Ihre Patienten auf diese Gefahr hin, damit der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt entspannt und fröhlich bleibt!


Zum Jahreswechsel gehört in vielen Familien das Bleigießen zur Tradition. Dabei wird ein Stückchen Blei auf einem Löffel über einer Flamme erhitzt und das flüssige Blei wird anschließend in eine Schüssel mit kaltem Wasser gegossen, wo es sofort zu interessanten Formen erstarrt, die mit viel Phantasie interpretiert werden können und als Orakel Hinweise auf das kommende Jahr geben. Blei schmilzt erst bei über 320 °C, so dass schmerzhafte Verbrennungen durchaus möglich sind. Da inhalativ über die Lunge wesentlich mehr Bleiionen aufgenommen werden, als über den Magen-Darm-Trakt, sollten die beim Erhitzen von Blei entstehenden Dämpfe möglichst nicht eingeatmet werden. Achten Sie auf eine gute Durchlüftung des Zimmers! Geraten beim Bleigießen Partikel in die Augen, so sollten sie sofort gut ausspült werden. Selbstverständlich darf der Löffel nach dem Bleigießen nicht mehr zum Essen genutzt werden. Das Blei sollte anschließend auf keinen Fall über den Abfluss oder mit dem Hausmüll entsorgt werden. Es gehört in den Sondermüll.


Quelle

Gemeinsames Giftinformationszentrum der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt u. Thüringen, www.ggiz-erfurt.de

Informationszentrale gegen Vergiftungen Bonn, www.gizbonn.de

Berliner Betrieb für Zentrale Gesundheitliche Aufgaben (BBGes), www.bbges.de


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DAZ 2012, Nr. 51, S. 48