Telematikinfrastruktur

Compugroup bringt E-Health-Konnektor auf den Weg

Stuttgart - 21.08.2019, 15:15 Uhr

Der CGM-Konnektor „KoCoBox MED+“ wurde für das Zulassungsverfahren zum „E-Health-Konnektor“ eingereicht. (m / Foto: Screenshot Kocobox.de)

Der CGM-Konnektor „KoCoBox MED+“ wurde für das Zulassungsverfahren zum „E-Health-Konnektor“ eingereicht. (m / Foto: Screenshot Kocobox.de)


Für die Anbindung an die Telematikinfrastruktur, über die künftig unter anderem E-Rezepte ausgetauscht werden sollen, benötigen Apotheken bestimmte Hardwarekomponenten, darunter auch einen sogenannten Konnektor. Allerdings darf es nicht irgendein Konnektor sein, sondern nur ein „E-Health-Konnektor“ erfüllt die Anforderungen. Die Compugroup (CGM) hat nun einen solchen Konnektor zur Zulassung eingereicht – nach eigener Aussage als erster Hersteller am Markt. 

Konnektoren sind sozusagen die Router in der Telematikinfrastruktur (TI). Mit ihrer Hilfe und einer sogenannten Institutionenkarte, der „SMC-B-Karte“, können sich Leistungserbringer wie Ärzte und Apotheken mit der geplanten „Datenautobahn“ für das Gesundheitswesen verbinden und zunächst einmal Medikationspläne, aber später auch E-Rezepte austauschen. Arztpraxen müssen diese Anbindung eigentlich bereits vollzogen haben – etwa ein Drittel der Praxen hat die Frist zur Anbindung an die TI aber verstreichen lassen. Mit dem Digitale Versorgung-Gesetz (DVG) will die Bundesregierung für die Apotheker nun auch eine Frist zur Anbindung etablieren: Bis Ende September 2020 sollen demnach alle Apotheker an die Infrastruktur angebunden sein.

Die ABDA ist aber zuversichtlich, dass den Apothekern das nicht passiert: Im Interview mit DAZ.online sprach ABDA-IT-Chef Sören Friedrich über den aktuellen Stand bei der TI-Anbindung und erklärte, dass Apotheker gegenüber neuen Technologien aus seiner Sicht aufgeschlossener sind als Ärzte.

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Allerdings gibt es an die Konnektoren, über die letztendlich elektronische Medikationspläne und mehr ausgetauscht werden dürfen, gewisse Anforderungen. Es müssen sogenannte E-Health-Konnektoren sein. Und die waren bislang nicht verfügbar.

Nun hat CGM jedoch ein entsprechendes Produkt für das Zulassungsverfahren der Gematik eingereicht, wie das Unternehmen am heutigen Mittwoch mitteilt. Konkret handelt es sich um eine Erweiterung des bereits verfügbaren VSDM-Konnektors von CGM „KoCoBox MED+“. Nach eigener Aussage ist CGM damit der erste Hersteller am Markt, der einen E-Health-Konnektor auf den Weg bringt. Man arbeite eng mit der Gematik zusammen, um einen zeitnahen Abschluss des Zulassungsverfahrens zu erreichen, heißt es in der Mitteilung. Der E-Health-Konnektor und damit auch die neuen medizinischen Anwendungen sollen den Leistungserbringern schnellstmöglich zur Verfügung stehen.

Zu diesen Anwendungen gehören neben dem elektronischen Medikationsplan (eMP), ein Notfalldatenmanagement (NFDM) für den Arzt und die qualifizierte elektronische Signatur (QES). Letztere ist Voraussetzung zur flächendeckenden Einführung des elektronischen Rezepts, aber auch für die oft geforderte elektronische Patientenakte (ePA). „Wir freuen uns, dass die KoCoBox MED+ alle von der Gematik vorgegebenen Spezifikationen erfüllt und nun für das Zulassungsverfahren eingereicht werden konnte“, wird Uwe Eibich, Vorstand der CompuGroup Medical Deutschland AG, in der Mitteilung zitiert. „Die Zulassung des ersten E-Health-Konnektors ist ein weiterer überaus wichtiger Meilenstein auf der deutschen E-Health-Roadmap“, so Eibich. 

Upgrade für bereits gekaufte Konnektoren

Allen, die bereits den VSDM-Konnektor KoCoBox MED+ von CGM erworben haben, will man nach der Zulassung ein Software-Upgrade mit den neuen Funktionalitäten anbieten. Ein Hardwareaustausch ist laut der Firma nicht notwendig. Mit dem Upgrade und der aktiven Nutzung durch die Apotheke besteht laut CGM der Förderanspruch für die Beschaffung und den laufenden Betrieb der TI Komponenten – Apotheken können unter anderem ein sogenanntes „Erstausstattungsbundle“ in Höhe von 1.362 Euro abrechnen. Der GKV-Spitzenverband hat dies gegenüber DAZ.online bestätigt. 

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Beim Deutschen Apothekerverband vertrat man allerdings zuletzt die Auffassung, dass es für die bislang von der CGM und anderen Herstellern – teils mit Frühbucherrabatten – angebotenen VSDM-Konnektoren diese Förderung nicht gebe, weil eben die Zulassung zum E-Health-Konnektor noch aussteht. Zwar verwies auch der DAV auf die Möglichkeit des Upgrades, für den GKV-Zuschuss seien die Geräte aber dennoch voraussichtlich nicht qualifiziert, heiß es in einem Schreiben an die Verbände. Und so lautete die Empfehlung des DAV an die Apotheker: Abwarten bis es die Konnektoren mit entsprechender Zulassung gibt, dann sei der GKV-Zuschuss sicher. Erhält CGM die Zulassung, ist das demnächst der Fall. Und bis die anderen Hersteller, zum Beispiel T-Systems, nachziehen, ist sicher nur eine Frage der Zeit. 

Eine Übersicht über die Komponenten, Dienste und Anbieter, die für den bundesweiten Online-Produktivbetrieb derzeit zugelassen sind, finden Sie hier. Unter der Zielgruppe Apotheker sind dann die für die Apotheke zugelassenen gelistet. 



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ
jborsch@daz.online


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