Risiko für Frühgeburt

Cannabis in der Schwangerschaft

Stuttgart - 24.06.2019, 16:45 Uhr

Konsumieren Schwangere Cannabis, steigt das Risiko einer Frühgeburt signifikant an. (b/Foto: Elroi / stock.adobe.com)

Konsumieren Schwangere Cannabis, steigt das Risiko einer Frühgeburt signifikant an. (b/Foto: Elroi / stock.adobe.com)


Cannabiskonsum in der Schwangerschaft erhöht das Risiko für Frühgeburten. Das sind die Ergebnisse einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie an über 600.000 Schwangeren aus Kanada. Allerdings hatten die Cannabiskonsumentinnen auch leicht positive Effekte bei den Risiken für eine Präeklampsie und für Schwangerschaftsdiabetes. Cannabis wird in den USA und Kanada wohl zunehmend bei schwangerschaftsbedingtem Erbrechen eingesetzt, der Cannabiskonsum ist in diesen Ländern legal.

Cannabis hilft gegen Übelkeit, zugelassen ist ein synthetisches Cannabinoid Nabilon (Canemes®) zur Behandlung von chemotherapiebedingter Übelkeit und Erbrechen, wenn die Tumorpatienten auf andere Antiemetika nicht ausreichend ansprechen. Wirkt Cannabis auch bei anderen Formen von Nausea und Emesis? Eingesetzt wird es laut Wissenschaftlern im JAMA, Journal of the American Medical Association, zunehmend auch bei schwangerschaftsinduziertem Erbrechen, in den USA liegt die Prävalenz bei 7 Prozent (2016). In Kanada stieg der Cannabiskonsum in der Schwangerschaft bei Frauen zwischen 15 und 24 Jahren von 4,9 Prozent auf 6,5 Prozent (Zeitraum 2012 bis 2017). Ist Cannabis bei Schwangerschaftsübelkeit eine gute Idee? Vor dem Hintergrund, dass Cannabis in den Vereinigten Staaten und Kanada legalisiert wurde, gehen die JAMA-Autoren in den kommenden Jahren eher von einer Zunahme des Cannabiskonsums auch bei Schwangeren aus. Grund, sich mit den Effekten von Cannabis auf die Schwangerschaft zu beschäftigen.

Babys kommen früher zur Welt

Die Forscher veröffentlichten nun Ergebnisse einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie aus Kanada – Association Between Self-reported Prenatal Cannabis Use and Maternal, Perinatal, and Neonatal Outcomes. Insgesamt werteten sie 661.617 Schwangerschaften aus (Zeitraum April 2012 und Dezember 2017). Die werdenden Mütter waren mindestens 15 Jahre alt, 9.427 Schwangere gaben an, während ihrer Schwangerschaft Cannabis konsumiert zu haben. Die Mütter waren im Schnitt 30,4 Jahre alt, die Babys kamen im Mittel in der 39. Woche auf die Welt. Was macht Cannabis in der Schwangerschaft? Kommen die Babys früher auf die Welt als bei Müttern, die kein Cannabis konsumierten?

6,1 Prozent der Frauen ohne Cannbiskonsum gebaren ihr Kind vor der 37. Schwangerschaftswoche, in der Cannabiskohorte waren es 12 Prozent. „Bei schwangeren Frauen in Ontario, Kanada, war der berichtete Cannabiskonsum signifikant mit einem erhöhten Risiko einer Frühgeburt verbunden“, erklären die Autoren. Bereits frühere klinische Untersuchungen zeigten Effekte von Cannabis auf die Schwangerschaft, wie eine erhöhte Inzidenz von Totgeburten, ein geringeres Geburtsgewicht, dass die Babys zu klein für das Schwangerschaftsalter (SGA) waren und vermehrt in neonatale Intensivstationen aufgenommen wurden im Vergleich zu Säuglingen, deren Mütter kein Cannabis konsumierten.

Weniger Präeklampsie und Schwangerschaftsdiabetes

Allerdings zeigten die Cannabiskonsumentinnen auch zwei kleine „Vorteile“: Das Risiko einer Präeklampsie und auch die Gefahr für einen Gestationsdiabetes waren geringer als bei Nichtkonsumenten. 4,9 Prozent der Schwangeren ohne Cannabis hatten eine Präeklampsie und 7,4 Prozent entwickelten einen Gestationsdiabetes. Bei den Cannabiskonsumentinnen waren es 4,2 Prozent mit Präeklampsie und 4,2 Prozent mit Schwangerschaftsdiabetes.


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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