Zahl verdreifacht in Europa

Masern: Weltweit alarmierende Ausbrüche und Impflücken

Stuttgart - 14.03.2019, 10:15 Uhr

Madagaskar zählt mittlerweie 1.140 Maserntote. Laut Unicef erhielten dort seit Anfang des Jahres 3,4 Millionen Kinder Impfschutz; im März sollen weitere 3,9 Millionen erreicht werden. (r / Foto: UNICEFUN0284068Rabezandriny)

Madagaskar zählt mittlerweie 1.140 Maserntote. Laut Unicef erhielten dort seit Anfang des Jahres 3,4 Millionen Kinder Impfschutz; im März sollen weitere 3,9 Millionen erreicht werden. (r / Foto: UNICEFUN0284068Rabezandriny)


Periodische Masernausbrüche könnten immer mehr Erwachsene gefährden

Zwischen 1. Februar 2018 und 31. Januar 2019 wurden aus den 30 EU/EEA-Ländern 12.266 Masern-Fälle berichtet, 8.580 davon wurden auch im Labor bestätigt (70 Prozent). Spitzenreiter waren dabei Frankreich (2.800), Italien (2.632), Griechenland (1.862), Rumänien (1.247), Großbritannien (941), Slowakei (614) und Deutschland (516). Gerade für Rumänien sollen die tatsächlichen Fallzahlen aber höher liegen, wo ein anhaltender Masernausbruch zu Verzögerungen bei der Berichterstattung geführt haben soll.

Aus diesen Zahlen einen Trend abzuleiten, erscheint schwierig, klar ist nur, dass die Masern ein Problem sind und bleiben. Die Pressesprecherin des RKI hat DAZ.online darauf hingewiesen, dass das Problem bei den Masern die periodischen Ausbrüche seien. Dadurch ließe sich schwer vorhersagen, wie sich die Zahlen in der Zukunft entwickeln. 

Kleine ungeimpfte Gruppen gefährden die restliche Bevölkerung

Dem Thema „periodische Masernausbrüche“ hat sich auch ein Artikel in Ärzteblatt Ende Januar 2019 gewidmet. Dort wird beschrieben, warum das periodische Auftreten besonders problematisch ist: So kommt es dann zu einem Ausbruch, wenn eine kritische Masse an ungeimpften Personen erreicht ist und sich das Virus ausbreiten kann. Nach etwa einem Jahr bessert sich die Lage zunächst wieder. Anschließend wächst durch neue Geburten aber wieder die Zahl der Menschen, die sich mit dem Virus anstecken können – der Beginn einer neuen Krankheitswelle. Wer dann erwachsen ist und als Kind nicht geimpft wurde oder eine Maserninfektion überstanden hat, den trifft die Infektion besonders schlimm. Die Masern verlaufen im höheren Lebensalter oft schwerer. So können kleine nicht geimpfte Menschengruppen in ansonsten geimpften Populationen zu immer neuen großen Ausbrüchen führen.

Die USA galt eigentlich als masernfrei

Dieses Problem zeigt sich auch in den USA, wie DAZ.online im März 2018 berichtete: Eigentlich wurde der gesamte amerikanische Kontinent Ende September 2016 als frei von Masern erklärt. Die USA gelten bereits seit 2000 als masernfrei. In den USA traten 2014 mit 667 Fällen zuletzt die meisten Masernerkrankungen in einem Jahr auf. Sie wurden vornehmlich aus nicht geimpften Amish-Gemeinschaften gemeldet. Viele weitere Fälle wurden wahrscheinlich aus den Philippinen eingeschleppt.

Das war wie erwähnt der Stand im März 2018. Am gestrigen Dienstag meldete aber beispielsweise das US-amerikanische Time Magazine, dass bis zum 7. März 2019 in zwölf US-Staaten insgesamt 228 Masernfälle bestätigt wurden. Damit wäre schon rund ein Drittel der Fälle von 2014 erreicht. Besonders schwer sollen New York und der Staat Washington betroffen sein. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC (Centres for Disease Control and Prevention) führt die Ausbrüche vor allem auf Reisende aus Israel und der Ukraine zurück. Bereits 2018 gab es mit 372 Masernfällen die meisten Fälle seit 2015, die auf 17 Ausbrüche zurückzuführen waren.



Diana Moll, Apothekerin und Volontärin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Impfungen - Beispiel Masern

von Andreas Wiegand am 15.03.2019 um 8:10 Uhr

Der Anstieg der Todesfälle weltweit bei Masern verdeutlich, wie wichtig Impfungen sind. Das Wort "Kinderkrankheiten" führt oft zur Assoziation, es handele sich um harmlose Infektionskrankheiten. Das Gegenteil ist der Fall. In Deutschland hat sich Skepsis gegenüber Impfungen breit gemacht, die Nutzen und Risiko von Impfungen in Frage stellen. Hier gilt es die Zahlen, Daten und Fakten zu verdeutlichen.
Weltweit stehen die reichen Länder in der Pflicht große Impfprogramme weiterhin finanziell ausreichend auszustatten. Dass Infektionen an Landesgrenzen Halt machen, daran zu glauben wäre so naiv wie weiterhin an harmlose "Kinderkrankehtien" zu glauben.

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