Zahl verdreifacht in Europa

Masern: Weltweit alarmierende Ausbrüche und Impflücken

Stuttgart - 14.03.2019, 10:15 Uhr

Madagaskar zählt mittlerweie 1.140 Maserntote. Laut Unicef erhielten dort seit Anfang des Jahres 3,4 Millionen Kinder Impfschutz; im März sollen weitere 3,9 Millionen erreicht werden. (r / Foto: UNICEFUN0284068Rabezandriny)

Madagaskar zählt mittlerweie 1.140 Maserntote. Laut Unicef erhielten dort seit Anfang des Jahres 3,4 Millionen Kinder Impfschutz; im März sollen weitere 3,9 Millionen erreicht werden. (r / Foto: UNICEFUN0284068Rabezandriny)


Fallzahlen verdoppelt und verdreifacht

Weltweit hat sich die Zahl gemeldeter Masernerkrankungen 2018 im Vergleich zum Vorjahr nach vorläufigen Zahlen auf 229.000 Fälle verdoppelt, wie die WHO kürzlich mitteilte. Die tatsächliche Zahl dürfte aber über der Zwei-Millionen-Grenze liegen, sagte Katherine O'Brien, Direktorin der WHO-Impfabteilung, der dpa. Auch das UN-Kinderhilfswerk Unicef warnte am 1.März davor, dass die Zahl der Masernerkrankungen weltweit auf ein „alarmierendes Hoch“ gestiegen sei. Im vergangenen Jahr hätten 98 Länder von einem Anstieg berichtet. Allein zehn Staaten seien dabei für 74 Prozent des Anstiegs verantwortlich. Auch in Ländern, die eigentlich als „masernfrei“ galten seien neue Ausbrüche zu verzeichnen (zum Beispiel USA, siehe nächste Seite). Laut Unicef sind zwischen 2017 und 2018 die Ukraine, die Philippinen und Brasilien vom Masernanstieg am stärksten betroffen gewesen.

Auf den Philippinen erkrankten 2019 bereits 12.736 Menschen, 203 starben. Diese Entwicklung könnte maßgeblich durch das abgebrochene landesweite Dengue-Impfprogramm bedingt sein, was 2017 zu einem allgemeinen Vertrauensverlust in Impfstoffe in der Bevölkerung führte.

Wer jetzt wiederum denkt, Masern seien vor allem ein Problem in Ländern weit weg von Europa, der sollte sich bewusst machen, dass sich die Masernerkrankungen in der WHO Region Europa (dazu gehören auch Russland, die zentralasiatischen Republiken, die Türkei und Israel) 2018 gegenüber 2017 nicht nur – wie weltweit – verdoppelt, sondern verdreifacht haben. Das soll die höchste Zahl in diesem Jahrzehnt gewesen sein und das 15-Fache der niedrigen Zahl von 2016. In der Ukraine soll es 2018 allein 35.120 registrierte Erkrankungen gegeben haben. In den ersten beiden Monaten in 2019 sollen sich dort, laut Unicef weitere 24.042 Personen infiziert haben.

Die Lage in Europa zu Beginn 2019

Am 8. März ist der monatliche Bericht des ecdc (European Centre for Disease Prevention and Control) zu Masern und Röteln erschienen. Der Bericht bildet den Zeitraum 1. Februar 2018 bis 31. Januar 2019 ab: Von 30 Ländern aus der EU und dem Europäische Wirtschaftsraum (EEA) haben 19 Länder insgesamt 881 Masern-Fälle gemeldet. Zehn Länder meldeten keine Fälle. Deutschland war das einzige Land, das für den Januar 2019 keine Daten übermittelte. Auf der Internetseite von SurvStat@RKI kann man aber die Meldedaten nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) über das Web abfragen. Dort wurden für die Kalenderwoche 1-5 im Monat Januar 2019 zusammengerechnet für Deutschland 102 Masern-Fälle gemeldet.

Rumänien, Italien, Polen und Frankreich hatten mit 261, 165, 133 und 124 Fällen die höchste Zahl an Masernfällen im Januar 2019 zu verzeichnen. Besonders stark gestiegen, im Vergleich zu den Vormonaten November und Dezember 2018, seien die Fallzahlen in Italien, Polen, Frankreich und Österreich. Bezieht man sich auf die Zahlen des RKI (Robert Koch-Institut), würde das auch für Deutschland gelten, wo im November und Dezember 2018 je zehn Masernfälle gemeldet wurden. 



Diana Moll, Apothekerin und Volontärin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Impfungen - Beispiel Masern

von Andreas Wiegand am 15.03.2019 um 8:10 Uhr

Der Anstieg der Todesfälle weltweit bei Masern verdeutlich, wie wichtig Impfungen sind. Das Wort "Kinderkrankheiten" führt oft zur Assoziation, es handele sich um harmlose Infektionskrankheiten. Das Gegenteil ist der Fall. In Deutschland hat sich Skepsis gegenüber Impfungen breit gemacht, die Nutzen und Risiko von Impfungen in Frage stellen. Hier gilt es die Zahlen, Daten und Fakten zu verdeutlichen.
Weltweit stehen die reichen Länder in der Pflicht große Impfprogramme weiterhin finanziell ausreichend auszustatten. Dass Infektionen an Landesgrenzen Halt machen, daran zu glauben wäre so naiv wie weiterhin an harmlose "Kinderkrankehtien" zu glauben.

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