UNICEF und WHO

Weltweiter Anstieg der Masernfälle um 79 Prozent

Stuttgart - 28.04.2022, 13:45 Uhr

Das Risiko für große Masern-Ausbrüche ist aktuell auch erhöht, weil Millionen von Menschen aufgrund von Konflikten auf der Flucht sind. Nicht (vollständig) geimpfte Kinder sind besonders gefährdet. (c / Foto: IMAGO / ZUMA Wire)

Das Risiko für große Masern-Ausbrüche ist aktuell auch erhöht, weil Millionen von Menschen aufgrund von Konflikten auf der Flucht sind. Nicht (vollständig) geimpfte Kinder sind besonders gefährdet. (c / Foto: IMAGO / ZUMA Wire)


Die Europäische Impfwoche dauert noch bis zum 30. April 2022. Seit Mittwoch warnen UNICEF und WHO nun gemeinsam vor weltweit schweren Masernausbrüchen. Die Bedingungen seien „reif“ dafür. Damit einher geht auch eine erhöhte Gefahr für andere Infektionskrankheiten.

Weil weltweit ein Anstieg der Masernfälle um 79 Prozent für die ersten zwei Monate in 2022 gegenüber dem Vorjahr berichtet wurde, warnen nun WHO und UNICEF gemeinsam vor größeren Masern-Ausbrüchen im Jahr 2022 – Millionen von Kindern könnten betroffen sein.

Schuld daran seien pandemiebedingte Störungen, zunehmende Ungleichheiten beim Zugang zu Impfstoffen und die Abzweigung von Ressourcen von Routine-Impfungen – es geht den beiden Organisationen dabei nicht ausschließlich um Masern, sondern auch andere Krankheiten, denen mit Impfungen vorgebeugt werden kann.

Das Risiko für große Ausbrüche bestehe aktuell, weil Corona-Maßnahmen wie „social distancing“ gelockert werden, aber auch weil Millionen von Menschen aufgrund von Konflikten und Krisen (wie in der Ukraine, Äthiopien, Somalia und Afghanistan) auf der Flucht sind.

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Fast 17.338 Masern-Fälle sollen weltweit allein im Januar und Februar 2022 berichtet worden sein. 2021 waren es in diesem Zeitraum noch 9.665. Weil Masern sehr ansteckend sind, steigen die Fälle bei sinkender Impfquote schnell an. Die Behörden sind nun besorgt, dass dieser Anstieg nur ein Vorbote für Ausbrüche anderer Krankheiten sein könnte, die sich nicht so schnell ausbreiten. Zum Vergleich: In der Ukraine soll es 2018 allein 35.120 registrierte Erkrankungen gegeben haben. In den ersten beiden Monaten in 2019 sollen sich dort laut UNICEF weitere 24.042 Personen infiziert haben. Die Ukraine, die Philippinen und Brasilien verzeichneten zwischen 2017 und 2018 weltweit den stärksten Anstieg an Masernfällen. Der Ukraine-Krieg dürfte die Situation also noch verschärft haben.

Masern schwächen Immunsystem

Die WHO erinnert daran, dass das Masernvirus auch deshalb gefährlich ist, weil es Kinder anfälliger für andere Infektionskrankheiten macht – und zwar noch Monate nach der eigentlichen Infektion. Im Jahr 2020 haben 23 Millionen Kinder keine Routineimpfungen erhalten, heißt es. Das sei die höchste Zahl seit 2009 – und eine höhere Zahl als 2019 (3,7 Millionen). 

Im April 2022 hätten die Behörden weltweit für die letzten zwölf Monate 21 große und schwerwiegende Masernausbrüche berichtet – die meisten davon in Afrika und im östlichen Mittelmeerraum. Es wird zudem von einer Dunkelziffer ausgegangen.

Währenddessen seien (Stand 1. April) 57 Impfkampagnen in 43 Ländern aufgrund der Pandemie noch immer pausiert. Davon sollen 203 Millionen Menschen betroffen sein. Bei 19 der Kampagnen handle es sich um Masern-Programme, wodurch 73 Millionen Kinder aufgrund verpasster Impfungen von Masern bedroht sind. Davon ist auch die Ukraine betroffen.


Deutsche Apotheker Zeitung / dm
redaktion@daz.online


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