MMR-Impfung

Masern: Impflücken auch im Gesundheitswesen

Stuttgart - 28.03.2018, 14:30 Uhr

Auch Angehörige der Gesundheitsberufe sollten ihren Impfpass prüfen. (Foto: Alexander Raths / stock.adobe.com)

Auch Angehörige der Gesundheitsberufe sollten ihren Impfpass prüfen. (Foto: Alexander Raths / stock.adobe.com)


Die Masern fordern die Gesundheitssysteme Europas heraus. Allein im Januar sind in den EU/EWR-Staaten über 1.000 Menschen an Masern erkrankt und sieben gestorben. Neben den hohen Erkrankungszahlen unter jungen Erwachsenen, bereitet dem European Centre for Disease Prevention and Control eine weitere Patientengruppe Sorge: Seit Ende 2017 sind vermehrt Masern-Fälle bei Angehörigen des Gesundheitswesens aufgetreten.

Im vergangenen Jahr 2017 wurden in den EU/EWR-Staaten mehr als dreimal so viele Masernerkrankungen (14 600) an das europäische Überwachungssystem (TESSy) gemeldet als 2016 (4642) und 2015 (4000). Außerdem: viele Angehörige der Gesundheitsberufe sind seit Ende 2017 und zu Beginn dieses Jahres an Masern erkrankt – 315 Fälle aus Italien, 67 aus Griechenland, 35 aus Belgien, 20 aus der Tschechischen Republik und zwei Fälle aus Norwegen. Auch in Portugal, das bislang eine vorbildliche Impfquote vorzuweisen hatte, wurden 28 medizinische Fachkräfte mit Maserin infiziert. Das ist nicht nur wenig vorbildhaft für die restliche Bevölkerung, sondern besonders deshalb problematisch, weil die Krankheit so unter den Patienten weiter verbreitet wird. 

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Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) fordert deshalb in einer Pressemitteilung speziell Ärzte und andere Angestellte der Gesundheitsberufe dazu auf, auch ihren eigenen Impfstatus zu hinterfragen. Die einzelnen Staaten könnten sich entsprechende Maßnahmen überlegen, das Problem anzugehen – so könnte die Impfung ein Einstellungskriterium in Gesundheitsberufen sein. Zudem solle jeder Patienten-Kontakt mit dem Gesundheitssystem dazu genutzt werden, den Impfstatus zu überprüfen.

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Die Impfquoten und Erkrankungszahlen schwankten nicht nur zwischen den Ländern Europas und zwischen den Regionen einzelner Länder, sondern auch zwischen den Bevölkerungsgruppen. Gerade junge Erwachsene, die ihren Impfstatus oft nicht kennen (13 Prozent der 25- bis 29-Jährigen), müssten durch spezielle elektronische Register erkannt und in der Folge geimpft werden, schreibt das ECDC. Von 13.753 Masernfällen im vergangenen Jahr 2017 waren 87 Prozent nicht geimpft, acht Prozent hatten nur eine Impfdosis erhalten.

Subnationale Verteilung von Masern-Erkrankungen pro Millionen Einwohner im Jahr 2017. Karte erstellt mit ECDC Map Maker. (Screenshot)

Gerade weil die Masern-Fälle so unterschiedlich verbreitet auftreten, sei eine Impfquote von mindestens 95 Prozent mit zwei Impf-Dosen wichtig, heißt es. Nur so könne verhindert werden, dass einzelne eingeschleppte Masern-Fälle nicht zu weiteren führen. In 22 von 29 EU/EWR-Staaten wurden 2016 die 95 Prozent jedoch nicht erreicht.

Auch wenn Deutschland bei der Masern-Impfung für das restliche Europa keine Vorbildfunktion einnimmt, so gehört es – bezüglich der Daten von 2016 – mit Österreich und Polen mittlerweile zumindest zu den Ländern, die die endemische Masern-Übertragung über zwölf Monate unterbrechen konnten. In Belgien, Frankreich, Italien und Rumänien, breiteten sich die Masern 2016 hingegen weiterhin endemisch aus. In Irland galt die endemische Übertragung seit 24 Monaten als unterbrochen; und als eliminiert (keine endemische Übertragung seit mehr als 36 Monaten) galten die Masern 2016 in Bulgarien, Kroatien, Zypern, der Tschechischen Republik, Dänemark, Estland, Finnland, Griechenland, Ungarn, Island, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, den Niederlanden, Norwegen, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweden und Großbritannien. Eine neue Auswertung (durch die European Regional Verification Commission for Measles and Rubella Elimination, RVC) für 2017 wird ab Juni 2018 erwartet. Manche Länder könnten ihren Status als Länder, die die Masern eliminiert haben, dann verlieren.

Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), impfen-info.de, CC BY-NC-ND

Spitzenreiter unter den Masernerkrankungen war 2017 Rumänien mit 5608 Fällen (38 Prozent der gemeldeten Fälle in EU/EEA-Ländern). Direkt auf dem unehrenhaften zweiten Platz folgt Italien mit 5098 Fällen (35 Prozent). Griechenland, das bislang zu den Ländern zählte, in denen die Masern als eliminiert galten, zählte 2017 967 Masernerkrankungen (sieben Prozent), dicht gefolgt von Deutschland mit 929 Masern-Fällen (sechs Prozent). Frankreich zählte 2017 518 Masern-Fälle (vier Prozent).

Seit Ende 2017 verzeichnen Griechenland und Frankreich einen deutlichen Zuwachs der Fallzahlen, heißt es im ECDC rapid risk assessment. So wurden seit Jahresbeginn 2018 große Masern-Ausbrüche in Griechenland (1131), Rumänien (757), Frankreich (429), Italien (168) und Portugal (145) registriert. 

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Der gesamte amerikanische Kontinent wurde Ende September 2016 als frei von Masern erklärt. In den USA werden Masernerkrankungen seit 2000 dokumentiert, 2014 traten mit 667 Fällen zuletzt die meisten Masernerkrankungen in einem Jahr auf. Sie wurden vornehmlich aus nicht geimpften Amish-Gemeinschaften gemeldet. Viele weitere Fälle wurden wahrscheinlich aus den Philippinen eingeschleppt. 

Auch in den USA wird mit dem kombinierten MMR-Impfstoff geimpft. Dort zeigt sich jetzt ein neues Problem: „Mumps is on the rise“, schrieb die New York Times vergangenen Mittwoch.


Diana Moll, Apothekerin und Volontärin, DAZ.online
redaktion@daz.online


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