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Masern bleiben ein Problem in wohlhabenden Nationen

BERLIN (ks). Angesichts der wieder steigenden Zahl von Masernfällen hat das Robert-Koch-Institut (RKI) dringend dazu aufgefordert, die von den Kassen angebotenen Schutzimpfungen wahrzunehmen. Es gebe derzeit deutlich mehr Fälle als in den vergangenen Monaten, teilte das RKI am 2. März mit. Das WHORegionalbüro für Europa forderte bereits in der vergangenen Woche eine Aufstockung der nationalen Impfprogramme.
Gefürchtete Komplikationen Masern selbst sind zwar unproblematisch, sie können aber zu schwerwiegenden Komplikationen wie Gehirnhaut-, Mittelohr- und Lungenentzündung führen. Auch Hautblutungen, wie im Bild, können bei schweren Masernverläufen auftreten.
Foto: Prof. Cremer, Heilbronn

Besonders in Hamburg häufen sich gegenwärtig die Masernerkrankungen. Dort sind laut RKI seit Anfang dieses Jahres schon mehr Fälle aufgetreten als in den vergangenen drei Jahren zusammen. "Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Man sollte die Schutzimpfung nutzen", betonte RKI-Präsident Jörg Hacker im Vorfeld der ersten Nationalen Impfkonferenz, die am 5. März in Mainz beginnt.

Nachlässigkeit bei zweiter Impfung

Deutschland hat sich dem Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verpflichtet, die Masern bis zum Jahr 2010 zu eliminieren. Dafür müssten 95 Prozent aller Kinder zweimal geimpft sein. Zwar sind die Impfquoten in Deutschland in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, insgesamt aber immer noch zu niedrig. Sie lagen nach vorläufigen Daten 2007 bei Schulanfängern für die erste Masernimpfung bei 95 Prozent und für die zweite Impfung bei 87,6 Prozent. Besonders groß sind die Impflücken dem RKI zufolge bei Jugendlichen. Etwa ein Viertel der Jugendlichen verfüge nicht über einen ausreichenden Masernimpfschutz.

Wie gefährlich Masern sein können, zeigte sich insbesondere im Jahr 2006. Damals gab es nach der Bilanz des RKI rund 2300 Masernfälle in Deutschland, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen. Sie führten zu sieben Gehirnentzündungen, einer Hirnhautentzündung, 45 Mittelohrentzündungen, 51 Lungenentzündungen und zwei Todesfällen. 15 Prozent der Erkrankten mussten im Krankenhaus behandelt werden.

WHO besorgt

Alarmiert ist man nicht nur in Deutschland. In der gesamten Europäischen Region der WHO wurden in den vergangenen zwölf Monaten 8145 Masernfälle gemeldet. 86 Prozent davon entfielen auf sechs westeuropäische Länder (Deutschland, Italien, Österreich, Schweiz, Spanien und Vereinigtes Königreich) sowie Israel. Das WHO-Regionalbüro für Europa hat vor diesem Hintergrund am 26. Februar an die Regierungen, Gesundheitsberufe und Geldgeber appelliert, ihre nationalen Impfprogramme zügig aufzustocken. Bei der WHO hält man insbesondere eine "ideologisch begründete Skepsis gegenüber Impfungen" sowie – ironischerweise – den Erfolg früherer Impfprogramme für verantwortlich für die sinkenden Impfraten. Der Widerstand gegen Impfmaßnahmen werde zudem durch alarmierende und in gefährlicher Weise irreführende Anti-Impf-Kampagnen verschärft. Darüber hinaus gebe es in jedem Land schwer erreichbare, gefährdete Gruppen, die kaum Zugang zum Impfwesen haben. Obwohl Masern durch einfache und kostengünstige Impfmaßnahmen vermieden werden können, hätten Kinder in den wohlhabenderen Ländern ein höheres Infektionsrisiko, mahnte das WHO-Regionalbüro.

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