Lancet-Publikation

Studie: Warum sich die Ausheilung chronischer Hepatitis C lohnt

Berlin - 13.02.2019, 09:00 Uhr

Hepatitis-C-Infektionen sind oft unbemerkt - ihre Spätfolgen können dagegen dramatisch sein. Die Behandlung ist teuer - doch sie senkt, einer neuen Studie zufolge, die Sterblichkeit. ( r / Foto: imago)

Hepatitis-C-Infektionen sind oft unbemerkt - ihre Spätfolgen können dagegen dramatisch sein. Die Behandlung ist teuer - doch sie senkt, einer neuen Studie zufolge, die Sterblichkeit. ( r / Foto: imago)


Direkt wirkende Virustatika wie etwa Sofosbuvir können chronische Hepatitis C heilen und nachweislich die Lebenserwartung der Betroffenen steigern: Einer aktuellen Beobachtungsstudie zufolge senkte die Behandlung die Gesamtmortalität um 52 Prozent und das Risiko für Leberzellkrebs um 33 Prozent. Die Autoren empfehlen, die antivirale Behandlung für alle Patienten mit chronischer Hepatitis C zugänglich zu machen.

Hepatitis C ist kein Schicksal mehr: Direkt wirksame Virustatika wie beispielswiese Sofosbuvir (Sovaldi®) haben die Heilungschancen erhöht. Doch diese Medikamente sind kostspielig. So kostet beispielsweise ein zwölfwöchiger Behandlungszyklus mit Sovaldi® etwa 40.000 Euro. Doch die spezifischen Virustatika können offenbar die Lebenserwartung chronisch Infizierter steigern. Dies zeigt eine Beobachtungsstudie mit rund 10.000 Patienten aus Frankreich, deren Ergebnisse am vergangenen Montag in der Fachzeitschrift „Lancet“ veröffentlicht wurden.

Etwa drei Viertel (7.344) der Studienteilnehmer wurden virustatisch behandelt, unter anderem mit Sofosbuvir-Kombinationen wie etwa Sofosbuvir/Ledipasvir (27 Prozent) oder Sofosbuvir/Daclatasvir. Die übrigen 2.551 erhielten keine Behandlung. Die mediane Beobachtungsdauer betrug 33,4 Monate. In diesem Zeitraum starben 218 Patienten (129 Behandelte, 89 Unbehandelte), 258 berichteten über ein hepatozelluläres Karzinom (187 Behandelte, 71 Unbehandelte) und 106 hatten eine dekompensierte Zirrhose (74 Behandelte, 32 Unbehandelte).

Nach Adjustierung: Sterblichkeit um 52 Prozent verringert

Diese Rohdaten sehen zwar danach aus, als ob die virustatische Behandlung eher schädlich ist. Allerdings unterschieden sich die beiden Behandlungsgruppen stark. Dies kommt dadurch zustande, dass aus ethischen Gründen keine kontrollierte Interventionsstudie durchgeführt wurde. Die Patienten unterschieden sich allerdings signifikant in einigen Punkten, die das Krankheits- und Sterblichkeitsrisiko beeinflussen können. So waren die Teilnehmer der Behandlungsgruppe älter, hatten häufiger bereits eine schwerwiegende Leberzirrhose oder zeigten vermehrt exzessiven Alkoholkonsum in der Anamnese.

Deshalb adjustierten die französischen Wissenschaftler die Ergebnisse anhand dieser und weiterer Risikofaktoren, und es ergab sich ein völlig anderes Bild: Und zwar war die Gesamtmortalität unter Behandlung um 52 Prozent (Konfidenzintervall 0,33 - 0,70) reduziert und das Risiko, ein Leberzellkarzinom zu entwickeln um 33 Prozent (Konfidenzintervall 0,46 - 0,93). Die Virustatika scheinen die Patienten allerdings nicht davor zu bewahren, eine dekompensierte Leberzirrhose zu entwickeln. Auch nach der Adjustierung ergab sich diesbezüglich eine nicht-signifikante Risikoerhöhung um 14 Prozent (Konfidenzintervall 0,57 – 2,27).



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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