Cannabis 

Kanada: Medizinalhanf ohne Apotheker

Berlin - 31.10.2018, 09:00 Uhr

In Kanada ist Cannabis zu medizinischen Zwecken schon seit 2001 erlaubt. Wie das System dort funktioniert, erfuhr DAZ.online von kanadischen Experten in Toronto. (s / Foto: DAZ.online/bj)

In Kanada ist Cannabis zu medizinischen Zwecken schon seit 2001 erlaubt. Wie das System dort funktioniert, erfuhr DAZ.online von kanadischen Experten in Toronto. (s / Foto: DAZ.online/bj)


Loder: „Folgen standespolitischer Zurückhaltung“

Derzeit übernehmen in Kanada die Cannabisproduzenten typische pharmazeutische Aufgaben – und zwar die Beratung über und die Abgabe von Medizinalhanf. Zum Nachteil für die Patientensicherheit, findet  Apotheker Tobias Loder aus Hürth, der ebenfalls an dem Expertenmeeting teilgenommen hatte. „Der Altersdurchschnitt der Verwender von medizinischem Cannabis liegt bei über 65 Jahren. Diese Patientengruppe wünscht sich sehnlichst einen lokalen, erreichbaren Ansprechpartner, denn niemand kann sie dazu zum Beispiel beraten, wie sich Cannabis mit der bereits bestehenden Medikation verträgt. Inzwischen bedauern dies nicht nur die Apotheker selbst, sondern auch führende Mediziner in Kanada“, kommentiert der Inhaber der Lux-Apotheke gegenüber DAZ.online.

DAZ.online/bj
Für Apotheker Tobias Loder ist die Situiation der kanadischen Apotheker ein Lehrbeispiel.  

Loder zieht außerdem Parallelen zur deutschen Standespolitik: „Dieses Beispiel zeigt mir deutlich, welche negativen Folgen standespolitische Zurückhaltung haben kann. Daran sollten wir in Deutschland denken, wenn es in Zukunft um die Legalisierung des Freizeitkonsums geht, zumal ein Freizeitkonsum mit fortschreitendem Alter schnell in eine medizinisch begründete Nutzung übergehen kann. Wer, wenn nicht die Apotheke, sollte hier die Gesellschaft begleiten?“

Wayland: Apotheken als künftige Zielgruppe

Ob in Kanada die Situation so bleibt, ist noch offen. Der kanadische Cannabishersteller Wayland, der sowohl für die Freizeitanwendung als auch für den medizinischen Gebrauch produziert, ist überzeugt, dass Medizinalhanf in Kanada künftig über Apotheken dispensiert wird. Danach richtet das Unternehmen seine Marketingmaßnahmen aus und entwickelt ein mehrstufiges Online-Seminar zur Fortbildung von Pharmazeuten, das in Zukunft auch in weiteren Ländern ausgerollt werden soll. Ob beziehungsweise wann diese Programme auch an den deutschen Markt angepasst werden, steht noch nicht fest, hieß es in Kanada.

Außerdem plant der kanadische Cannabisproduzent „Patient Support Programme“ einzuführen, wenn sich Patienten in der Apotheke auch unabhängig vom Warenbezug beraten lassen wollen. Ist ein Patient registriert, erhält er einen Beratungsgutschein und kann sich in der Apotheke beraten lassen. Die Apotheke erhält für die erbrachte Leistung ein Beratungshonorar von der Firma.
 



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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1 Kommentar

Cannabis

von Ratatosk am 02.11.2018 um 15:22 Uhr

Denke die Apotheken sollten dies begleiten, es sei denn die Politik hat mal lieber die internationalen Konzerne oder wie auch schon vorgeschlagen, Fachpersonal mit Wochenendkurs, da sicher alle Problematiken an diesem Wochenende für verschiedene Patientengruppen erkennen wird. Würde aber wie immer auf die Großkonzerne mit Direktmarketing tippen, da ist für die mehr Geld drin und die Probleme überlassen solche Firmen schon immer irgendwem anders.

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