Cannabis-Konferenz

Medizinalhanf bewegt Apotheken, Wirtschaft und Politik

Berlin - 13.04.2018, 10:00 Uhr

Die medizinische Anwendung der Hanfpflanze stand auf der International Cannabis Business Conference in Berlin am gestrigen Donnerstag im Mittelpunkt. (Foto: Imago)

Die medizinische Anwendung der Hanfpflanze stand auf der International Cannabis Business Conference in Berlin am gestrigen Donnerstag im Mittelpunkt. (Foto: Imago)


Welche Herausforderungen bringt der Cannabis-Markt mit sich? Darüber diskutierten unter anderem Vertreter der Wirtschaft, Pharmazie und Politik auf der gestrigen International Cannabis Business Conference in Berlin. Für den Pharmazeuten Tobias Loder ist die Apotheke eine zentrale Schnittstelle bei medizinischem Cannabis.

„Jedes Gramm medizinisches Cannabis wird in einer Apotheke verkauft“, betonte der Apotheker Tobias Loder am gestrigen Donnerstag auf der International Cannabis Business Conference (ICBC) in Berlin. Loder, der in Hürth nahe Köln zwei Apotheken betreibt, beleuchtete aus seiner Erfahrung die Perspektiven der Apotheken, Ärzte und Patienten bei der Medizinalhanf-Versorgung.

Erstmal einen Arzt finden

Cannabis-Patienten seien häufig besser über die Wirkung der Cannabinoide informiert als die verschreibenden Ärzte. Nicht selten haben Schmerzpatienten bereits positive Erfahrung mit Cannabis aus nicht-medizinischen Quellen gemacht. „Ein großes Problem für Patienten ist es, erstmal einen Arzt zu finden, der offen für die Thematik ist“, schilderte der Pharmazeut.

Denn viele Ärzte seien skeptisch, wenn ein Patient aktiv ein Betäubungsmittel-Rezept über Cannabis einfordert, weiß Loder. Medizinalhanf sei schließlich kein evidenzbasiertes Arzneimittel. Und bei GKV-Versicherten entsteht ein bürokratischer Mehraufwand für die Mediziner, weil sie den Therapieantrag für die Krankenkassen und die Dokumentation der Begleiterhebung ausfüllen müssen.

Gemischte Akzeptanz bei Pharmazeuten

Hält ein Schwerkranker nun ein Cannabis-Rezept in der Hand, wird er nicht von jeder Apotheke mit Begeisterung empfangen, meint der Pharmazeut aus Hürth. So schilderte er, dass manche Kollegen schon Cannabis-Patienten zu ihm geschickt hätten, weil sie keine „Junkies“ in der Offizin haben wollten. Für Loder sind Cannabis-Patienten jedoch keine Drogenabhängigen, sondern Schwerkranke, die häufig erst mit Hilfe von Medizinalhanf ein annähernd normales Leben führen können.

Allerdings sei die Versorgung mit medizinischem Cannabis für die Apotheker mit einem hohen Arbeitsaufwand und großer Verantwortung verbunden. So ist die Apotheke die letzte Station aus einer geschützten Lieferkette, bevor der Patient Cannabis in die Öffentlichkeit mitnimmt. Ein Tresor ist erforderlich. Jede Cannabis-Dosis muss kurz vor der Abgabe zeitaufwändig überprüft werden.

DAZ.online/bj
Apotheker Tobias Loder sieht die Apotheke als Dreh- und Angelpunkt der Medizinalhanf-Versorgung.

In der Apotheke läuft alles zusammen

Unstimmigkeiten auf dem Betäubungsmittel-Rezept haben meist die Pharmazeuten zu klären. „In der Apotheke läuft alles zusammen“, sagte Loder. Denn die Apotheker müssen häufig Rücksprache mit Ärzten, Patienten, Herstellern und Krankenkassen halten. Allein die ständig angespannte Liefersituation führe zu einem hohen Kommunikationsaufwand.  

Immerhin sei der Medizinalhanf inzwischen „der Schmuddelecke“ entwachsen, da es sich um ein erstattungsfähiges Medikament handele, zog Loder als Fazit aus einem Jahr Cannabis auf Rezept. Herausforderungen seien die immer noch schlechte Verfügbarkeit, der hohe bürokratische Aufwand und Widerstände seitens der Krankenkassen und Ärzte. Zudem sei der Einfluss der gut vernetzten Pharmalobby nicht zu unterschätzen. „Deutschland ist chemieverliebt“, beschrieb Loder.



Dr. Bettina Jung, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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