Zahlen der Treuhand

Ist der Filial-Boom vorbei?

Berlin - 08.08.2018, 14:00 Uhr

Ist der Filial-Boom vorerst gestoppt? Die Steuerberatungsgesellschaft Treuhand legt Zahlen vor, die ein Ende des Wachstums belegen könnten. (c / Foto: Imago)

Ist der Filial-Boom vorerst gestoppt? Die Steuerberatungsgesellschaft Treuhand legt Zahlen vor, die ein Ende des Wachstums belegen könnten. (c / Foto: Imago)


Seitdem der Apotheken-Mehrbesitz 2004 begrenzt zugelassen wurde, ist die Zahl der Apothekenfilialen stetig angestiegen. Im Jahr 2017 gab es 4512 Filialen in Deutschland. Die Steuerberatungsgesellschaft Treuhand ist nun der Frage nachgegangen, ob dieser Trend nun zu einem Ende gekommen ist. Denn: Die Filialzahl stieg zuletzt nur noch langsam und es gibt immer mehr ertragsschwache Zweit- oder Drittapotheken. 900 sollen ein Betriebsergebnis von unter 25.000 Euro erwirtschaften.

Seit 2004 dürfen Apotheker in einem Verbund bis zu vier Apotheken betreiben, also neben ihrer Hauptapotheke drei Filialen besitzen. Die Apotheker machten von dieser Regelung in den vergangenen 14 Jahren Gebrauch: Laut ABDA gab es schon ein Jahr später mehr als 1200 Filialen, 2010 waren es dann schon knapp 3500. Zwischen 2016 und 2017 ist die Filialzahl dann zuletzt aber weniger stark gestiegen, nämlich um 96 auf 4512. Die meisten Filialapotheken gibt es in Nordrhein-Westfalen (974), Bayern (699) und Baden-Württemberg (615). Der am häufigsten vorkommende Verbund war im vergangenen Jahr die Hauptapotheke mit einer Filiale (2282), Dreier-Verbünde gab es 665 mal und eine dritte Filiale besitzen in Deutschland derzeit 300 Apotheker.

Die Steuerberatungsgesellschaft Treuhand meint nun entdeckt zu haben, dass der Filialisierungstrend vorerst gestoppt sein könnte. In der August-Ausgabe ihres Kundenmagazins zeigt sie dafür gleich mehrere Hinweise auf: Der Anstieg der Filialzahlen nimmt – wie oben beschrieben – ab. Im vergangenen Jahr gab es laut Treuhand sogar weniger Zweier-Verbünde. Steigerungen gab es demnach nur noch bei Verbünden mit zwei und drei Filialen. Und auch finanziell gibt es laut Treuhand Entwicklungen, die eine Filialgründung nicht unbedingt attraktiv machen. Wörtlich teilt die Treuhand in ihrem August-Magazin dazu mit: „Heute werden an Filialen viel höhere Renditeerwartungen gestellt als in der Vergangenheit. Immer weniger Betriebe, die als Filialkauf oder -gründung in Betracht gezogen werden, erfüllen diese.“

20 Prozent aller Filialen sind ertragsschwach

Wie von der Treuhand gewohnt, werden auch Zahlen mitgeliefert. Demnach sind bereits heute 20 Prozent der Apothekenfilialen „ertragsschwach“. Konkret heißt das: Rund 900 Betriebe erwirtschaften ein Betriebsergebnis, das unter 25.000 Euro pro Jahr liegt. Trotzdem weist die Treuhand in ihrem Magazin darauf hin, dass die Umsatzzahlen auch im vergangenen Jahr noch nach oben gegangen sind. Im Vergleich zu 2016 ist der Umsatz einer Filialapotheke im vergangenen Jahr um 3,5 Prozent gestiegen. Eine gleich große Einzelapotheke hatte im gleichen Zeitraum einen Umsatzanstieg von 3,2 Prozent zu verzeichnen. Und auch der Rohgewinn lag mit 24,3 Prozent ganz leicht über dem einer gleich großen Einzelapotheke.

Trotz dieser positiven Entwicklungen im Filialbereich ist das durchschnittliche Betriebsergebnis von Filialapotheken im vergangenen Jahr laut Treuhand gesunken – es lag mit 4,9 Prozent vom Umsatz unter dem Ergebnis vom Vorjahr. Zum Vergleich: Gleich große Einzelapotheken erzielten im gleichen Zeitraum ein Betriebsergebnis von 6,9 Prozent vom Umsatz. Deswegen kommt die Treuhand zu dem Schluss: „Die Umsatzzuwächse sind komplett durch Wareneinsatz- und Kostensteigerungen aufgezehrt worden.“

Treuhand-Tipp: Apothekeninhaber muss zum Manager werden

In ihrem Fazit empfiehlt die Treuhand den Apothekern, ein „professionelles Filialmanagement“ aufzubauen. Man müsse mehrere Faktoren genau unter die Lupe nehmen, bevor man einen Verbund gründet: Lage, Einzugsgebiet, Wettbewerbssituation, Zustand der Einrichtung, Anzahl der Ärzte et cetera. Anschließend sei eine Rentabilitätsrechnung fällig. In Richtung Apothekeninhaber hat die Treuhand auch eine klare Botschaft: „Außerdem muss der Inhaber des Filialverbundes seine Managementqualitäten ausbauen. Pharmazeutisches Wissen und der Kundenkontakt treten in den Hintergrund, stattdessen muss mehr organisiert und geführt werden.“


Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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