Bottroper Zyto-Skandal

BMG weiß wenig über Apotheken-Kontrollen

Berlin - 08.02.2018, 16:20 Uhr

Im Bundesgesundheitsministerium sind wenig Kenntnisse über die Kontrollen in Apotheken vorhanden. (Foto: Imago)

Im Bundesgesundheitsministerium sind wenig Kenntnisse über die Kontrollen in Apotheken vorhanden. (Foto: Imago)


Linke fordern Vereinheitlichung der Apothekenkontrollen

Die Linksfraktion erkundigte sich auch nach den Kosten, die die Kassen durch parenterale Rezepturen haben. Das BMG bezieht sich auf Angaben des GKV-Spitzenverbandes. Demnach sind die Ausgaben für parenterale Rezepturen in den vergangenen vier Jahren um etwa ein Drittel gestiegen. 2013 lag der Bruttoumsatz in diesem Bereich bei rund 2038,8 Millionen Euro, 2017 wurden schon mehr als 2695 Millionen Euro ausgegeben, wobei die Zahlen aus dem vergangenen Jahr noch vorläufig sind. Dabei fällt allerdings auf: Insbesondere die Ausgaben für Monoklonale Antikörper steigen an und haben sich seit 2013 von 1084 Millionen Euro auf mehr als 1800 Millionen Euro in 2017 gesteigert. Die Ausgaben für „klassische“ Zytostatika sind seit 2013 leicht gesunken.

Sylvia Gabelmann, Apothekerin und Arzneimittel-Expertin der Linksfraktion, erklärte gegenüber DAZ.online zu den Antworten des BMG: „Mit dem Bottroper Betrugsskandal wurde mit dem Leben vieler Menschen gespielt und die Solidargemeinschaft um viel Geld betrogen. Die Apothekenüberwachung hat versagt, dafür haben zwei mutige Menschen ihre wirtschaftliche Existenz aufs Spiel gesetzt, um die Machenschaften ans Licht zu bringen. Umso entsetzter bin ich, dass die Bundesregierung weder bei der Überwachung, noch beim Whistleblowerschutz irgendwelche Konsequenzen gezogen hat. Es ist ihre Aufgabe, die Wirksamkeit von Bundesregelungen zu überprüfen. Doch sie unternimmt nichts, um Skandale wie den in Bottrop künftig zu verhindern. Ich finde es gut, wenn die Bundesregierung ihre Untätigkeit nun auch vor dem Landgericht Essen darlegen muss.“

Die Linksfraktion stört sich insbesondere an den vielen voneinander divergierenden Überwachungsregeln in den Ländern. Gabelmann fordert daher: „Wir fordern eine Vereinheitlichung einer unabhängigen Apothekenüberwachung, um schwarze Schafe besser identifizieren zu können. Dem Patientenschutz muss oberste Priorität eingeräumt werden.“



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


Diesen Artikel teilen:


0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.