Interview Apothekengewerkschaft ADEXA (Andreas May)

„Die Vergütung von Apotheken-Beschäftigten ist nicht gerecht“

Berlin - 08.09.2017, 11:00 Uhr

Apotheker-Bezahlung muss gerechter werden: ADEXA-Chef Andreas May sieht jetzt schon negative Auswirkungen des EuGH-Urteils auf die Vergütung der Apotheken-Beschäftigten. (Foto: ADEXA)

Apotheker-Bezahlung muss gerechter werden: ADEXA-Chef Andreas May sieht jetzt schon negative Auswirkungen des EuGH-Urteils auf die Vergütung der Apotheken-Beschäftigten. (Foto: ADEXA)


Wann gibt es die nächste Gehaltserhöhung für Apotheker?

DAZ.online: Zum 1. Juni hatten Sie sich ja mit den Arbeitgeber-Vertretern auf einen neuen Tarifvertrag mit leicht erhöhten Gehältern geeinigt. In Online-Foren und den Kommentarspalten beschwerten sich viele, dass die Erhöhungen ohnehin nicht bei ihnen ankommen würden. Was ist da dran?

May: Grundsätzlich gilt natürlich, dass die Erhöhung für Mitarbeiter verbindlich ist, die bei uns Mitglied sind und deren Chef auch Mitglied im Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) ist. Außerdem gilt dieser neue Tarifvertrag nicht in den Kammerbezirken Sachsen und Nordrhein, denn in Nordrhein läuft noch ein separater Vertrag und in Sachsen gab es erstmals nach Jahren Sondierungsgespräche für einen Tarifvertrag, aber noch keine Verhandlungen. Ich habe mir die Kommentare angesehen und festgestellt, dass viele dieser Apotheker ohnehin keinen Anspruch gehabt hätten, weil sie aus Nordrhein oder Sachsen kommen.

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DAZ.online: Liegen Ihnen denn Zahlen darüber vor, wie viel Prozent Ihrer Mitglieder inzwischen nach dem neuen Gehalt bezahlt werden?

May: Nein, das wissen wir nicht.

DAZ.online: Wann stehen denn die nächsten Verhandlungen an?

May: Wir bereiten uns derzeit schon auf die Verhandlungen mit der TGL für den Tarifbereich Nordrhein vor. Dort läuft der derzeitige Vertrag am 31. Dezember 2017 aus.

Eigene Tarifgruppe für Filialleiter

DAZ.online: Mit welchen Zielen gehen Sie in die Verhandlungen?

May: Einzelne Ziele möchte ich nicht öffentlich kommunizieren. Es muss aber unser Ziel sein, die Attraktivität der Arbeitsplätze zu steigern und für angemessene Gehältern zu sorgen. Neben dem Gehalt gibt es ja aber noch den Rahmentarifvertrag, für den wir uns auch auf Bundesebene noch einiges vorgenommen haben.

DAZ.online: Zum Beispiel?

May: Unsere wichtigsten Forderungen mit Blick auf den Rahmenvertrag sind derzeit eine tarifliche Honorierung für Fort- und Weiterbildung und die separate Einstufung der Filialleiter. Bislang sind Filialapothekenleiter nicht als gesonderte Position bei den Tarifgehältern aufgeführt. Das ist aufgrund ihrer besonderen Position innerhalb der Apotheke aus unserer Sicht aber zwingend erforderlich.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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2 Kommentare

Apothekenleiter wollen nicht zahlen

von Pillendreher am 08.09.2017 um 19:26 Uhr

Herr May - was ist denn besser- die Arbeitsplätze erhalten, auch mit sinkenden Roherträgen - oder mehr Gehalt zahlen und die Apotheke geht krachen? Wissen Sie eigentlich, dass viele Apothekenleiter am Monatsende weniger auf dem Konto haben, als die Mitarbeiter? Ich würde auch nicht mehr zahlen angesichts des EugH Urteils - und es wird nach der Wahl erst richtig losgehen. Die Mehrzahl der Apotheken kann dem Internet nichts mehr entgegensetzen. Arbeitskampf? Für was? Für wen? ADEXA und viele Mitglieder scheinen noch immer nicht begriffen zu haben, dass nur das gezahlt werden kann, was nach Abzug aller exorbitanten Kosten einer Apotheke übrig bleibt. Ich habe es satt, dass Apothekenleiter per se am Pranger stehen. Wie ist es denn mit Ihren Mitgliedern? Schwanger - Arbeitsbefreiung - tschüß und weg. Wen kümmert es da, wer die Arbeit macht, wer das liebe Geld erarbeitet? Fahren Sie mal in die USA - da geht das gaaanz anders!

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Apothekenleiter wollen nicht zahlen

von Pistor am 10.09.2017 um 8:56 Uhr

Sie haben aber schon den Artikel gelesen, oder? Die ADEXA will gerade nicht zum Arbeitskampf aufrufen, weil die Apothekenleiter ja nichts für das EuGH-Urteil können.

Gerade wenn die Apotheken wirtschaftlich auf der Kippe stehen, werden die Angestellten sicher Verständnis haben und nicht auf einer Erhöhung bestehen.
Bei wirtschaftlich erfolgreichen dagegen ist auch das EuGH-Urteil keine Ausrede.

Man hört ja immer wieder von den Apotheken, in denen der Leiter 60 oder mehr Stunden pro Woche arbeitet, Nacht- und Notdienste übernimmt und trotzdem mit einer Eigenentnahme heimgeht, die etwa dem Lohn von Approbierten entspricht. Das ist ohne Zweifel hart - und in dieser Situation kann man sicherlich darauf verzichten, auf der Tariferhöhung zu bestehen.
Es gibt aber auch die Apotheken, deren Leiter nur halbtags arbeiten, keine Dienste übernehmen, lange Urlaube machen etc.; da kann man sich dann schon mal Fragen, ob das EuGH-Urteil nicht nur eine Ausrede ist.

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