Landtagswahl Schleswig-Holstein

Wen sollten Apotheker in Schleswig-Holstein wählen?

Kiel - 05.05.2017, 17:45 Uhr

Das Landeshaus in Kiel, Sitz des schleswig-holsteinischen Landesparlamentes (Foto: Carsten Rehder / dpa)

Das Landeshaus in Kiel, Sitz des schleswig-holsteinischen Landesparlamentes (Foto: Carsten Rehder / dpa)


Wie steht die AfD zu…

DAZ.online: …zur Beibehaltung der inhabergeführten Apotheke vor Ort?

AfD: Die Alternative für Deutschland setzt sich für den Erhalt der inhabergeführten Apotheke ein, denn dies hat sich bewährt.

DAZ.online: …zur Aufweichung des Fremd- und/oder des Mehrbesitzverbotes?

AfD: Die AfD kann sich keine Aufweichung des Fremd- und / oder Mehrbesitzverbotes vorstellen. Wir stehen für das bewährte Prinzip „Der Apotheker in seiner Apotheke“ (außer den möglichen drei Filialen sollte Fremd- und Mehrbesitz untersagt bleiben).

DAZ.online: …zum Arzneimittel-Versandhandel?

AfD: Versandapotheken gehören in Deutschland seit 2004 zum Alltag. Den von der damaligen Bundesregierung unter „Rot-Grün“ eingeführten Rx-Versandhandel lehnen wir ab. Die überwiegende Mehrheit der EU-Staaten hat sich an solchen gefährlichen Experimenten auch nie beteiligt. Nach dem „Brexit“ wird nur noch in 6 der dann 27 Mitgliedstaaten der Rx-Versandhandel möglich sein.

Bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln sind wir dafür, statt anonymer Versandapotheken einen erweiterten Botendienst durch pharmazeutisches Personal der Apotheken vor Ort anzubieten. Dafür beantragt die ortsansässige Apotheke eine eigene Versanderlaubnis bei der Aufsichtsbehörde. Bei medizinischer Notwendigkeit sollte dies sogar als Leistung auf Rezept abrechenbar werden. Der Arzt erklärt per Kreuz (ähnlich “noctu“ beim Notdienst) auf dem Rezeptformular, dass der Patient nicht selbst in die Apotheke kommen kann. Die Liefer-Apotheke kann daraufhin einen gewissen Betrag abrechnen für diese Botenleistung.

DAZ.online: …zum Rx-Versandverbot?

AfD: Die AfD unterstützt das geplante Rx-Versandverbot. Das ist Verbraucherschutz.

DAZ.online: … zur Rx-Preisbindung?

AfD: Die Rx-Preisbindung muss unbedingt erhalten bleiben. Die Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ist Gesundheitsschutz. Und sie ist die Basis einer wirtschaftlich geführten, finanziell starken Apotheke. Verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen nicht durch Gewährung von Boni zu einer beliebigen Ware werden.

DAZ.online: zu alternativen/anderen Versorgungskonzepten?

AfD: Wir sind für einen erweiterten Botendienst durch pharmazeutisches Personal der Apotheken vor. Konzept s.o.

Arzneimittel-Abgabeautomaten, Apothekenbusse oder sonstige Experimente sieht die AfD kritisch. Solche Projekte hat es in den vergangenen Jahren schon des Öfteren gegeben, alle sind gescheitert. Kein Video-Apotheker kann jemals die Apotheker und PTAs  „vor Ort“ ersetzen. Es wird kein Not- und Nachtdienst angeboten, es werden keine individuellen Rezepturen angefertigt, keine Betäubungsmittel und sonstige Spezialpräparate versendet bzw. abgegeben. Diese kostenintensiven Dinge wollen solche Unternehmer den im Land verbleibenden Apotheken aufbürden.

DAZ.online: …zur weiteren Unterstützung von Landapotheken?

AfD: Die AfD Schleswig-Holstein steht zur Landapotheke. Die Landapotheke sichert die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln rund um die Uhr. Rx-Versandverbot, Rx-Preisbindung, Anpassung der Nachtdienstpauschalen und des Fixzuschlages an die Inflation, das alles sind wichtige Stützen für die Apotheke vor Ort. Und wir fordern von der Landesregierung eine bessere Wertschätzung der Arbeit der vielen Apotheken hier in Schleswig-Holstein. SPD, Grüne, CDU und auch der SSW haben es über Jahrzehnte versäumt, ausreichend Fachpersonal auszubilden. Das muss sich dringend ändern.

DAZ.online: …zu neuen Aufgaben für Apotheker in der Primärversorgung?

AfD: Ja. Das Potenzial der Apotheker, das große Fachwissen und die durch das Studium erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten der Pharmazeuten werden bislang doch überhaupt nicht abgerufen. Selbstverständlich sollten Aufgaben der Primärversorgung übernommen werden. Impfungen, Medikationsmanagement, Blutdruck- und Blutzucker-Messen. Auch die Ausstellung von Folge-Rezepten für chronisch Kranke (z.B. Hypertonie, Diabetes). 



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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3 Kommentare

AfD Thesen

von Hanns Regin am 07.05.2017 um 12:47 Uhr

Ich habe mich in diesem Zusammenhang generell mal mit dem Programm der AfD und deren Protagonisten beschäftigt. Infos mal nicht nur von ZDF und ARD eingeholt. Das Programm der AfD scheint in etwa so wie das von CDU/CSU zur Bundestagswahl 2002. Konservativ, liberal, Apotheken-und Mittelstandsfreundlich. Die meisten in der AfD sind ja auch Ex-CDUler. Und ein paar schräge Vögel hat ja wohl jede Partei, man denke nur an Stegner oder Sarrazin von der SPD.

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AfD Thesen

von Hanns Regin am 05.05.2017 um 20:49 Uhr

Auch in Schleswig-Holstein präsentiert sich die AfD als Unterstützer des bewährten Apothekensystems. Bringt einige innovative Ideen ein (Folgerezepte ausstellen, abrechenbarer Bringdienst etc.). Und weist auf den Mangel von Fachpersonal hin. Sachkundige Leute scheinbar dort vorhanden.

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AW: AfD Thesen

von G. Wagner am 07.05.2017 um 11:01 Uhr

Die AfD kann sich noch so "apothekenfreundlich" zeigen. Sie müsste schon (fast) alle ihren anderen Programmpunkte ändern, um wählbar zu sein. Wir sollten diesen Rattenfängern nicht auf den Leim gehen ( und der FDP natürlich auch nicht).

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