Eskalation um Arzneimittelpreise

Martin Shkreli feuert zurück

New York - 27.01.2017, 07:15 Uhr


Shkreli attackiert die Branche

Doch Shkreli wäre nicht er selbst, würde er sich nach diesen Spitzen ruhig verhalten. Wenngleich er seinen Posten als Vorstandschef von Turing Pharmaceuticals aufgeben musste und mit einer Betrugsklage konfrontiert ist, kam seine Antwort prompt und unmissverständlich. Nur Stunden nach Veröffentlichung der PhRMA-Kampagne schaltete Shrkeli seine eigene Website namens www.pharmaskeletons.com frei, deren einziges Ziel es offenbar ist, hart zurückzuschießen.

Dort spricht er PhRMA-Chef Ubl im ersten Satz persönlich an: „Wage es nicht, den Finger auf mich zu richten für die Probleme, die die Pharmaindustrie hat.“ Und: „Schaut in den Spiegel. Pharma ist eine tolle Industrie, die große Dinge tut. Aber es ist dumm, zu versuchen, mich in eine bestimmte Ecke zu schieben.“ Seine Botschaft: Die von ihm initiierten Preissteigerungen seien nichts im Vergleich zu den Vergehen anderer Arzneimittelhersteller. Shkreli nennt auf seiner Website dezidiert 26 Pharmaunternehmen und überzieht sie mit harscher Kritik. Das Medium Stat News weist allerdings darauf hin, dass nicht alle seine Aussagen wirklich zutreffend seien.

Zusätzlich schlägt Shkreli in einem YouTube-Video verbal um sich: „Ich bin ziemlich angefressen. Wenn man Firmen wie Bayer, Amgen und Allergan vertritt, sollte man mich nicht als Schwarzes Schaf darstellen – lasst das doch.“ Konkret kritisiert Shkreli beispielsweise Unternehmen wie Biogen, die unter anderem Präparate gegen multiple Seklerose herstellen. Unverblümt nennt er Biogen das „schlimmste f… Unternehmen auf dem Planeten.“ Dabei verweist er auf das Multiple-Sklerose-Mittel Tecfidera, welches Biogen von einem europäischen Unternehmen gekauft habe, um anschließend den Preis anzuheben. Er geht auch auf Biogens neuestes Mittel Spinraza zur Behandlung der seltenen spinalen Muskelatrophie ein. Dieses soll laut Liste im ersten Jahr der Behandlung 750.000 Dollar kosten.

Auch das Biotechunternehmen Orexigen aus San Diego nimmt Shkreli ins Visier: „Diese Firma hat fast kein Geld. Ich nehme an, sie geben kaum etwas aus und versuchen, profitabel zu werden.” Diese Anspielung hat laut Stat News ihre eigene Geschichte: Nach Angaben der US-Börsenaufsicht SEC soll ausgerechnet eine Investition in Orexigen Shkrelis Hedge-Fonds in die Insolvenz geführt haben.

Sowohl PhRMA als auch Biogen und Orexigen haben nach Angaben von Stat News keinen Kommentar zu den Aussagen von Shkreli abgegeben. 



Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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