Wucherpreise

Die dubiosen Methoden der US-Pharmaindustrie

New York - 11.10.2016, 11:30 Uhr

Der extrem gestiegene Preis des EpiPen von Mylan war Ende September 2016 sogar Thema des Government Reform Committee in Capitol Hill in Washington. (Foto: dpa)

Der extrem gestiegene Preis des EpiPen von Mylan war Ende September 2016 sogar Thema des Government Reform Committee in Capitol Hill in Washington. (Foto: dpa)


Mit extremen Preissteigerungen bei lebenswichtigen Medikamenten haben Pharmahersteller in den USA einen Sturm der Entrüstung entfacht. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass das Problem im ineffizienten und unfairen Gesundheitssystem der weltgrößten Volkswirtschaft liegt.

Mit einer Preisanhebung um das 55-Fache bei einem lebenswichtigen Immunschwäche-Medikament wurde Martin Shkreli vor einem Jahr zum Inbegriff der unternehmerischen Raffgier. Die Empörung über den großmäuligen „Pharma-Bad-Boy“ ist noch immer riesig. Doch während Shkreli Politikern und Medien in den USA als Boxsack diente, dürften andere Pharma-Manager aufgeatmet haben. Denn dass sich der Volkszorn auf den 32-jährigen Provokateur richtete, lenkte vom Rest der Branche ab. Nun rücken weitere Konzerne ins Zwielicht.

Shkreli wurde in den USA zum Hassobjekt, nachdem seine Firma Turing Pharmaceuticals das Entzündungs-Medikament Daraprim - das unter anderem Aids-Patienten helfen soll – kaufte und den Preis schlagartig von 13,5 auf 750 Dollar pro Pille anhob. Während das Mittel für viele Patienten unerschwinglich wurde, protzte Shkreli mit seinem Reichtum und hatte für Kritiker nur Hohn und Spott übrig. Doch die Wucher-Methode stellt im US-Pharmageschäft keine Ausnahme dar. Als eigentlichen Skandal empfinden viele Beobachter, dass die Preistreiberei völlig legal ist.

Immer wieder geraten in den USA Arzneimittel-Hersteller in die Kritik, weil sie Medikamente drastisch verteuern. Zuletzt rückte der Pharmakonzern Mylan in den Fokus, der den Preis für die Allergiespritzen EpiPen von 100 auf 600 Dollar angehoben hatte. Wer verstehen will, warum Shkrelis Ex-Firma Turing Pharmaceuticals oder Mylan Medikamente derart drastisch verteuern können, muss hinter die Kulissen des US-Pharmasektors schauen.

Als „Paradebeispiel“ für die Fehlfunktion des US-Gesundheitssystems beschreibt Experte Aaron Carroll Preissprünge wie bei Mylans EpiPen. Der Medizin-Professor von der Indiana University spricht von einem staatlich geförderten „Vorsorge-Albtraum“, bei dem die Regierung den Einsatz teurer Medikamente unterstütze, ohne etwas dafür zu tun, die Kosten zu kontrollieren. „Es gibt wenig Wettbewerb und hohe Hürden, den Markt zu entern, deshalb kann eine Firma den Preis ohne großen Widerstand weiter und weiter erhöhen.“



dpa-AFX / DAZ.online
redaktion@daz.online


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