Prozess In Brooklyn

Jury spricht Pharma-Bad-Boy Shkreli schuldig

New York - 07.08.2017, 11:30 Uhr

Martin Shkreli – ein Mann, der mit Arzneimitteln ohne Skrupel Geld machen will. Nun droht ihm eine Gefängnisstrafe wegen Wertpapierbetrugs. (Foto: picture alliance / newscom)

Martin Shkreli – ein Mann, der mit Arzneimitteln ohne Skrupel Geld machen will. Nun droht ihm eine Gefängnisstrafe wegen Wertpapierbetrugs. (Foto: picture alliance / newscom)


Dem wegen drastischer Preiserhöhungen bei einem lebensrettenden Arzneimittel umstrittenen Pharma- und Hedgefondsmanager Martin Shkreli droht eine Gefängnisstrafe. Allerdings nicht, weil er Daraprim® für viele in den USA unerschwinglich machte. Die Jury des zuständigen Gerichts sprach ihn vergangenen Freitag des Wertpapierbetrugs schuldig.

Martin Shkreli hat 2015 zweifelhafte Berühmtheit erlangt, nachdem sein Unternehmen Turing Pharmaceuticals alle US-amerikanischen Vermarktungsrechte für Pyrimethamin (Daraprim®) erworben hatte. Kurz darauf erhöhte er nämlich die Kosten von 13,50 Dollar auf 750 Dollar pro Tablette. Viele Patienten konnten sich das Präparat daraufhin nicht mehr leisten.  Die Empörung war riesig, die BBC bezeichnete ihn als „meistgehassten Mann Amerikas“, die „Washington Post“ als „Staatsfeind Nummer 1“.

Vor Gericht ging es allerdings nicht um die Daraprim®-Affäre. Die Staatsanwaltschaft hatte Shkreli vorgeworfen, aus der von ihm gegründeten Biotech-Firma Retrophin elf Millionen Dollar abgezweigt zu haben, um aufgebrachte Investoren seines insolventen Hedgefonds MSMB auszahlen zu können. Das FBI verhaftete ihn im Dezember 2015, auf Kaution kam er frei.

Der Prozess in Brooklyn wurde durch Shkrelis schlechtes Image erschwert. Es dauerte Tage, die Jury zu besetzen, weil etliche Kandidaten keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegen den Angeklagten machten. Auch Shkreli selbst sorgte im Verfahren für einen Eklat: Er äußerte sich so lange abfällig über die Staatsanwaltschaft, bis die Richterin ihm einen Maulkorb verpasste.

Nach fünfwöchigem Prozess und fünftägigen Beratungen sprach die Jury des zuständigen Gerichts in Brooklyn Shkreli am vergangenen Freitag des Wertpapierbetrugs schuldig. Ein Datum für das Urteil wurde noch nicht festgelegt. Shkreli droht schlimmstenfalls eine Haftstrafe von 20 Jahren, er dürfte aber glimpflicher davonkommen. 


dpa-AFX / ks
redaktion@daz.online


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