Apothekenberatung mit Piktogrammen

Bilder helfen wo die Sprache versagt

Hannover - 14.10.2016, 17:30 Uhr

Bildersprache für die Apotheke bietet das UKAPO-Ringbuch. (Foto: C.v.O. Universität Oldenburg / Erdélyi)

Bildersprache für die Apotheke bietet das UKAPO-Ringbuch. (Foto: C.v.O. Universität Oldenburg / Erdélyi)


In Niedersachsen klappt Beratung in der Apotheke künftig auch dann, wenn Apotheker und Kunde sich verbal nicht verständigen können. Hilfe dazu bietet ein Buch mit Piktogrammen für alle Fälle, das Forscher der Universität Oldenburg gemeinsam mit Apothekern entwickelt haben.

„Eine Apothekerin aus Wolfenbüttel hatte die Idee“, sagt eine Sprecherin der Apothekenkammer Niedersachsen. „Sie hatte eine konkrete Situation mit einer Patientin erlebt, die sich nicht ausreichend verständigen konnte.“ Aus dieser Anregung heraus entstand in mehrjähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit UKAPO. Das steht für „Unterstützte Kommunikation in der Apotheke“.

Krankheitssymptome und vieles mehr in Piktogrammen erklärt

Ein Ringbuch mit Piktogrammen verbirgt sich hinter der Bezeichnung, das für alle Situationen Hilfe schafft, in denen das gesprochene Wort versagt. Auf neun Seiten sind in etlichen in Piktogrammen stilisierten Abbildungen ganz typische Beratungssituationen dargestellt. So kann der Zustand des Patienten etwa durch Zeigen auf entsprechende Bilder erklärt werden. Für Husten zum Beispiel eine Figur mit geöffnetem Mund, die die Hand davorhält. Aber auch Krankheitssymptome, Einnahmezeitpunkt von Medikamenten oder Neben- und Wechselwirkungen lassen sich so durch die Bilder unterstützt auch fast ganz ohne Worte erklären.

Entwickelt hat das Ringbuch das Team von Andrea Erdélyi, Professorin am Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik an der Uni Oldenburg, gemeinsam mit Apothekern aus Oldenburg sowie Sozialarbeitern und sprachbehinderten Mitarbeitern der gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg. Vier Jahre Entwicklungsarbeit sind in das Projekt geflossen, das Kammer und Uni jetzt der Öffentlichkeit präsentierten.

Auch beim Arzt oder im Krankenhaus ließe sich UKAPO einsetzen

Patienten und Kunden, die von UKAPO profitieren können, sind etwa Menschen mit Sprachbehinderungen, Hörgeschädigte, Schlaganfall- oder Demenz-Betroffene oder auch all die, die nur geringe oder keine Deutschkenntnisse haben, wie etwa bei der Beratung vieler Flüchtlinge. Und die Professorin denkt bereits über die Anwendung in der Apotheke hinaus: „Patienten mit Sprech- oder Sprachproblemen sind nicht nur in der Apotheke, sondern auch in allen anderen Bereichen kommunikativ benachteiligt“, sagt sie. Die Inklusion von Betroffenen gelinge deutlich besser, wenn die Piktogramme auch beim Gespräch mit dem Arzt, im Krankenhaus oder im Pflegeheim eingesetzt würden.

Bislang gibt es das Ringbuch nur in niedersächsischen Apotheken

Zunächst können nun die Kunden der rund 2000 Apotheken in Niedersachsen von dem Piktogramme-Buch profitieren. Die Apothekerkammer Niedersachsen hat UKAPO all ihren Mitglieder-Offizinen zur Verfügung gestellt. „Wir würden uns natürlich freuen, wenn die Piktogramme für die unterstützte Kommunikation in Apotheken auch über die Grenzen Niedersachsens hinaus eingesetzt würden“, sagt die Sprecherin der Kammer. Überall würden Menschen mit und ohne Behinderung immer noch nicht selbstverständlich im Alltag zusammenleben.

„Apotheker stellen sich bei ihrer Arbeit dieser Herausforderung, wenn sie Patienten mit Sprech- und Sprachproblemem beraten“, sagt sie. Mithilfe der Piktogramme, die die Lautsprache ergänzten, könnten sich die Betroffenen nun zu ihren Beschwerden äußern, und der Apotheker könne so dennoch eine umfassende Beratung durchführen, erklärt die Sprecherin. Unterdessen habe es aber noch keine Anfragen aus anderen Bundesländern gegeben.

Die UKAPO-Ringbücher können aber bestellt werden. Für 22,90 Euro plus Mehrwertsteuer und Versand sind die Bücher beim Methodenzentrum Unterstützte Kommunikation in Oldenburg erhältlich. Sie können per Mail bestellt werden unter bestellung@mezuk.de. Weitere Informationen auch zu vergünstigten Preisen bei größerer Bestellung gibt es auf der Seite des mit der Uni Oldenburg zusammenarbeitenden Zentrums hier.


Volker Budinger, Diplom-Biologe, freier Journalist
redaktion@daz.online


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