Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

31.07.2016, 08:00 Uhr

Rückblick auf die letzte Woche - geht nur mit Stirnrunzeln. (Foto: Andi Dalferth)

Rückblick auf die letzte Woche - geht nur mit Stirnrunzeln. (Foto: Andi Dalferth)


Hilfe, die Politik will uns für dumm verkaufen! Sie gewährt uns ein putziges  Rezepturhonorar und deckelt dafür die 3-Prozent-Marge! Und die Krankenkassen meinen, wir sollten erstmal unseren Bedarf für ein Rezepturhonorar nachweisen. Mein liebes Tagebuch, das sind Grüße aus Absurdistan.

25. Juli 2016

Neue Arzneimittel haben einen echten Preis, den Erstattungspreis, also den, den die Krankenkassen bezahlen, und einen Phantompreis, der nur auf dem Papier steht, den Listenpreis. Der dient nur dazu, den Preis nach außen, vor allem in Richtung Ausland, hoch zu halten. Denn der deutsche Preis eines Arzneimittels ist in vielen Ländern Referenzpreis. Die Pharmaindustrie möchte nicht, dass sich die in Deutschland ausgehandelten niedrigen Erstattungspreise auf die Preise im Ausland auswirken. Verständlich. Daher sollte der Erstattungspreis vertraulich bleiben. Lässt sich aber nicht wirklich machen, denn zur Berechnung von Mehrwertsteuer sowie den Aufschlägen für Großhandel und Apotheke müssen gewisse „Stellen“ den Preis kennen. Wie soll das gehen? Das Ministerium will nun per Verordnung regeln, dass die Erstattungspreise nicht in öffentlichen Listen stehen, aber Ärzte und Apothekern sollten sie einsehen können. Die Apotheken müssen den Erstattungsbetrag kennen, um ihre Einkaufspreise kalkulieren zu können. Mein liebes Tagebuch, die Preisbildung im Pharmamarkt wird immer komplizierter. Der Erstattungsbetrag wird kein Geheimpreis sein, wer ihn wissen will, wird ihn erfahren können. Ob sich das Ausland auch weiterhin nach Phantompreisen richtet?

Nach offiziellen Berechnungen werden es insgesamt 85 Mio. Euro sein, die die Apotheken für die Rezepturherstellung und die Dokugebühren bei BtM-Rezepten mehr erhalten werden. Im einzelnen: Für die Herstellung einer Rezeptur soll die Apotheke in Zukunft 8,35 Euro zusätzlich erhalten, außerdem einen Euro mehr bei den Arbeitspreisen. Einen Aufschlag von 16 Cent für den Nacht- und Notdienst wird es allerdings nicht für die neue Rezepturvergütung geben, aber natürlich geht der Kassenrabatt von 1,77 Euro ab. Und die Gebühr für BtM- und T-Rezepte steigt auf 2,91 Euro. Einschließlich Umsatzsteuer zahlen die Krankenkassen so rund 100 Mio. Euro mehr an die Apotheken. Ja, und nun mein liebes Tagebuch, Grund zur Freude? Gemach, gemach. Ganz abgesehen davon, dass 85 Millionen nicht die Welt sind und das Rezepturgeschäft nach wie vor ein Zuschussgeschäft ist: Wir stehen erst im Stadium des Referentenentwurfs dieses Gesetzes. Da sind noch einige Hürden und Ressortabstimmungen zu nehmen. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte beispielsweise immer wieder betont, dass die Arzneimittelpreisverordnung solange nicht geändert wird, bis das Gutachten zum Apothekenhonorar vorliegt. Tja, und nun?

26. Juli 2016

Hach, schon geht das Gekeife los. Für eine Erhöhung des Rezepturhonorars haben die Krankenkassen null Verständnis. Das war zu erwarten, sie wehren sich mit Händen und Füßen dagegen. Sie wollen erst das Gutachten abwarten und dann über Änderungen diskutieren. Denn: „Wenn man die Apothekenvergütung ändern will, sollte man erst einmal feststellen, ob es tatsächlich einen belegbaren und nicht nur einen behaupteten Bedarf gibt“, sagt der GKV-Spitzenverband. Mein liebes Tagebuch, ist dieser Spitzenverband noch von dieser Welt? Belegbar ist das von Anfang an fehlende Honorar für die Abgabe eines Rezepturarzneimittels. Es war nie korrekt, dass die Apotheke nur für Fertigarzneimittel 8,35 Euro bekommt, aber nicht für eine Rezeptur. Arzneimittel ist Arzneimittel, der Beratungsbedarf ist bei beiden gegeben. Die Kassen sollten froh sein, dass wir keine Nachzahlung für entgangene Rezepturhonorare fordern. Jawoll, so sieht’s aus.
Außerdem – und darauf weist selbst das Bundesgesundheitsministerium in seiner Gesetzesbegründung hin – müssten auch die gesteigerten Anforderungen an Rezepturen, die mit der letzten Apothekenbetriebsordnung einführt wurden, berücksichtigt werden. Auch das, mein liebes Tagebuch, ist belegbar und längst überfällig.

Und was sagt die ABDA zur beabsichtigten Erhöhung von Rezepturhonorar und Dokugebühr? Es sind „richtige Steuerungsimpulse“, meint der ABDA-Präsident politisch zurückhaltend. Die Versorgung mit individuellen Rezepturarzneimitteln werde gestärkt und der Gesetzgeber löse eine lang bestehende Bringschuld bei der Dokugebühr ein. Mein liebes Tagebuch, das kann man so sehen. Andererseits, so richtig stärker wird die Rezepturherstellung dadurch nicht, denn ein Arbeitspreis für eine Salbe, der um einen Euro von fünf auf sechs Euro erhöht wird, ist noch immer ein Dumpinglohn und liegt noch weit unter Mindestlohn. Das Know how und die Verantwortung bei der Herstellung, die Prüfungen der Substanzen, die Plausibilitätsprüfung, die Dokumentation – die Rezepturherstellung bleibt auch nach der „gesundheitspolitisch klugen“ Anpassung ein Geschäft, bei dem die Apotheke drauflegt. So sieht’s aus.

27. Juli 2016

Mit der SPD ist kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Der Eiertanz zur geplanten Vergütungserhöhung bei  Rezeptur und Dokumentation spricht Bände. Sabine Dittmar, die für Apotheken zuständige Berichterstatterin der SPD-Fraktion, meint, dass die Anpassung der Vergütungen längst überfällig ist. Fein. Aber was ist mit der angekündigten Deckelung der 3-Prozent-Marge des Apothekerhonorars? Die will sie nicht komplett vom Tisch haben, sagt sie vorsichtig – „aus Kostengründen“. Denn dass bei Hochpreiserpackungen mehrere hundert Euro an die Apotheke flössen, lasse sich weder mit Beratungsaufwand noch mit Vorfinanzierungskosten begründen, so ihre Meinung. Mein liebes Tagebuch, wer als Politiker so über Apotheke denkt, hat Apotheke nicht verstanden. Schade.
Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, Hilde Mattheis, fackelt nicht lange. Sie hält eine Deckelung ohne Umschweife für richtig. Und Karl Lauterbach als stellvertretender Fraktionsvorsitzender möchte den Apothekern überhaupt keine Vergütungserhöhungen zugestehen. Er kritisierte im Namen der gesamten Fraktion den Gesetzesvorschlag des Gesundheitsministeriums. Mein liebes Tagebuch, das kann noch richtig drollig werden. Von einer Vergütungserhöhung sind wir noch etliche Diskussionen und noch einige zu findende Mehrheiten entfernt. Aber das Schärfste wäre wohl: Die Politik gesteht uns generös mehr Honorar bei Rezepturen und Dokumentation zu und holt sich die Mehrausgaben über eine Deckelung der 3-Prozent-Marge zurück, Motto: „Liebe Apotheker, seid uns dafür dankbar, dass Ihr Eure Rezepturvergütung selbst finanzieren dürft!“ Mein liebes Tagebuch, mit uns kann man’s ja machen, oder?

28. Juli 2016

Das kann ich nicht verstehen: Einerseits möchte die niederländisch-schweizerische Versandapotheke DocMorris ihr pharmazeutisches Image aufpolieren, sie gibt sich innovativ, übt sich in der (Video-)Beratung, macht Checks auf Neben- und Wechselwirkungen und versucht sich sogar an einer Art Mini-Medikationsmanagement. Und auf der anderen Seite will das Unternehmen Kunden locken mit Methoden, die so gar nichts mit echtem Wettbewerb zu tun haben: Die Versandapo stellt ihren Kunden Quittungen über Zuzahlungen aus, die diese gar nicht geleistet haben. Wie passt das zusammen? Gar nicht. Mit falschen Quittungen werden die Kassen getäuscht und das Finanzamt hintergangen. Das Landgericht Ravensburg hat DocMorris nun untersagt, falsche Zuzahlungsquittungen auszustellen – Verstoß gegen das geltende Wettbewerbsrecht. Jetzt wär’s mal an der Zeit, dass DocMorris „sorry“ sagt und Besserung gelobt. Und dann gleich noch die ausstehenden Ordnungsgelder überweist, die das Oberlandesgericht Köln verhängt hat wegen rechtswidriger Rx-Boni und Kundenfangprämien.

29. Juli 2016

Mein liebes Tagebuch, wie sieht’s bei uns Apothekers eigentlich mit dem berufspolitischen Interesse aus? Ich habe mir die Frage vor dem Hintergrund der Kammerwahl in Baden-Württemberg gestellt, die erst vor wenigen Wochen stattfand. Baden-Württembergs Kammerpräsident Hanke brachte die Wahl so auf den Punkt: Bewerbungen top, Wählerstimmen flop! Im Klartext: Es hatten sich so viele Kandidatinnen und Kandidaten wie schon lange nicht mehr für die kommende Vertreterversammlung beworben. Unter ihnen erfreulich viele junge Kolleginnen und Kollegen. Super, dass das Interesse an der Kammerarbeit so groß ist. Und jetzt der Dämpfer, der Flop: Die Wahlbeteiligung lag bei knapp unter 30 Prozent. Das ist, wie auch Hanke es kommentierte, schade. Mehr noch: Mich hat das traurig und nachdenklich gestimmt. Auch in anderen Kammerbereichen ist die Wahlbeteiligung nicht unbedingt berauschend hoch. Es gibt auf der einen Seite – und das ist erfreulich – eine Schar an Apothekerinnen und Apothekern, die sich gerne in die Kammerarbeit einbringen wollen. Auf der anderen Seite gibt es eine weitaus größere Zahl an Kolleginnen und Kollegen, deren berufspolitisches Interesse so gering ist, dass sie nicht einmal wählen wollen. Die sich nicht damit auseinandersetzen wollen, wer sie in der Vertreterversammlung vertreten soll. Woran liegt’s? Interessiert sich die Mehrheit nicht für Kammerarbeit und Berufspolitik? Hat das gar damit zu tun, dass die Mehrheit weiblich ist?  Was könnte man tun, um die Wahlbeteiligung weit über 30 Prozent zu heben? Wie lässt sich Berufspolitik schmackhaft machen? 


Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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13 Kommentare

SPD und Vergütungserhöhung (27.Juli)

von Martin Haas am 04.08.2016 um 14:53 Uhr

Lieber Herr Ditzel
es wäre schön, wenn Sie als Journalist der Vollständigkeit halber erwähnen, dass nicht nur die SPD sondern auch die CDU (schließlich führen beide gerade zusammen die große Koalition, wie Sie sicher wissen) die Vergütungserhöhung wünschen, aber eine Höchstpreisdecklung im Gegenzug fordern. Dies nicht zu erwähnen erscheint mir parteiisch. Mehr will ich dazu nicht sagen.
Mit kollegialen Grüßen

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Honorar

von Karl Friedrich Müller am 01.08.2016 um 11:52 Uhr

Wo fließt das Geld im Gesundheitswesen hin?
Mal abgesehen davon, dass Apotheken kein Cent gegönnt wird, gibt es überhaupt wenig Aussichten, dass sich etwas ändert.
Beleuchtet wird das Thema auch in einer Sendung des TV Kanals Phoenix: Patientenabzocke.
Auszug: Der Staat kommt seiner Verpflichtung zum Unterhalt und Ausstattung von Krankenhäusern nicht nach.
Also wird Geld aus der Erstattung der "Fallzahlen" abgezweigt, dem Patienten vorenthalten. So wird uns weisgemacht, dass sich Krankenhäuser "nicht tragen" würden, weil die Fallzahlen zu gering wären. Es wird Nachfrage geschaffen, die eigentlich nicht da ist. Daher die vielen unnötigen OPs.Außerdem wird der Patient "blutig" entlassen und bei der Pflege und Versorgung gespart. Weiter bekommt der Patient billige ((und minderwertige?) Medizinprodukte (z.B. Skandal bei Hüftgelenksprothesen).
Der Patient bekommt möglichst keine Reha, lieber soll er dann im Pflegeheim dahinvegetieren, obwohl viele wieder ein selbstbestimmtes Leben führen könnten. Dazu gibt es Untersuchungen.
Gewinne fließen in die Taschen von Aktionären. Herr Gröhe wollte sich dazu nicht äußern.
In meinen Augen wird so eine Menge Geld veruntreut! Die Beiträge sind für den Patienten zu verwenden.
Außerdem ist das Verhalten Körperverletzung.
WO ?? kommen die KK ihrer Aufgabe nach, zu überprüfen, dass die Gelder FÜR den Patienten verwendet werden?
Die glücklichen Ärzte, die regelmäßig mehr Geld erhalten, werden so in das System eingebunden, als Zulieferer und Abzocker. Antikorruptionsgesetz.
Wir sind nicht nötig, den Patienten etwas aufzuzwingen. Bei uns hat man eine elegantere Lösung: Retax, notfalls bis zu Vernichtung der Existenz. Also gib es kein Geld. Das
bekommen andere. Unberechtigt.
Zum Thema Ärzte noch eine Begebenheit: Eine Frau brach bei der Arbeit zusammen, ca 20 Uhr . Eine Arztpraxis ca 100 m in der Nähe wurde angerufen. Der Arzt hatte es nicht nötig nach der Frau zu sehen, sondern forderte die Kollegen auf, die Frau, wenn sie wieder gehen könne, in die Praxis zu bringen. Eine halbe Stunde später wurde die Frau in die Praxisräume geschleift (!), wo sie eine weitere Stunde "beobachtet" wurde. Es wurde nichts getan, nicht einmal der Blutdruck gemessen. Anschließend holte der Ehemann die Frau ab. Ein halbes Jahr später erlitt die Frau einen (weiteren?) Schlaganfall. Folge: Sprachstörungen und halbseitige Lähmung.
In diesem Gesundheitswesen kann es einem Angst und Bange werden!
Die KK und der Staat kommen ihren Aufgaben nicht nach! Der Kranke bleibt auf der Strecke!

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Warum?

von Christian Giese am 31.07.2016 um 21:56 Uhr

5 Fragezeichen? zum Schluss Ihres lieben Tagebuches, Herr Ditzel.
Warum? Obszönität des Fragens? Reclam 1,90€,
oder vielleicht Fragen als Ablenkung der eigenen Verantwortung?
Antwort: Über 70% der Kammermitglieder in Baden-Württemberg reflektieren nicht auf das kostenlos zugeschickte Kammer-Cosmas-Wahlaufrufheft, gehen nicht wählen.
Fragen sich nicht mal ein Warum?

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Berufspolitik schmackhaft ?

von Reinhard Rodiger am 31.07.2016 um 12:17 Uhr

Eigentlich ist berufspolitisches Interesse die notwendige Voraussetzung für Entwicklung. DIeses Interesse wird schnellstens erledigt durch:
1) Fehlen einer Plattform für Andersdenkende (vulgo:Opposition)
2) Machtbedingtes Desinteresse an entwicklungsrelevanten Ideen und entsprechendem Austausch (bzw WIderlegung)
3)Langfristiges Einfrieren der der Schlüsselfinktionen

Es ist die Erfahrung mit einer Vielfalt an Abwimmeltechniken,
die einfach lähmt. Das wird ergänzt durch ein nicht zeitgerechtes Selbstverständnis der Kammerfunktion als konstruktiver Dienstleister. HIer dominiert falsch zentriertes Kontroll-respektive Machtverständnis.

HIer besteht eine Bringschuld derer, die Mitverantwortung an der Erstarrtheit und Entwicklungsabstinenz tragen. Kurz gesagt- es fehlt der Vorbildcharakter und Perspektivisches.

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Das Rezeptur-Handwerk hat doppelten Boden - Pferdehändler, das goldene Referenz-Kalb und der nackte Kaiser

von Andreas P. Schenkel am 31.07.2016 um 10:27 Uhr

Einen guten Sonntag-Morgen, Herr Ditzel,
ja der deutsche Erstattungspreis, der ist das goldene Kalb für die halbe Welt, die eierlegende Woll-Milch-Referenz, um die alle Pharmazieprodukte-Preise des Globus herumtanzen. An deutschen Spesen soll die Welt genesen, sozusagen.

Rezepturvergütung, also die Bezahlung eines unserer verbliebenen "Alleinstellungsmerkmale", das ist ein leidiges Dauerthema. Ich finde: Der Aufschlag von 8,35 € ist das Mindeste. Wer allerdings in regelmäßigen Abständen durch externe Gutachten nachweist, dass die Qualität des Produkts stimmt, der soll pro Rezeptur erheblich höhere Vergütungen erhalten. Im Klartext: Ich favorisiere ein Modell, in dem jede Apotheke für jede Rezeptur den bisherigen Preis erhält + die neuen 8,35€. Eine Apotheke, die durch ZL-Ringversuch oder durch Tests anderer qualifizierter Anbieter alle Vierteljahre (oder meinethalben halbe Jahre) allerdings die Qualität ihrer Rezepturenfertigung nachweist, erhält pauschal für jede Rezeptur 25,00€ obendrauf! Diese Pauschale wird per gesetzlicher Bestimmung automatisch entlang der offiziellen Inflationsrate des Statistischen Bundesamtes erhöht. Ein offizielles Siegel zum Bekleben der Primärpackungen sollte dann auch nicht fehlen! Auf diese Weise bekämen wir die Forderung der Politik an die Kammern nach Verbesserung und Sicherung der Rezepturqualität (immer wieder mal akut nach Tests von Landesuntersuchungsämtern) und die Forderung der Apothekerschaft nach gerechter Vergütung der Rezepturfertigung unter einen Hut, ohne allzu große Eingriffe für Apotheken, die nur ein paar Rezepturen pro Quartal fertigen müssen.

Deckelung der 3%-Marge: Das ist die Pferdehändler-Methode. Wenn du eine Forderung durchsetzen willst, die bei der Gegenseite schwierig durchsetzbar ist: Denke dir eine noch viel schlimmere Forderung aus und propagiere sie lauthals. Nach einiger Zeit und eineigem Verhandlungsgeschick wird die Gegenseite die schwierige Forderung schlucken und annehmen, nur um die ganz üble Forderung endlich vom Tisch zu bekommen. Deshalb ist die 3%-Margendeckelung noch nicht endgültig vom Tisch!

Vizekanzler Gabriel auf dem DAT, das wär mal echt was! Aber nach dem Ministererlaubnis-Debakel mit dem Kaiser seinem Tengelmann wird Gabriel gaaanz ganz vorsichtig sein in der ministeriellen Außendarstellung, Und wie schnell ist die Presse der bewegten Bilder bei Bedarf zur Hand mit Heilberuflern, denen die goldenen Zehn-Cent-Münzen in die Hand rieseln, als Allegorie für den achsotollen Zaster, der ja tagtäglich scheinbar verdient wird. Wir wissen: Die goldfarbenen Münzen sind nicht aus Gold, und kaum schaltet die Kamera ab, rinnt uns der allergrößte Anteil der Münzen durch die Hände und landet ganz wo anders. Aber der Bundeswirtschaftsminister wird verständlicherweise für einige Zeit alle Auftritte meiden, die einen Zusammenhang zwischen ihm und angeblich gutverdienenden Berufs- und Handels-Sparten insinuieren könnten.

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AW: Cave: 'Schere im Kopf' .......

von Gunnar Müller, Detmold am 31.07.2016 um 14:06 Uhr

Der Erstattungspreis nützt ausschließlich den GKVen und nolens/volens der Pharmaindustrie. Er behindert uns bereits jetzt und wird auf Dauer von uns Apotheken nicht mehr nachgeprüft werden können hinsichtlich Abzug beziehungsweise Erstattung usw.. Also muss er weg bzw. anders gehandhabt werden.
Ad Rezepturpreise:
Ihr Vorschlag führt nur zu einer weiteren Verschärfung der Anforderungen und zu einer Spaltung der Apothekerschaft. Wollen Sie das wirklich?
Ad 3%-Deckelung:
Ihre Erklärung ist gut, aber sie trifft nicht den Kern. Der Aufschlag wurde 2003 gerade zusammen mit dem Fixaufschlag eingeführt. Denkt die Politik an eine Deckelung, muss selbstredend der Fixaufschlag angehoben werden - und zwar zusätzlich zur Anhebung wegen Kostensteigerung etc.
Ad Gabriel:
Klasse Gegenargumente. Aber warum machen Sie sich einen Kopf für Herrn Gabriel? Vielleicht wäre er ja gerade aus Wahlkampfgründen gut beraten, die bei den Wählern hoch angesehene Apothekerschaft als verlässlichen Dienstleister im Gesundheitssystem aufzusuchen und sich für eine Stärkung bestehender Strukturen einzusetzen statt für deren fortgesetzte Ausbeutung und ihren Ersatz durch fragwürdige Alternativen!

AW: @Gunnar Müller / Spaltung durch Qualität? Siggi in der Blackbox

von Andreas P. Schenkel am 31.07.2016 um 15:45 Uhr

Erstattungspreis: Volle Zustimmung, aaaaber: Das Ding ist ein altes gesetzgeberisches Überbleibsel, ein vielfach modifiziertes Relikt, und so etwas überlebt im deutschen Gesundheitswesen oftmals ewig lange, Beispiele: Importquote ist ein lausiges Sparinstrument im Vergleich mit den Rabattverträgen, aber plagt uns täglich, stündlich, fast minütlich. Oder Normgrößen: absurd, fast schon nutzlos, dennoch guter Anlass, uns ab und zu die Rechnung zu kürzen. Bürokratie-Abbau? Eher nicht so schnell.

Rezepturpreise-Konzept: Die Erfüllung zusätzlicher Qualitätsstufen wäre hier ja gerade freiwillig. Vielleicht fallen Ihnen ja noch bessere Parameter ein, anhand derer sich die Rezepturqualität bestimmen ließe? Ansonsten ist mir nicht klar, wieso die Apothekerschaft gespalten würde, wenn auf freiwilliger Basis die Qualität überprüft und gesichert würde, und ansonsten alles weitere (§§ 7,8 ApBetrO insb.) unverändert bliebe. Gerade diese zusätzlich denkbare Gängelungsmöglichkeit suchte mein Vorschlag ja ausdrücklich zu vermeiden, wie dem aufmerksamen Leser nicht entgangen sein dürfte.

Deckelung: Die Politik denkt nicht wie wir. Die Politik denkt bei "Deckelung" vor allem an eines: Das Gesundheitswesen ist für die Politik ein Automat, selbstverwaltet und in sich geschlossen. Es kostet einen bestimmten Preis, den stecken wir oben in den Automaten, darin heilen, fabrizieren, dokumentieren die Gesundheitswesler, machen ihr Ding, befehden und skalpieren sich notfalls, aber alles in der gedeckelten Kiste. Hauptsache, wir da draußen haben unsere Ruhe. Wenn der Deckel zu oft aufploppt, dann werfen wir ein paar Rechtsnormen-Änderungen rein und hauen den Deckel schnell wieder zu. Sollen die doch sehen was sie daraus machen. Die Fachaufsicht machen ja eh die Bundesländer und schicken ein paar Beamte und Pharmazieräte in die Krabbelkiste. Hauptsache, aus dem Automaten "Gesundheitswesen" kommt unten ein halbwegs gescheites Ergebnis raus und nicht allzu viel Gemaule.

Und warum sollte der Gabriel sich nun in die Niederungen der Black-Box "Gesundheitswesen" begeben und bei 'Thekers herumkrebsen? Das soll doch der Fachminister machen und der zuständige Parteimensch oder der Fraktions-Gesundheitsfuzzi. Der Vizekanzler klettert doch nicht in den Maschinenraum!

AW: German GMP: Die schlechtest-honorierte Handwerksleistung europaweit

von Wolfgang Müller am 31.07.2016 um 18:15 Uhr

Apotheker halten nach ApoBetrO für "Die Rezeptur" einen aufwändigen Prüf- und Herstellbetrieb vor. Inklusive des benötigten Personals. Die Eignung des Betriebs dafür wird in regelmäßigem Turnus hoheitlich überprüft.

Genaugenommen ist der hochnotpeinlichste Teil dieser hoheitlichen Prüfung sogar der komplett überflüssigste, eigentlich fachlich lächerliche und unter satisfaktionsfähigen akademischen Kollegen daher problematischste Teil, nämlich die "Prüfung der Ausgangsmaterialien" .......

Aber egal, grundsätzlich ist die Eignung für die "Individuelle Arzneimittel-Herstellung" damit akkreditiert.

Das Ganze ist skurril genug, bezogen auf das jährlich deutlich 5-stellige Defizit einer normalen Apotheke daraus. Die zusätzliche Forderung einer regelmäßigen Überprüfung der Qualität "Der Rezeptur" zugunsten der Konten weiterer externer Betriebe = Akkreditierer ließe sich nur begründen, wenn man den Nicht-akkreditierten die Berechtigung für die Rezeptur komplett entzöge. D. h., die Überprüfung in der BetrO verankerte. Was ich persönlich selbstverständlich eher für eine weitere, leider Apotheker-übliche Über-Regulierung halte.

Aber: Wenn Sie dieser Akkreditierung einen nennenswerten, honorierbaren GMP-Vorteil zusprechen, wie wollen Sie dann begründen, dass ein Patient sich seine mikro-dosierten lebensrettenden Kapseln von einer nicht-akkreditierten Mischdummerle-Apotheke für 7 Euro vergleichsweise hinschludern lassen sollte ("Kann meine PTA mit verbundenen Augen")?

In Wirklichkeit heißt "Qualitätssicherung Rezeptur" ganz einfach
1) Auskömmliche Honorierung für Alle, also deutlich mehr als 25,- Euro zusätzlich und
2) Die Möglichkeit, Rezepturen bei darauf spezialisierten Fremd-Apotheken zu bestellen.

"Die Politik" würde diesen europäischen Weg mitgehen, glauben Sie mir. Nur: "Wir" müssten uns das zu wollen trauen.

Alles Andere ist GMP-mäßig und kaufmännisch eiskalter Kaffee, ausgedacht und aufrechterhalten durch schiere ANGST, ohne das Ganze zu sehr an BEDEUTUNG zu verlieren. Keinen außer "Uns" interessiert es aber in Wirklichkeit, ob wir als schiere Zahl 10 oder 3 Millionen Individualrezepturen herstellen. In ersterem Fall 7/10 Just For Fun, in letzterem Fall nur die wirklich notwendigen, dafür aber profitabel und rundum GMP-gerecht. .

AW: AW: @Wolfgang Müller

von Andreas P. Schenkel am 31.07.2016 um 21:56 Uhr

Lieber Kollege Müller,
wie wenige Rezepturen pro Halbjahr fertigen Sie eigentlich an? Rechnen Sie doch mal überschlagsmäßig: Das ZL nimmt für eine Untersuchung, was weiß ich, sagen wir mal der Einfachheit halber ~ 250 €. Zehn Rezepturen mit der Sahnehäubchen-Vergütung a 25 € und die Test-Investition hat sich für das nächste Halbjahr amortisiert! Also, dort wo ich meine Brötchen verdiene, wäre die Amortisation bereits nach weniger als einer Woche erfüllt. Die restlichen 25 Wochen bliebe das Ganze in's Positive gedreht und danach drückten Sie halt in Gottes Namen mal wieder 'nen Vierteltausender an die ungeliebten Zertifikate-Ausdrucker und -Laminierer ab.

Und jetzt überschlagen Sie mal den zusätzlichen Rohertrag pro Jahr. Da hätten Sie flugs das Geld für einen extrafeinen NIR-Apparillo zusammen, damit geht ihre Ausgangsstoffprüfung, mag sie noch so absurd sein, mit 70 - 90 % Ihrer Ausgangsstoffe schneller als das Brezelbacken.

Ja, und warum nicht spezialisierte Rezeptur-Apotheken in Analogie zu den Notdienst-Apotheken, allerdings nicht wie dort wechselnd, sondern fest, aber eben für einen definierten Ortsumkreis zuständig. Plus Vergütung der Rezepturapotheke für den Fahrdienst zu den Kollegen im Umkreis, klingt gar nicht so schlecht. Wäre eine Überlegung wert, aber jene obere Berufsvertretung e.V. Berlin, die dies vorbereiten müsste, scheint etwas Geheimes zu wissen, was den Berufsstand damit gefährden könnte, anders ist das massive Widersträuben gegen diese Ideenwelt nicht zu erklären. Bis dahin bleibt eben alles in der unterfinanzierten Schwebe.

AW: Missverständnis "Amortisation"

von Wolfgang Müller am 01.08.2016 um 14:25 Uhr

Sorry, aber das muss ein Missverständnis sein. Amortisation von Akkreditierungen oder unter zivilisierten, normal regulierten Bedingungen eigentlich überflüssigen Geräten ist für mich hier gar nicht das Thema gewesen. Wenn die "Akkreditierten" auf diese Weise die "Nicht-Akkreditierten" durch schieres Überleben oder höhere Honorare aus dem Rennen werfen, mag sich dieser Kram ja super "amortisieren". Letztlich "amortisiert" sich so ja jeder Überregulierungs-Blödsinns aus unserem eigenen Ideen-Kasten, weil sich einige das locker leisten können, und viele andere nach und nach einfach ihre Mietverträge nicht verlängern ........

Und auch hier ist "NIR" ein wunderschönes Beispiel: Das ist technologisch eine gute Sache, ein feines Spässken, eine gute Firma, inzwischen sogar anwendbar und revisionsfähig, wie´s aussieht. Also: Kauft man sich das natürlich, wenn man zu den Reicheren gehört, weil man weiß, dass "Die Doitschen Apotheker" bis auf weiteres die WE-Identitätsprüfungen wg. Bedeutungsverlust-Gefahr auch als letzter Europäischer Nachzügler nicht abschaffen werden. So gesehen: "Amortisiert" sich HERVORRAGEND! Wird bei mir aber ehrlicherweise unter "Schutzgeld" verbucht.

Mir ging es aber um die logische Unmöglichkeit, wenn es denn - wie Sie vorschlagen - höhere Honorare für "Akkreditierte Rezeptare" geben soll, die Anderen überhaupt noch Rezepturen herstellen zu lassen. Und um die Frage, was so ein Denken überhaupt soll, anstatt ALLE anständig zu honorieren.

Ich gebe allerdings zu, dass es auch sein kann, dass Sie mich und andere ja nur reinlegen wollen und das dieser Teil Ihres Beitrags eine Glosse ist. Habe ich zwischendurch jedenfalls öfter mal gedacht.

Kontinuität oder Mut zur Veränderung ?

von Ulrich Ströh am 31.07.2016 um 9:11 Uhr

Woran liegt's bei 70 Prozent Nichtwählern bei einer Kammerwahl?
Ich denke ,diese 70 Prozent haben richtig erkannt,dass sich auch nach der Wahl im Ländle nichts ändern wird bei den Führungspositionen ...
Die Netzwerke von Kammern und Verbänden sorgen im Regelfall gemeinsam dafür,dass auf Kontinuität gesetzt wird....

Einzelne junge engagierte Kollegen und -innen werden sehr viel Geduld mitbringen müssen.

Da gibt dann es schon andere Prioritäten im Berufsleben !

Man sollte über eine Altersgrenze für Führungspositionen in der Standespolitik nachdenken.Oder nach acht Jahren freiwillig abdanken.

Übrigens,ich habe 36 Jahre in der KV AK SH als gewähltes Mitglied gesessen .

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Willkommen auf der Supernova

von Gunnar Müller, Detmold am 31.07.2016 um 9:06 Uhr

Warum lädt die ABDA eigentlich nicht den BMWi zum DAT ein?
Immerhin ist er doch der Chef der SPD.
Und als solcher könnte er uns doch locker erzählen, wo die alte Tante denn hinsteuert...
Außerdem könnte der Siechmar uns doch mal erklären, wie wir dann zukünftig als Kaufleute im Gesundheitswesen klarkommen sollen mit Erstattungspreisen, die unter Verschluss liegen - schon heute ein undurchschaubares Spektakel, wo sich der Apotheker darauf verlassen muß, das er alles auch erstattet bekommt, was ihm bei der Bezahlung durch die KrankenKassen abgezogen wird.
Ob Herr Gabriel da durchblickt?
Fragen wir ihn doch - wenn er sich zu kommen traut. Und die ABDA ihn nicht einzuladen vergisst .......
Willkommen auf der Supernova Gesundheitssystem!

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Warum ist die Wahlbeteiligung bei Kammer - Wahlen so niedrig?

von Thesing-Bleck am 31.07.2016 um 9:02 Uhr

Guten Morgen Herr Ditzel,
Auch in diesen Newsletter stellen Sie wieder die richtige Frage: "Warum ist die Wahlbeteiligung für die Kammer -Wahlen so niedrig?" Diese Frage haben wir uns im Wahlkampf - Team vor vielen Kammer-Wahlen gestellt. Die Antworten sind sehr komplex. Ich kann sie nur schlaglichtartig beantworten, und das auch nur für Nordrhein.
Ein immer größer werdendes Hindernis ist das Wahlverfahren selbst. In einer zunehmend digitalisierten Welt müssen sich die Kammern zukünftig darüber Gedanken machen, wie sie das sehr langsame und wenig attraktive Briefwahl-Verfahren zeitgemäßer gestalten können.
Ein spannend geführter Wahlkampf weckt das Interesse für die bevorstehenden Kammerwahlen und erhöht damit signifikant die Wahlbeteiligung. Der Wahlkampf selbst kann in Nordrhein aus Datenschutzgründen fast nur über Printmedien geführt verden; und Printwahlwerbung verliert in zunehmendem Maße an Attraktivität. Ebenfalls aus Datenschutzgründen ist es in Nordrhein extrem schwierig, die einzelnen Berufsgruppen getrennt anzusprechen. Die Vorstellungen, die beispielsweise Chefs, Rentner, WIV-Apotheker, Mitarbeiterinnen in öffentlichen Apotheken oder Pharmaziepraktikanten haben, unterscheiden sich sehr deutlich voneinander. Diese unterschiedlichen Interessen müssten getrennt nach Berufsgruppen ansprechbar sein. Und darüber hinaus müsste deutlich gemacht werden können, welche zukünftigen Delegierten in der Kammerversammlung welche Berufsgruppe vertreten wollen. Die Kammer selbst kann und darf diese Aufsplittung nicht vornehmen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Deutsche Apotheker Zeitung mit ihren elektronischen Möglichkeiten aus diesem Dilemma ein neues Geschäftsmodell entwickeln könnte.

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