Medikationsmanagement

ARMIN startet – Wo hakt es noch?

Berlin - 28.06.2016, 14:30 Uhr

Gut beraten: Ab dem 1. Juli können Apotheker in Sachsen und Thüringen multimorbiden AOK-Patienten ein Medikationsmanagement anbieten. (Foto: dpa)

Gut beraten: Ab dem 1. Juli können Apotheker in Sachsen und Thüringen multimorbiden AOK-Patienten ein Medikationsmanagement anbieten. (Foto: dpa)


Kompetenzgerangel und hohe Erwartungen

  • Die Wirkstoffverordnung und der Medikationskatalog. Für die AOK Plus sind die ersten beiden Module von ARMIN die wichtigsten. Durch die Wirkstoffverordnung erhofft sich die Kasse eine höhere Rabattquote. Der Medikationskatalog soll dafür sorgen, dass Ärzte leitliniengerecht verschreiben. Aber auch hier gibt es noch Verbesserungsbedarf: Nur etwa die Hälfte aller Verordnungen können schon über den Wirkstoff erfolgen. Derzeit können die Mediziner 171 Monosubstanzen und 17 Wirkstoffkombinationen ohne Markennamen verschreiben. „Ziel ist es hier ganz klar, noch mehr Wirkstoffe einzubeziehen“, sagte Dittrich. Der Medikationskatalog umfasst derzeit zwölf Indikationen, aus denen die Mediziner bei der Verordnung auswählen können. Auch hier müsse es noch eine Entwicklung nach oben geben.

  • Die Kooperationskultur. Ärzte, Apotheker und die Politik versprechen sich durch ARMIN eine neue, verbesserte Arbeitsgemeinschaft zwischen Ärzten und Apothekern. Sachsens Staatsministerin für Soziales, Barbara Klepsch, sprach davon, dass ARMIN eine „Blaupause“ für die weitere Digitalisierung des Gesundheitswesens werden könne. Sicherlich ist die neue, digitale Serverlösung als Kommunikationsebene für beide Heilberufler einzigartig und könnte für andere AMTS-Projekte als Vorbild dienen. Aber was hilft diese Lösung, wenn gerade die Hausärzte keine Kompetenzen an Apotheker abgeben wollen? Thüringens KV-Chefin Annette Rommel appellierte auch deswegen noch einmal an ihre Kollegen: „Unsere Therapiehoheit bleibt erhalten. Wir brauchen aber für das Modell einen bestimmten Arzt-Typen. Der Typ ‚Ich bin Arzt, lasst mich hier durch!‘ wird sicherlich kein Interesse an ARMIN haben.“

  • Die Erwartungen an das Projekt. Die Erwartungen an ARMIN sind enorm hoch. Die AOK Plus hat mehr als 3 Millionen Euro in die Errichtung der technischen Infrastruktur investiert und muss die Apotheker und Ärzte vergüten. Natürlich will die Kasse möglichst bald finanzielle Vorteile sehen. Die Apotheker wollen mit Hilfe von ARMIN zeigen, dass sie Medikationsmanagement können, dass auch die Zusammenarbeit mit dem Arzt klappt und sich somit für weitere Projekte mit Zusatzhonoraren bewerben. Nicht zuletzt hat der Gesetzgeber alle Beteiligten beauftragt, das Projekt zu evaluieren und den Patientennutzen herauszustellen. ARMIN kann also für alle Beteiligten eine große Chance sein. Läuft etwas schief, weil sich beispielsweise nicht genügend interessierte Patienten finden, werden aber insbesondere die Apotheker eine herbe Niederlage einstecken müssen.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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3 Kommentare

Aufmarsch der Reichsbedenkenträger bei ARMIN

von Uwe Bauer am 29.06.2016 um 7:32 Uhr

Dieses ständige Gemeckere über jedwede Versuche einer Neuorientierung , das hyperaktive Suchen des Haares in der Suppe und noch einiges mehr geht mir nur noch auf den Senkel.

Hat irgendjemand gesagt, es würde einfach werden?

Hat jemand bessere Ideen für eine aktivere Orientierung auf den heilberuflichen Teil unserer Arbeit?

Meint irgendwer, die Schwierigkeiten im Umgang mit Technik & Datenschutz wären lockerer aus dem Weg zu räumen?

Fand schon jemand den Königsweg bei der Zusammenarbeit mit unseren heilberuflichen Brüdern & Schwestern auf ärtzlicher Seite?

Dann immer heraus mit solcherlei brillianten Ideen!

Fast alles, was dort bisher vorgetragen wurde, ist nichts als heiße Luft. Es springt als Tiger ab und landet als Bettvorleger.

Ja, die Sache mit dem Honorar ist Mist, aber daran muss eben gearbeitet werden. Mit genau der gleichen Hartnäckigkeit wie bei der Überwindung der o. g. Probleme.

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AW: Aufmarsch der Reichsbedenkenträger bei

von Pillendreher am 01.10.2019 um 10:15 Uhr

Wir haben zu tun mit massenhaften Defekten, müssen improvisieren, um die Patienten zu versorgen, wir haben den Rahmenvertrag umzusetzen (damit auch ja die richtigen Nummern auf dem Rezept stehen), unsere "ärztlichen Brüder und Schwestern" arbeiten ja nur mit bestimmten Apotheken zusammen, nicht mit allen... Ein Orientierung auf den heilberuflichen Teil meines Berufes vermisse ich und habe dies ad acta gelegt, nachdem ich ganze Vormittage verbringem um einen Arzt ans Telefon zu kriegen, nach Lorazepam in SMT Form Ausschau halte, Venlafaxin vergeblich in D suche... Armin? Das Lieblingsprojekt einiger Funktionäre aus Sachsen und Thüringen - praktikabel ist es erst, wenn ich als Pharmazeut mich heilberuflich (!) betätigen kann. Die sehe ich für die nächsten Jahre nicht.

Will die ABDA "Arminsklaven"?

von Heiko Barz am 28.06.2016 um 20:12 Uhr

Ein gewaltiges Damokles Schwert bedroht ARMIN und dessen "Brüder und Schwestern" in den anderen Bundesländern,
nämlich die faire finanzielle Bewertung dieser Zusatzbelastung.
Ich garantiere, sobald bundesweit über eine Finazierung dieser Sonderaufgaben gesprochen wird, dann höre ich die " Gesundheistskasse " wieder reden von der Selbstverständlichkeit der bestehenden Beratungsgebühr.
Lobpreisung über alles - wenn es nichts kostet. Super!!
Es ist geradezu lächerlich, wenn die ABDA vermeldet, es habe sich dieser ARMIN-Konstruktion alles unterzuordnen.
Man sollte davon ausgehen, dass die notwendigsten Aufgaben: BTM-Vergütung, Nacht und Notdienstverbesserung, Honorarverhandlungen etc keine momentanen Richtwerte mehr sind.
So schön und schnell können sich Schmid und Co. aus der Bedrängnis wieder ins helle Licht bringen.

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