Gesundheitspolitik

ARMIN: 157,50 Euro Honorar für Apotheker und Ärzte

Arzneimittelmanagement-Pilotprojekt startet zum 1. April in Sachsen und Thüringen

BERLIN (lk) | Mit deutlicher Verspätung kann das ABDA-KBV-Modell als „ARMIN“ in der Pilotregion Sachsen/Thüringen jetzt an den Start gehen: 157,50 Euro Honorar erhalten Apotheker wie Ärzte im ersten Jahr für jeden AOK-Plus-Patienten, der am neuen Arzneimanagement-Pilotprojekt teilnimmt. Dies teilte der Vorstandschef der AOK Plus, Rainer Striebel, bei der Vorstellung der Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN) am 27. März in Berlin mit. Hervorgegangen ist diese aus dem ehemaligen ABDA-KBV-Modell. Die AOK Plus sowie die Apothekerverbände und die Kassenärztlichen Vereinigungen in Sachsen und Thüringen starten das gemeinsame Projekt zum 1. April 2014. Die Idee des ABDA-KBV-Modells gibt es bereits seit 2010.
Fotos: AZ/Sket
Bei der Vorstellung von ARMIN Monika Koch, Vorsitzende des Sächsischen AV, und Dr. med. Klaus Heckemann, Vorstandsvorsitzender KV Sachsen.

Das Honorar für Apotheker und Ärzte teilt sich auf in einen Betrag von 94,50 Euro für das aufwendige Erstgespräch mit dem Patienten zur Feststellung und Dokumentation seiner kompletten Medikation. In jedem darauf folgenden Quartal gibt es für kürzere Folgeberatungen 21 Euro Extra-Honorar. Nach Angaben von Monika Koch, Vorsitzende des Sächsischen Apothekerverbandes, erhalten Apotheker von der AOK Plus für jedes ARMIN-Rezept mit der neuen sechsstelligen Wirkstoffcodierung 20 Cent zusätzliches Apothekenhonorar.

Die AOK Plus trägt zudem die Investitionskosten für die notwendige Umstellung der Apotheken- und Praxissoftware. Im ersten und zweiten Quartal der zum 1. April startenden Einschreibefrist erhalten Apotheker wie Ärzte einen Zuschuss von 1500 Euro. Ab dem 3. Quartal sinkt der Zuschuss auf 1000 Euro und ab dem 4. Quartal auf 500 Euro.

Wirkstoffverordnung ab 1. Juli

Nach einem Informations- und Einschreibequartal soll zum 1. Juli 2014 die Wirkstoffverordnung starten. Ziel ist es, den Fokus des Patienten primär auf den Wirkstoff statt auf das Fertigarzneimittel zu legen. Dazu wurden knapp 200 Arzneistoffe nach fachlicher Bewertung ausgewählt, die eine wesentliche Relevanz in der hausärztlichen Versorgung haben und hinsichtlich der Substitution als unkritisch eingeschätzt wurden. Außerdem wurde ein neues qualitätsgesichertes Verfahren für die Verordnung und Abgabe dieser Wirkstoffe entwickelt. Mithilfe des elektronischen Praxisverwaltungssystems der Ärzte wird automatisch eine standardisierte Wirkstoffverordnungszeile erzeugt. Der Apotheker wählt anschließend anhand des rezeptierten Wirkstoffes das passende Präparat aus. Damit sollen Kosteneinsparpotenziale ohne Einbußen in der Therapiequalität gehoben werden. Die freie Therapieentscheidung des Arztes bleibt erhalten.

Gleichzeitig werden den Ärzten für bestimmte Krankheiten Therapieempfehlungen in einem Medikationskatalog zur Verfügung gestellt. Dieser soll dem Arzt eine zusätzliche Hilfestellung in seinem Praxisverwaltungssystem anbieten, um die Auswahl optimaler Wirkstoffe zur Behandlung von Erkrankungen zu unterstützen.

Medikationsmanagement startet 2015

Zeitlich versetzt wird das Medikationsmanagement als letzte Stufe des Projekts an den Start gehen. Wesentlicher Bestandteil des Medikationsmanagements ist das Ausstellen eines jeweils aktuellen und vollständigen Medikationsplanes für den Patienten. Das Angebot richtet sich vor allem an chronisch kranke Patienten, die dauerhaft mehr als fünf Arzneimittel gleichzeitig einnehmen müssen. Hier übernehmen Arzt und Apotheker gemeinsam die kontinuierliche Betreuung der AOK Plus-Versicherten.

Von den 2,7 Millionen AOK- Plus-Versicherten kommen etwa 300.000 für das auf fünf Jahre angelegte Projekt infrage. Allerdings ist die Zahl der Teilnehmer „gedeckelt“, es darf kein Arzt mehr als 30 Patienten in das ARMIN-Programm aufnehmen.

ARMIN ist ein Meilenstein Stefan Fink, Vorsitzender des Thüringer AV

Spätere Einsparungen sollen Projekt finanzieren

Die AOK Plus verspricht sich von ARMIN eine Erhöhung der Rabattvertragsquote und eine Verringerung des Risikos von Einnahmefehlern. Dadurch sollen die Folgekosten sinken. Diese Einsparungen sollen die Kosten des Pilotprojekts finanzieren. Die Teilnahme an dem Modellvorhaben ist für alle Ärzte, Apotheker und AOK-Plus-Versicherte in Sachsen und Thüringen freiwillig. Stefan Fink, Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbandes, bezeichnete ARMIN als „Meilenstein“. „Damit erhalten Apotheker und Ärzte erstmals einen kompletten Überblick über die Medikation“, so Fink. Apotheker und Ärzte würden sich mit ARMIN zudem „auf Augenhöhe“ um die Arzneimitteltherapie ihrer Patienten kümmern. 

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