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Vier weitere Jahre für ARMIN

Das Projekt zum elektronischen Medikationsmanagement in Sachsen und Thüringen wird verlängert

BERLIN (ks) | Es ist das Vorzeigeprojekt für die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern zum Wohle der Patienten: ARMIN – die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen. Im März 2014 fiel der offizielle Startschuss für das Modellprojekt. Seitdem geht es in eher kleinen Schritten voran. Doch die Beteiligten glauben weiterhin an ihr Projekt – und schicken es deshalb in die Verlängerung bis Ende März 2022.

Basierend auf dem ABDA-KBV-Modell riefen die AOK Plus, die Kassenärzt­lichen Vereinigungen Sachsens und Thüringens sowie die Apothekerverbände der beiden Bundesländer, vor gut dreieinhalb Jahren ARMIN ins ­Leben. Die drei Säulen, auf denen ARMIN beruht, wurden nach und nach aufgebaut: Zuerst die Wirkstoffverordnung, dann der Medikationskatalog und – als Krönung für die Apotheker – das Medikationsmanagement, das durch einen elektronischen Datenaustausch zwischen Arzt und Apotheker erfolgt. Vor allem die Apotheker legten viel Herzblut in das Projekt. Als Probleme erwiesen sich jedoch die Teilnahmebereitschaft der Ärzte und die digitale Vernetzung. Die Kommunikation zwischen der ABDA-Datenbank und der Ärzte-Software erwies sich als schwierig: Während die Apotheken auf acht große Softwarehäuser beschränkt sind, gibt es für Ärzte rund 150 unterschiedliche Anbieter. Auch deswegen geht es weiterhin nur langsam voran: Ende Juli 2017 machten 510 sächsische und 465 thüringische Apotheken mit bei ARMIN. Bei den Ärzten ist die Beteiligung geringer: 244 sächsische und 311 thüringische Mediziner nehmen teil. Angebunden an den Medikationsplanserver waren zu diesem Zeitpunkt allerdings deutlich weniger: nämlich 259 Apotheken und 154 Ärzte. Laut AOK Plus werden von ihnen aber immerhin schon 2500 Versicherte betreut.

Foto: DAZ/Schelbert
Verlängert Apotheker in Sachsen und Thüringen werden für vier weitere Jahre am Modellprojekt ARMIN beteiligt sein.

Auch wenn noch immer Hürden zu überwinden sind: Die Beteiligten bleiben überzeugt von ihrem Projekt und sehen die bisherigen großen Anstrengungen durch positive Entwicklungen in den vergangenen Monaten gerechtfertigt. Ganz in diesem Sinne verkündeten sie nun in der vergangenen Woche, dass sie die Verlängerung des Modellvorhabens bis zum 31. März 2022 beschlossen haben. Damit wird die gesetzlich maximal mögliche Laufzeit für ein Modellprojekt von acht Jahren komplett ausgeschöpft.

Positive Rückmeldungen

„Die Rückmeldungen von Ärzten und Apothekern mit teilweise mehr als 100 gemeinsam betreuten Versicherten sind fast durchgehend positiv“, ­erklärte der auf AOK-Seite Projektverantwortliche Ulf Maywald. Gelobt werde vor allem die klare fachliche Auf­gabenzuordnung im Medikationsmanagement, dem Herzstück von ARMIN, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Projektträger. Mit Blick auf die „teilweise schleppende Anbindung” an den Medikationsplanserver gibt Maywald sich zuversichtlich: „Gemeinsam mit den Softwareherstellern nehmen wir in den Praxen noch auftretende Softwareprobleme auf und lösen sie Schritt für Schritt. Dies sollte dazu führen, dass wir Ärzte und Apotheker, die noch am Medikationsmanagement teilnehmen wollen, recht bald an den Server anbinden und weitere Heilberufler für das Modellvorhaben gewinnen können.“

Forderungen an die Politik und Hersteller der Arzt-Software

Thomas Dittrich, Vorsitzender des Sächsischen Apothekerverbandes, betonte, dass das gemeinsame Medikationsmanagement von Arzt und Apotheker eine klare Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit sei. Es müsse als heilberufliche Leistung Teil des Kollektivvertrags werden. Daher forderte er den Gesetzgeber auf, die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen. Dittrich: „Es darf nicht passieren, dass ein über mehr als vier Jahre etablierter Prozess, der von den Heilberuflern, den Versicherten und der Krankenkasse gewünscht und gelebt wird, wegen gesetzlicher Beschränkungen wieder fallen gelassen werden muss.“

Sven Auerswald, Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen, wandte sich vor allem an die Softwarehersteller: „Wir brauchen für die Ärztinnen und Ärzte praktikable Softwarelösungen. Bei ARMIN hat es schlicht zu lange gedauert, bis solche Produkte zur Verfügung standen. Die Hersteller müssen ihre Produkte in Zukunft mehr an den Bedürfnissen ihrer Kunden ausrichten.“ Auerswald hat aber auch eine Botschaft an die Gematik: Anwendungen wie ARMIN müssten auch in die Telematikinfrastruktur überführt werden. Zudem verwies der KV-Vertreter darauf, dass in Teilen Thüringens und auch Sachsens nach wie vor schnelle Internetverbindungen fehlen. Das bedeute für die dortigen Heilberufler enorme Behinderungen, die mit einem teils hohen Zeitaufwand verbunden sind.

Nur diese eine Chance?

Auch die ARMIN-Beauftragte des Sächsischen Apothekerverbands, Monika Koch, hatte sich wenige Tage zuvor beim Apothekerforum Brandenburg erneut für ARMIN stark gemacht und davor gewarnt, das Projekt für tot zu erklären: Alle die über Digitalisierung im Gesundheitswesen reden, sollten die Erfahrungen, die mit ARMIN gemacht werden, mitnehmen. Scheitere das Projekt, werde es Jahre dauern, ehe es einen nächsten Versuch dieser Art gibt, mahnte Koch. |

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