Internationale Krebsforschungsagentur

WHO-Agentur: Verarbeitetes Fleisch krebserregend

Lyon - 26.10.2015, 14:20 Uhr

Ein weiteres Darmkrebsriiko: Wurst und Fleisch. (Foto: Stefan Gräf/Fotolia)

Ein weiteres Darmkrebsriiko: Wurst und Fleisch. (Foto: Stefan Gräf/Fotolia)


Würstchen, Schinken und anderes verarbeitetes Fleisch sind nach Einschätzung der Internationalen Krebsforschungsagentur krebserregend. Studien zeigten, dass sie das Risiko für Darmkrebs erhöhen.

Der regelmäßige Konsum von verarbeitetem – etwa gepökeltem oder geräuchertem – Fleisch, erhöht laut der Internationalen Krebsforschungsagentur das Risiko für Darmkrebs. Und zwar jede 50-Gramm-Portion, die an einem Tag gegessen wird, um 18 Prozent. Zu diesem Schluss kam die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörige Behörde, nachdem eine Arbeitsgruppe aus 22 Experten mehr als 800 Studien über den Zusammenhang von Fleischkonsum und dem Risiko für verschiedene Krebsarten ausgewertet hat.

Zudem stuften die Experten der WHO-Behörde rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend ein. Unter rotem Fleisch wird das Muskelfleisch aller Säugetiere verstanden, also auch von Rind, Schwein, Lamm, Kalb, Schaf, Pferd und Ziege.

Die Ergebnisse bestätigten geltende Gesundheitsempfehlungen, den Konsum von Fleisch zu begrenzen, sagte Agentur-Chef Christopher Wild.

Auf die Menge kommt es an 

Professor Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, der nicht an dem Bericht beteiligt war, betonte: „Man kann jedes Fleisch bedenkenlos essen. Es kommt aber auf die Menge an“. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Fleischwaren pro Woche zu essen. Die Realität sehe aber bundesweit anders aus, sagte DGE-Pressesprecherin Antje Gahl in Bonn. So verzehrten Männer im Durchschnitt wöchentlich etwa doppelt so viel – nämlich 1092 Gramm. Frauen liegen demnach mit 588 Gramm an der oberen Grenze.

Im Prinzip bestätige die Einschätzung der Krebsforschungsagentur die vorliegenden Befunde, sagte der deutsche Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen. Er kritisierte jedoch, dass in dem Bericht nicht erwähnt werde, dass es Länder mit hohem Fleischkonsum gebe, in denen die Dickdarmkrebs-Raten trotzdem sehr niedrig sind. Aus seiner Sicht müsste daher mehr zwischen den verschiedenen Sorten roten Fleisches differenziert werden. So gebe es Anhaltspunkte, dass vor allem bestimmte Sorten von Rindfleisch das Risiko steigern, sagte der frühere Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. Die WHO-Behörde ist der Auffassung, dass die Daten für eine solche Unterscheidung nicht ausreichen.


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