So helfen die Kollegen

„Flüchtlingen offen gegenüberstehen“

Stuttgart - 10.09.2015, 16:00 Uhr

Flüchtlinge willkommen: Die Hilfsbereitschaft in Deutschland ist groß. (Foto: Jürgen Hüls/Fotolia)

Flüchtlinge willkommen: Die Hilfsbereitschaft in Deutschland ist groß. (Foto: Jürgen Hüls/Fotolia)


Was kann ich tun, um den Flüchtlingen zu helfen? Das fragen sich wohl derzeit viele. Viele packen aber auch schon mit an und das auf ganz unterschiedliche Weise. Die Essensausgabe zu organisieren oder einem jungen syrischen Apothekerkollegen, die Chance zu geben, hier im Beruf Fuß zu fassen, sind nur zwei von vielen Beispielen für die große Hilfsbereitschaft in Deutschland.

Apotheker Peter Ricken aus Essen hat es mit seiner „Hilfsaktion“ sogar in die Bild-Zeitung geschafft. Er hat einen syrischen Apotheker eingestellt. Dieser spreche allerdings Deutsch und habe sich ganz regulär beworben, berichtet Ricken gegenüber DAZ.online. Der junge Mann hatte eigentlich die Apotheke seiner Eltern in Damaskus übernehmen wollen, die ist laut Bild-Zeitung aber jetzt zerstört. Daher beginnt er demnächst in der Essener Apotheke sein PJ, um anschließend das dritte Staatsexamen zu machen und dann zu promovieren. Grundsätzlich empfiehlt Ricken den Kollegen, den Flüchtlingen offen gegenüberzustehen und eventuell erstmal einen „Schnuppertag“ anzubieten.

Auch die NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) hat beim Sommerempfang von KV und Ärztekammer Nordrhein in Düsseldorf dafür plädiert, die Menschen aus Syrien und anderen Ländern, die in ihrer Heimat im Gesundheitswesen tätig gewesen sind, schnell zu integrieren. Das berichtet die Ärzte-Zeitung. In der Debatte über die Herausforderungen durch die hohen Flüchtlingszahlen sollten die positiven Aspekte der Zuwanderung nicht vergessen werden. Das sei eine Chance, die man nutzen müsse, so Steffens. Ihre Aussage, dass man die medizinische Unterstützung der Flüchtlinge verbessern könne, indem man Muttersprachler schnell ins System bekomme, bezog sich zwar auf Ärzte, lässt sich aber sicher problemlos auf Apotheker und andere Gesundheitsberufe übertragen.

Dr. Berthold Pohl, Inhaber der Max-Weber-Platz-Apotheke in München, hatte über Facebook angekündigt, zum Münchner Hauptbahnhof zu fahren und seine Hilfe dort anzubieten, wo in den letzten Tagen Tausende Flüchtlinge angekommen sind. Zudem hat er seine Freunde aufgefordert, es ihm gleich zu tun. Letztendlich hat er geholfen, so berichtet er gegenüber DAZ.online, die Essensausgabe in den Münchner Messehallen zu organisieren. Spezifischen Handlungsspielraum für Apotheker sieht er aber derzeit nicht. Kollegen, die helfen wollen, rät er bei den Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz nachzufragen.

Koordination über Facebook

„Einfach hinfahren“ wird derzeit angesichts der erfreulich großen Zahl an freiwilligen Helfern gar nicht mehr gern gesehen. Man läuft Gefahr, weggeschickt zu werden. Die Organisation und Koordination der Hilfe läuft derzeit in großen Teilen über Facebook. So wird auf lokalen Seiten wie „Refugees, welcome to Stuttgart“ oder „München ist bunt“ jeweils kurzfristig der aktuelle Bedarf an Helfern sowie Sach- und Lebensmittelspenden gepostet. Vergleichbares existiert für viele Städte. Helfer können dann direkt und unbürokratisch mit den Verantwortlichen in den Unterkünften in Kontakt treten und sich absprechen. Spiegel.online hat auf seiner Seite verschiedene Netzinitiativen für Flüchtlinge zusammengestellt, von Geldspenden über Welcome Dinner bis zur Vermittlung für WGs für Flüchtlinge findet hier sicher jeder, der möchte, eine Möglichkeit, sich zu engagieren, die zu seinem Tagesablauf, Zeitbudget oder Geldbeutel passt.


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