Gehaltsreport

Was Apotheker wirklich verdienen

Stuttgart - 21.01.2015, 17:44 Uhr

Gehaltsreport: Was Pharmazeuten nach dem Studium wirklich verdienen. (Bild: Aycatcher/Fotolia)

Gehaltsreport: Was Pharmazeuten nach dem Studium wirklich verdienen. (Bild: Aycatcher/Fotolia)


Das Durchschnittsgehalt nach dem Pharmaziestudium liegt bei 58.805 Euro – zu diesem Ergebnis kam der StepStone Gehaltsreport 2015. Ihm zufolge rangieren die Pharmazeuten auf Platz sieben – mehr verdienen im Durchschnitt unter anderem Ärzte, Ingenieure, Wirtschaftsinformatiker und Juristen. Allerdings wurde kein konkreter Bezug zu einer Stelle genannt. Doch gerade die Vielfalt potenzieller Arbeitsplätze für Pharmazeuten macht eine differenzierte Betrachtung notwendig.

Neben der Offizin kommen für Apotheker unter anderem auch Krankenhausapotheken, Behörden, Universitäten und nicht zuletzt die pharmazeutische Industrie als Arbeitgeber infrage. Dabei unterscheiden sich die Gehälter nicht nur von Branche zu Branche, sondern sind auch abhängig vom jeweiligen Tätigkeitsbereich sowie von der Größe, der Ausrichtung und vom Standort des jeweiligen Unternehmens. Nicht zu vergessen sind zudem die Berufserfahrung, die Qualifikation und auch das Verhandlungsgeschick des Arbeitnehmers.

Apotheker in der Offizin

Mit rund 80 Prozent arbeitet der Großteil der berufstätigen Apotheker in der Offizin. Eine Übersicht über das Einkommen in der Apotheke bietet der Gehaltstarifvertrag für angestellte Apotheker. Dieser wurde zwischen der Apothekengewerkschaft ADEXA und dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken ADA bzw. der Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter (TGL) Nordrhein für den Kammerbezirk Nordrhein geschlossen. Bindend ist der Tarifvertrag zwar nur, wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber in der jeweiligen Gewerkschaft sind. Allerdings dient er in der Praxis häufig als Orientierung und Verhandlungsbasis. Das Jahresgehalt eines Berufseinsteigers liegt demnach inklusive eines 13. Monatsgehaltes, das im Tarifvertrag vorgesehen ist, bei 41.886 Euro (Kammerbezirk Nordrhein: 42.380 €). Ein Apotheker, der mindestens elf Jahre Berufserfahrung hat, erhält laut Tarifvertrag inkl. 13. Monatsgehalt ein Bruttoeinkommen von 50.804 Euro (Kammerbezirk Nordrhein ab dem 8. Berufsjahr: 49.400 €).

Ob ein übertarifliches Gehalt gezahlt wird, hängt unter anderem von Angebot und Nachfrage ab: In Großstädten gewinnt ein Apothekeninhaber leichter einen approbierten Apotheker für seine Apotheke als in ländlichen Gebieten. Der Marktsituation entsprechend werden in weniger attraktiven Regionen nicht selten Gehälter gezahlt, die über dem Tarif liegen. Darüber hinaus hängt das Gehalt davon ab, wie ertragreich die Apotheke ist und wie hoch die Lebenserhaltungskosten in der Region im Schnitt sind. Zudem ist das Aufgabenprofil des angestellten Apothekers in der Offizin von Bedeutung: So tragen etwa Filialleiter mehr Verantwortung – das schlägt sich in der Regel auch im Gehalt nieder. Gängige Modelle reichen von einem Fixzuschlag (in der Regel zwischen 15 und 20%), über die Bereitstellung von Dienstwagen zur privaten Nutzung oder Boni für die Erreichung bestimmter Ziele (z.B. geringe Retaxationsquote). Höhere Verantwortung tragen aber auch Apotheker, die das QMS betreuen oder mit der Versorgung von Kranken- und Pflegeeinrichtungen betraut sind.

Apotheker im öffentlichen Dienst

Wie viel ein Apotheker im Bereich des öffentlichen Dienstes – dazu zählen unter anderem Bezirksregierungen/Regierungspräsidien, Gesundheitsämter, Ministerien, Hochschulen und Krankenkassen – verdient, lässt sich relativ genau sagen. Denn das Besoldungssystem staatlicher Behörden und Institutionen ist gesetzlich geregelt. Die Besoldung von beamteten Apothekern, die auf Bundesebene tätig sind, ist in der Bundesbesoldungsordnung geregelt. So werden Berufseinsteiger regelmäßig in die Besoldungsgruppe A13 eingruppiert. Dies entspricht bei unverheirateten, kinderlosen Arbeitnehmern gegenwärtig einem Jahresgehalt von knapp 47.000 Euro. Die Besoldung von Landesbeamten liegt in einer ähnlichen Größenordnung, kann jedoch von Bundesland zu Bundesland teils beträchtlich variieren.

Die Vergütung von Apothekern, die nicht als Beamte, sondern als Angestellte in staatlichen Institutionen beschäftigt werden, errechnet sich auf Basis des Tarifvertrags für den Öffentlichen Dienst der Länder (TV-L). Berufseinsteiger mit Hochschulabschluss, also auch Apotheker, werden in die Tarifgruppe E13 eingruppiert, was bei ledigen, kinderlosen Arbeitnehmern in den meisten Bundesländern einem Bruttogehalt von derzeit rund 42.000 Euro entspricht. Das Gehalt von Apothekern, die beim Bund oder in kommunalen Einrichtungen (z.B. Krankenhäusern) angestellt sind, richtet sich nach dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst (TVöD) und liegt in derselben Größenordnung.

Apotheker in der Industrie

In der Pharmazeutischen Industrie fällt das Einkommen nicht nur von Betrieb zu Betrieb, sondern mitunter auch von Abteilung zu Abteilung sehr unterschiedlich aus. Grundsätzlich kann man zwischen Generikaherstellern und pharmazeutischen Dienstleistungsunternehmen einerseits und den forschenden Pharmaunternehmen andererseits unterscheiden. Während Pharmazeuten ohne Promotion in der nicht-forschenden Pharmaindustrie mit Einstiegsgehältern von rund 42.000 bis 54.000 Euro rechnen dürfen, liegen diese bei forschenden Unternehmen etwas höher (ca. 48.000 bis 56.000 Euro). Bewerber mit Promotion erwartet beim Einstieg in ein nicht-forschendes Unternehmen gegenwärtig ein Jahresgehalt von etwa 55.000 bis 60.000 Euro, die Gehälter in forschenden Unternehmen liegen bei 57.000 bis 65.000 Euro. Allerdings gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel! Zudem ist zu beachten, dass die Arbeitszeit in der Industrie meist deutlich über 40 Wochenstunden hinausgeht und Überstunden häufig durch das Grundgehalt abgegolten werden.

In eigener Sache

Mehr zum Thema können Sie im Gehaltsreport (nicht nur) für angehende Apotheker und Berufseinsteiger lesen. Den vollständigen Artikel finden Sie in der CHANCE Pharmazie, das der aktuellen DAZ 2015/4 beiliegt. In dem Karrieremagazin finden sich neben dem Gehaltsreport auch Bewerbungstipps für Berufseinsteiger. Darüber hinaus stellen sich Firmen – die Adler Apotheke in Hamburg, Bayer AG und der Deutsche Apotheker Verlag – vor und erklären, was ihnen wichtig ist. Wer mit diesen und weiteren Unternehmen persönlich ins Gespräch kommen möchte, kann den Karrieretag CHANCE Pharmazie am 6. März 2015 von 13 bis 18 Uhr auf der INTERPHARM in Hamburg nutzen.


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